Wie trifft ein Reflektor mit dem Mondzyklus Entscheidungen im Alltag?
Als Reflektor Human Design kennenzulernen, kann erst einmal ziemlich irritierend sein. Alle Zentren sind offen, im Chart ist auf den ersten Blick kaum Farbe zu sehen und dann kommt auch noch die Information dazu, dass größere Entscheidungen nicht spontan getroffen werden, sondern Zeit brauchen. Genau so ging es Cindy. Als sie Human Design entdeckte, war sie zunächst hundertprozentig überzeugt davon, Generatorin oder sogar manifestierende Generatorin zu sein. Dann öffnete sie ihr Chart und alles war weiß. Für Cindy war das erst einmal ein Schock. Etwa ein halbes Jahr brauchte sie, um sich überhaupt mit dem Gedanken anzufreunden, Reflektorin zu sein. Interessanterweise fand sie ihren ersten Zugang gar nicht über sich selbst, sondern über ihre Familie. Cindy begann sich mit den Designs ihrer Kinder und ihres damaligen Mannes zu beschäftigen und merkte, dass sich dadurch Spannungen und Konflikte im Familienalltag veränderten. Darüber entstand langsam Vertrauen in das System. Ihr eigenes Reflektor-Sein blieb zunächst viel schwerer zu greifen. Genau darin zeigt sich für mich etwas, das beim Einstieg ins Human Design schnell verloren geht: Wissen allein beantwortet noch lange nicht die Frage, wie man seine Mechanik tatsächlich lebt. Strategie und Autorität im eigenen Experiment müssen erst im Alltag beobachtbar werden. Beim Reflektor wird für größere Entscheidungen der Mondzyklus wichtig. Cindy bekam am Anfang genau diese Information: Warte einen Mondzyklus. Ihre unmittelbare Frage war allerdings: Und wie lebe ich damit jetzt meinen normalen Alltag? Schließlich wartet niemand 28 Tage darauf, was er heute zum Mittagessen macht oder ob er morgen jemanden trifft. Gerade diese praktische Übersetzung fehlte ihr zunächst. Auch ihr erstes Reading brachte viele Details über ihr Design, aber noch wenig Orientierung darüber, wie sich ihre Strategie im täglichen Leben tatsächlich zeigen kann. Ein entscheidender Schritt kam für Cindy, als sie zum ersten Mal längere Zeit aus den Auren ihres normalen Umfelds herausging. Damals arbeitete sie sehr viel, hatte kleine Kinder und war permanent von anderen Menschen und ihrer Energie umgeben. 2017 nahm sie an einem Reflektor-Retreat teil und war dort erstmals für einige Tage viel stärker in ihrer eigenen Aura. Danach fiel ihr die Rückkehr in den Alltag enorm schwer. Beim nächsten Retreat ein Jahr später plante sie bewusster: Sie reiste eine Woche vorher an und blieb auch danach noch eine Woche allein. Erst durch solche Erfahrungen wurde für sie immer deutlicher wahrnehmbar, wie viel Zeit ihr System braucht, um überhaupt unterscheiden zu können: Was gehört zu mir und was habe ich aus meinem Umfeld aufgenommen? Gerade bei großen Entscheidungen zeigt sich bei Cindy, dass ein Mondzyklus keine mechanische Deadline ist. Bereits 2019 nahm sie wahr, dass der Ort und das damalige Familienleben für sie nicht mehr stimmig waren. Sie wusste, dass sich etwas verändern musste. Gleichzeitig hingen Kinder, Arbeit, Trennung, Scheidung und viele praktische Fragen daran. Sie begann darüber zu sprechen und ließ den Prozess sich entwickeln. Tatsächlich zog sie erst 2024 mit ihrem neuen Partner in die Schweiz. Zwischen dem ersten klaren Wahrnehmen und der tatsächlichen Veränderung lagen fünf Jahre. Der Mondzyklus bedeutet für sie deshalb nicht: Nach 28 Tagen muss die Entscheidung umgesetzt sein. Er gibt Raum, unterschiedliche Einflüsse durchlaufen zu lassen, darüber zu sprechen und irgendwann zu wissen, was wirklich stimmt. Auch die Reflektor-Signatur Überraschung musste Cindy erst für sich übersetzen. Mit Überraschungspartys oder unerwarteten Geschenken konnte sie wenig anfangen. Überraschung zeigt sich für sie viel subtiler: ein unerwartetes Gespräch auf der Straße, eine Begegnung, mit der sie überhaupt nicht gerechnet hat, oder genau die Information, die plötzlich im richtigen Moment auftaucht. Ein schönes Beispiel war ihre Entscheidung für eine weitere Human Design Ausbildung. Die Anmeldefrist lief fast ab. Ihr Partner unterstützte sie, ihre Nachbarin sagte ihr, wie deutlich sie aufleuchtet, wenn sie von Human Design spricht – und trotzdem war die Entscheidung für Cindy noch nicht klar. Am letzten Morgen bekam sie völlig unerwartet eine Nachricht von einer Frau, der sie Jahre zuvor ein Reading gegeben hatte. Diese erzählte ihr, wie wertvoll das Reading für sie gewesen war. Genau diese Nachricht war der letzte Baustein, nach dem Cindy wusste: Jetzt stimmt es. Bei einem anderen Human Design Event war es genau umgekehrt. Vom Verstand her wollte Cindy sehr gerne teilnehmen. Sie recherchierte, beschäftigte sich immer wieder mit dem Programm und bekam Erinnerungsmails. Trotzdem entstand dieses klare Wissen nicht. Also meldete sie sich nicht an. Kurz vor dem Termin wurde sie so krank, dass sie ohnehin nicht hätte teilnehmen können. Solche Erfahrungen helfen ihr heute viel mehr als irgendeine theoretische Beschreibung. Sie lernt daran ihre eigene Mechanik kennen und kann rückblickend erkennen, wann etwas wirklich stimmig war. Genau solche Erfahrungen gehören für mich auch zu der Frage woran man erkennt, dass eine Entscheidung im Human Design nicht korrekt war. Wenn Cindy eine Entscheidung beschreibt, spricht sie weniger von einem bestimmten körperlichen Signal als von einem inneren Wissen. Irgendwann ist die Unsicherheit weg. Ruhe entsteht. Sie muss nicht mehr weitersuchen oder weiter darüber nachdenken. Gerade das ist wichtig, weil Reflektoren leicht versuchen können, den Mondzyklus über den Verstand zu kontrollieren. Cindy hat beispielsweise mehrere Monate sehr genau verfolgt, welche Tore der Mond aktiviert und was sich dadurch bei ihr verändert. Irgendwann wurde das für sie einfach nur noch anstrengend. Sie begann auf jede kleine körperliche Veränderung zu schauen und darüber nachzudenken, welcher Transit dahinterstecken könnte. Heute geht sie viel entspannter damit um. Wenn etwas ungewöhnlich ist, schaut sie nach. Sie muss nicht jeden Transit permanent mental überwachen. Über die Jahre hat sich vor allem ihre Beziehung zum eigenen Körper verändert. Vor Human Design beschreibt Cindy sich als weitgehend vom Körper abgeschnitten. Sie war sehr hart mit sich, arbeitete viel, hatte Kinder, war überall involviert und lief lange mit einer Energie durchs Leben, die sie rückblickend eher mit einem Generator verbindet. Ihre eigene Sensitivität empfand sie als Überforderung. Heute kann sie sehr viel früher wahrnehmen, wenn ihr Körper eine Grenze zeigt, und darauf reagieren. Genau das ist für sie inzwischen ein wichtiger Teil ihres Reflektor-Experiments: den Körper ernst nehmen, statt ihn einfach weiter durch den Alltag zu treiben. Auch beim Schlaf hat Cindy experimentiert. Zwei Jahre lang schlief sie allein und
Wie funktioniert die Human Design Ernährungsstrategie 5 – Klang leise – im Alltag?
Die Human Design Ernährungsstrategie Nummer 5 gehört zu den drei oberen Ernährungsstrategien. Hier geht es nicht mehr in erster Linie darum, was gegessen wird, sondern unter welchen Bedingungen der Körper Nahrung aufnimmt. Bei Farbe 5 spielt Klang eine zentrale Rolle. Die linke Variante ist Klang laut, Sound High, die rechte Variante Klang leise, Sound Low. Ich habe Klang leise und einen passiven Körper. Für mich bedeutet das, dass mein Verdauungssystem sehr sensibel auf die Frequenz der Umgebung reagiert. Klang leise bedeutet dabei nicht automatisch absolute Stille. Es geht um den für den jeweiligen Körper korrekten Klang, um Lautstärke, Frequenz und darum, welche Geräusche in diesem Moment überhaupt passen. Genau deshalb bleibt auch hier Strategie und Autorität die Grundlage des gesamten Experiments. Als ich meine Ernährungsstrategie kennengelernt habe, war meine erste mentale Reaktion ziemlich eindeutig: Das ist doch völliger Müll. Gleichzeitig wusste ich sehr schnell, dass an dieser Information für mich etwas dran ist. Ich komme aus Hotellerie und Gastronomie und habe einen großen Teil meines Lebens in Restaurants gegessen. Und ich hatte dabei sehr häufig Bauchschmerzen. Meine Schlussfolgerung war jahrelang: Dann esse ich wahrscheinlich das Falsche. Also begann ich Lebensmittel auszusortieren, Ernährungskonzepte auszuprobieren und immer weiter danach zu suchen, welches Essen mein Problem verursacht. Genau das war für meine Ernährungsstrategie eine riesige Konditionierung, weil mein Fokus permanent auf den Lebensmitteln lag, während mein Körper auf etwas ganz anderes reagierte: auf die Bedingungen, unter denen ich gegessen habe. Deshalb ist für mich der Zusammenhang aus PHS und Human Design Ernährung mit Strategie und Autorität inzwischen so wesentlich. Mein Ernährungsexperiment begann deshalb auch nicht damit, dass ich von heute auf morgen perfekt in Stille gegessen habe. Es begann mit Beobachtung. Welche Ernährungskonzepte trage ich eigentlich mit mir herum? Was glaube ich essen zu müssen? Was glaube ich nicht essen zu dürfen? Ich hatte mich schon Jahrzehnte vor Human Design intensiv mit Ernährung beschäftigt und entsprechend viel Material im Kopf. Diese Konditionierungen abzutragen hat Jahre gedauert. Rückblickend würde ich trotzdem sagen: Mein Experiment hatte bereits begonnen, als ich anfing, all das überhaupt wahrzunehmen. Mein Körper war noch lange nicht an dem Punkt, an dem er die Ernährungsstrategie vollständig leben konnte. Der Prozess war trotzdem längst in Bewegung. Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich auch, dass die Tendenz zu Klang leise schon sehr früh da war. Ich habe immer lieber gewartet, bis ich zu Hause war, bevor ich gegessen habe. Damals wusste ich nur nicht, warum. Gleichzeitig bin ich wie viele Menschen damit aufgewachsen, gemeinsam am Tisch zu essen: Familie, Gespräche, Radio, Geräusche. Genau das war für mein System permanent viel Input. Als Kind habe ich trotzdem noch sehr vieles problemlos gegessen. Später begann ich immer stärker über Lebensmittel zu regulieren. Bauchschmerzen verschwanden vielleicht einmal, dafür kamen an anderer Stelle andere Themen hinzu. Genau dadurch wurde mir irgendwann klar, wie wichtig es ist, den Körper als Ganzes zu beobachten und nicht nur ein einzelnes Symptom oder eine einzelne Mahlzeit. Je länger ich mit Klang leise experimentiere, desto differenzierter wird meine Wahrnehmung. Beim Essen bevorzuge ich inzwischen sehr deutlich Stille. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass nicht jedes Geräusch automatisch falsch für mich ist. Eine sehr leise Baustelle in der Ferne kann meinen Körper beim Essen bereits stören, während ein anderes Geräusch in derselben Lautstärke vollkommen in Ordnung sein kann. Auch leise Musik kann unter bestimmten Bedingungen passen. Genau deshalb lässt sich aus „Klang leise“ keine starre Regel machen. Für jemanden am Anfang kann vollständige Stille ein guter Ausgangspunkt sein, um überhaupt Unterschiede beobachten zu können. Von dort aus beginnt das eigentliche Experiment: Welcher Klang passt? Welche Frequenz stört? Was verändert sich in Verdauung, Wahrnehmung und Körperzustand? Besonders spannend ist für mich, dass sich diese Ernährungsstrategie längst über das Essen hinaus in meinen Alltag ausgebreitet hat. Wenn ich mittags als Projektorin eine Pause mache und mich hinlege, kann mein Körper in Stille bereits sehr gut herunterfahren. Wenn ich dabei eine für mich passende leise Musik höre, ist die Wirkung teilweise noch einmal völlig anders. Ich nehme wahr, dass mein Körper sich dadurch sehr viel stärker reguliert und ich danach wieder mehr Energie zur Verfügung habe. Beim Essen wiederum ist diese Musik häufig gar nicht das Richtige. Genau diese feinen Unterschiede sind das Experiment. Auch mein Schlaf und die Bedingungen, unter denen mein Körper wirklich zur Ruhe kommt, gehören für mich inzwischen zu dieser viel umfassenderen Wahrnehmung meiner Umgebung. Wie weit mein Körper mit dieser Ernährungsstrategie inzwischen tatsächlich ist, habe ich besonders deutlich während eines zweiwöchigen Urlaubs mit Freunden gemerkt. Ich war sehr viel mit anderen zusammen, habe häufiger in Restaurants gegessen und hatte weniger Raum für meine eigenen Bedingungen. Dabei wurde für mich plötzlich sichtbar, wie stark meine Ernährungsstrategie bereits eingerastet ist. Ich konnte schwerer bei mir bleiben, ließ mich leichter mitziehen, hatte weniger Klarheit bei meiner Nahrungsauswahl und ging häufiger über meine Grenzen. Dazu kamen bei mir sehr konkrete Rückmeldungen: schlechter Schlaf, Bauchschmerzen, starke Gedankenaktivität und Cravings. Diese Erfahrung war unangenehm und gleichzeitig unglaublich wertvoll, weil ich danach viel klarer sehen konnte, wie sehr sich mein Körper bereits verändert hatte. Auch Restaurants sind für mich inzwischen sehr unterschiedlich. Ein lautes Restaurant mit vielen Gesprächen und viel Bewegung ist etwas völlig anderes als ein ruhiger Raum mit sehr leiser Musik, in dem ich allein essen kann. Ich habe sogar mit Ohrstöpseln experimentiert. Das Optimum ist für mich inzwischen meistens zu Hause, ruhig, mit möglichst wenig Input. Ähnlich ist es unterwegs. In einem vollen Zug zu essen ist für meinen Körper inzwischen kaum vorstellbar. Wenn ich einen ganzen Tag Zug fahre, funktioniert es für mich häufig besser, überhaupt nicht zu essen und später in einer für mich passenden Umgebung meine Mahlzeit einzunehmen. Das ist meine individuelle Erfahrung mit meinem passiven Körper und meiner Ernährungsstrategie und keine allgemeine Regel für Klang leise. Selbst bei Getränken wurde die Differenzierung immer feiner. Früher habe ich am Computer sehr gerne Tee getrunken. Irgendwann habe ich wahrgenommen, dass Tee für meinen Körper ebenfalls Nahrung beziehungsweise Nährstoff bedeutet und damit wieder die Bedingungen meiner Ernährungsstrategie relevant werden. Heißes Wasser ist etwas anderes. Das kann ich auch während
Wie nimmt man selbstprojizierte Autorität als Quad Right Projektor im Alltag wahr?
Selbstprojizierte Autorität ist im Human Design eine Autorität, die über die eigene Stimme hörbar wird. Bei Tobi ist das G-Zentrum die Autorität. Seine Richtung und seine Wahrheit entstehen, wenn er spricht. Das Spannende daran: Er weiß vorher häufig gar nicht, was er sagen wird. Er beginnt zu reden und hört sich dabei selbst zu. Genau in diesem Sprechen kann plötzlich vollkommen klar werden: Ja, das bin ich. Das ist meine Richtung. Das stimmt für mich. Der Verstand kann diese Antwort vorher nicht produzieren. Für Tobi war genau das ein wichtiger Teil seines Experiments – zu lernen, seiner eigenen Stimme mehr zu vertrauen als dem Versuch, eine Entscheidung vorher mental zu erklären. Als Tobi Human Design kennengelernt hat, war er schon einige Jahre in der Persönlichkeitsentwicklung unterwegs und beschreibt rückblickend, dass er dabei teilweise sein eigenes Selbst verloren hatte. Human Design hat ihm zunächst etwas gegeben, woran sein Verstand sich orientieren konnte. Er hat unglaublich viel gelesen, recherchiert und Wissen aufgenommen. Mit der Zeit wurde aber immer klarer: Dieses Wissen ist nicht dazu da, ihm vorzuschreiben, wie er leben muss. Es kann dem Verstand einen Rahmen geben, damit er irgendwann loslassen kann. Danach beginnt das eigentliche Experiment. Genau deshalb sind Strategie und Autorität auch bei ihm der Mittelpunkt geblieben. Gerade seine selbstprojizierte Autorität hat ihm dabei sehr konkret gezeigt, wie unterschiedlich Theorie und gelebte Mechanik sein können. Tobi hatte beispielsweise gelesen, dass Menschen mit dieser Autorität sich aufnehmen und die Aufnahme später anhören sollten. Er hat das ausprobiert und sofort gemerkt: Das funktioniert für mich nicht. Für ihn entsteht die Klarheit bereits während des Sprechens. Er muss sich nicht noch einmal anhören. Er beginnt zu reden und irgendwann kommt der Punkt, an dem das mentale Material abgeflossen ist und etwas aus seinem Selbst auftaucht. Manchmal beschreibt er es fast wie ein Freispülen: Erst kommt das ganze Zeug, das der Kopf schon produziert hat, und irgendwann beginnt die eigentliche Stimme. Dabei braucht er häufig Raum. Nicht unbedingt Stunden, manchmal nur ein paar Sekunden. Aber diese Sekunden sind wichtig. In Gesprächen kann es sein, dass eine Frage kommt und Tobi erst einmal still wird. Dann beginnt irgendwann die Mechanik zu greifen und die Antwort kommt. Genau deshalb funktionieren Gespräche für ihn auch besser, wenn er nicht permanent unterbrochen wird. Sprachnachrichten waren für ihn lange ein sehr hilfreicher Weg: Er hatte eine konkrete Person vor Augen, der er etwas erklären wollte, und gleichzeitig konnte er seinen Gedankenfluss zu Ende sprechen. Gerade dieser reale Gegenüberbezug half ihm, Dinge vollständig auszusprechen, statt beim Reden mit sich selbst Teile des Kontextes einfach wegzulassen. Auch in seiner Beziehung spielt das eine große Rolle. Seine Frau ist sakrale Generatorin und funktioniert in Entscheidungen vollkommen anders. Sie braucht häufig mehr Informationen und kann über Ja-Nein-Fragen reagieren. Bei Tobi kann dagegen ein Nein einfach da sein. Dann helfen ihm zusätzliche Informationen überhaupt nicht weiter. Seine Frau kann erklären, warum sie etwas vorgeschlagen hat, und er merkt trotzdem: Das ändert nichts. Dieses Nein ist bereits aus seinem Selbst gekommen. Gleichzeitig hat die Beziehung beiden geholfen, ihre unterschiedlichen Mechaniken immer besser zu verstehen. Für Tobi ist besonders wichtig geworden, dass er den Raum bekommt, den er zum Sprechen braucht. Dazu kommt bei ihm Quad Right. Alle vier Variablen zeigen nach rechts. Tobi beschreibt sich deshalb überhaupt nicht als strategischen Menschen. Wenn er versucht, alles zu planen, zu ordnen und rational durchzudenken, kostet ihn das enorm viel Energie. Gleichzeitig lebt er natürlich in einer Welt, in der genau diese strategische Arbeitsweise ständig erwartet wird. Das merkt er besonders dann, wenn er erschöpft ist. Dann beginnt der Verstand zu suchen: Ich muss das jetzt verstehen. Ich muss eine Lösung finden. Ich muss Gewissheit haben. Seine Erfahrung ist inzwischen häufig eine ganz andere: rausgehen, in den Wald gehen, den Kopf laufen lassen und nicht versuchen, jedes Problem sofort mental zu lösen. Das heißt nicht, dass Konditionierungen damit verschwunden wären. Tobi beschreibt sehr offen, dass People Pleasing, Harmoniebedürfnis, Druck, Beweisen und das Bedürfnis nach Sicherheit immer wieder auftauchen. Besonders deutlich wird das in seinem Familienalltag. Er lebt mit drei Generatoren zusammen und ist gleichzeitig Projektor. Da kann schnell die Frage entstehen: Wann ist eigentlich genug? Wie lange laufe ich in dieser Energie mit? Wann versuche ich wieder, für alle Lösungen zu finden? Die Projektor-Strategie mit der Einladung ist deshalb auch nach Jahren kein theoretisches Konzept, sondern etwas, das in sehr alltäglichen Situationen immer wieder neu beobachtet wird. Gerade beim Thema Arbeit wird diese Spannung besonders deutlich. Tobi ist inzwischen Vater von zwei Kindern und trägt als Alleinverdiener Verantwortung für seine Familie. Gleichzeitig merkt er sehr klar, wie wenig viele klassische Arbeitsstrukturen zu ihm passen. Acht Stunden Anwesenheit ergeben für ihn häufig überhaupt keinen Sinn, wenn die eigentliche Arbeit in drei Stunden erledigt ist. In einer früheren Position hatte er sehr viel Freiheit, konnte Projekte koordinieren und nach Ergebnissen arbeiten. Dort hat er teilweise tatsächlich nur wenige Stunden am Tag gebraucht. Sobald Arbeit dagegen nur aus Anwesenheit, ineffizienten Abläufen und Vorgaben besteht, erlebt er sie als enorm auslaugend. Deshalb hat er sich entschieden, seinen nächsten Schritt in die Selbstständigkeit zu machen. Diese Entscheidung nimmt den Druck nicht einfach weg. Die finanzielle Verantwortung bleibt. Der Verstand produziert weiterhin Szenarien darüber, wie es weitergehen könnte. Gleichzeitig ist für Tobi im Moment klar, dass er einen Rahmen braucht, den er stärker selbst gestalten kann. Und genau hier wird sein Experiment interessant: Die Entscheidung ist jetzt korrekt. Was daraus in einem Jahr wird, weiß niemand. Human Design gibt ihm keine Garantie für die Zukunft. Es gibt ihm eine Möglichkeit, heute seiner eigenen Richtung zu folgen. Für mich war im Gespräch mit Tobi besonders spannend zu beobachten, wie deutlich Quad Right sogar im Interview selbst wurde. Ich hatte Fragen vorbereitet und normalerweise geben sie mir einen gewissen Rahmen. Bei Tobi haben wir sie irgendwann kaum noch gebraucht. Das Gespräch ist einfach gelaufen. Ein Thema führte ins nächste und genau dadurch entstand etwas, das viel besser zu seiner Mechanik passte als ein streng strukturierter Fragenkatalog. Auch das zeigt sehr schön: Ein Design lässt sich irgendwann nicht mehr nur erklären.
Warum funktioniert deine Human Design Ernährung nur mit Strategie und Autorität?
Eine Human Design Ernährungsstrategie lässt sich nicht einfach wie ein neues Ernährungskonzept anwenden. Genau da liegt für mich einer der wichtigsten Unterschiede zum klassischen Denken über Ernährung. Ich kann herausfinden, welche PHS-Ernährungsstrategie ich habe, mir die Beschreibung durchlesen und dann beschließen: Ab morgen mache ich das genauso. Damit ist aber noch lange nicht gesagt, dass mein Körper für diesen Schritt überhaupt bereit ist. Im Human Design ist die Ernährung Teil des Transformationsprozesses. Sie soll aus dem Körper heraus gelebt werden. Deshalb stehen Strategie und Autorität davor. Sie zeigen überhaupt erst, ob und wann es für den Körper korrekt ist, mit diesem Experiment zu beginnen. Gerade beim Thema Ernährung wird sehr sichtbar, wie stark wir über Konzepte konditioniert sind. Wir haben gelernt, was gesund sein soll, wie viel wir essen sollten, welche Lebensmittel besonders wertvoll sind und welche wir besser vermeiden. Genau diese Vorstellungen können dann einfach in Human Design weitergetragen werden. Plötzlich heißt es nicht mehr: Du musst Rohkost essen. Dann heißt es vielleicht: Du hast diese Ernährungsstrategie, also musst du ab jetzt genau so essen. Der Mechanismus bleibt derselbe. Der Verstand nimmt ein neues System und versucht, es richtig zu machen. PHS ist für mich aber genau der Raum, in dem diese Kontrolle nach und nach an den Körper zurückgegeben wird. Das kann ganz praktisch bedeuten, dass der Körper etwas möchte, was überhaupt nicht zu dem passt, was der Verstand bisher als gesund abgespeichert hat. Vielleicht gibt es frische, rohe Lebensmittel und gleichzeitig zeigt der Körper sehr deutlich: Ich möchte das heute warm. Dann kann der Kopf sofort anfangen: Aber frisch ist doch besser. Roh bleiben doch mehr Nährstoffe erhalten. Das ist saisonal, regional und eigentlich viel gesünder. Und trotzdem kann die körperliche Rückmeldung eine ganz andere sein. Genau solche Momente sind im Experiment interessant. Nicht weil warm grundsätzlich besser wäre, sondern weil der eigene Körper beginnt, seine individuelle Rückmeldung zu geben. Wie unterschiedlich das aussehen kann, sieht man sehr schön bei der Human Design Ernährungsstrategie 3 – Durst heiß, bei der Wärme tatsächlich Teil der grundlegenden Mechanik ist. Dasselbe gilt für Mengen. Auch dort sitzen unglaublich viele Vorstellungen darüber, was normal, vernünftig oder gesund sein sollte. Wenn der Körper nach einer Mahlzeit weiterhin ganz klar signalisiert, dass er noch nicht satt ist, kann der Verstand sofort eingreifen: Das reicht jetzt aber. Du hast doch schon genug gegessen. Gerade im Ernährungsexperiment kann genau diese Stelle spannend werden. Kann ich beobachten, was mein Kopf dazu erzählt, und gleichzeitig wahrnehmen, was mein Körper tatsächlich sagt? Vielleicht verändert sich die Menge mit der Zeit. Vielleicht auch nicht. Der Körper muss sich an eine andere Art der Ernährung möglicherweise selbst erst gewöhnen. Das lässt sich nicht über eine mentale Vorgabe beschleunigen. Franziska und ich haben in unseren eigenen Experimenten beide erlebt, dass solche Veränderungen Zeit brauchen können. Der Körper ist über Jahre oder Jahrzehnte unter bestimmten Bedingungen gelaufen. Gleichzeitig hat der Verstand sehr feste Vorstellungen aufgebaut. Diese Konditionierung verschwindet nicht, nur weil man jetzt seine PHS-Ernährungsstrategie kennt. Bei mir hat es beispielsweise Jahre gedauert, bis ich bestimmte Ernährungskonzepte wirklich lockerlassen konnte. Ich war unter anderem stark mit pflanzlicher Ernährung und vielen Vorstellungen darüber beschäftigt, was ich essen darf und was nicht. Selbst nachdem ich Human Design kannte, kamen diese Konzepte immer wieder zurück. Erst nach und nach entstand überhaupt der Raum, Lebensmittel wieder ohne diese ganzen Regeln zu beobachten und meinen Körper damit experimentieren zu lassen. Deshalb finde ich es so wichtig, verschiedene Ernährungsstrategien auch über reale Experimente kennenzulernen. Bei Human Design Ernährungsstrategie 4 – Berührung nervös geht es beispielsweise um eine völlig andere Bedingung als bei Durst heiß. Dort spielt die äußere Anregung beim Essen eine zentrale Rolle. Schon daran wird deutlich, warum es keinen allgemeingültigen Weg geben kann. Das eine System möchte eine bestimmte Temperatur, ein anderes reagiert auf äußere Frequenz, wieder ein anderes braucht ganz andere Bedingungen. Und selbst innerhalb derselben Ernährungsstrategie bleibt jeder Mensch individuell, weil Autorität, Kognition, Variablen und das restliche Design mit hineinspielen. Der eigentliche Skill ist für mich deshalb die Beobachtung. Am Anfang gibt der Körper vielleicht noch gar keine besonders deutliche Rückmeldung. Man beginnt ein Experiment und fragt sich: War das jetzt besser? War das schlechter? Habe ich überhaupt irgendetwas gemerkt? Mit der Zeit kann diese Wahrnehmung sehr viel präziser werden. Irgendwann merkst du vielleicht schon beim Einkaufen, dass dein Körper etwas möchte oder ablehnt. Oder du nimmst während des Essens sofort wahr: Das passt. Das reicht. Davon brauche ich noch mehr. Genau diese Differenzierung kann sich langsam entwickeln. Der Körper lernt und der Verstand wird dabei zunehmend zum Beobachter. Und genau deshalb kann man eine Human Design Ernährungsstrategie aus meiner Sicht auch nicht perfekt machen. Perfektion wäre schon wieder ein Verstandeskonzept. Man kann beobachten, ausprobieren, zurückfallen, etwas neu versuchen und feststellen, dass ein Schritt heute noch nicht möglich ist. Vielleicht gibt Strategie und Autorität erst Monate oder Jahre später ein echtes Go. Vielleicht beginnt jemand sofort. Vielleicht verändert sich erst einmal nur eine Mahlzeit. Entscheidend ist, dass das Experiment aus dem eigenen Körper heraus entsteht und nicht aus der Idee, jetzt ein besonders guter Human Design Mensch sein zu müssen. Für mich ist das einer der tiefsten Aspekte von PHS: Ernährung wird zu einem Weg, den eigenen Körper überhaupt wieder kennenzulernen. Nicht länger nur nach außen schauen und fragen, was gesund ist, sondern zunehmend wahrnehmen: Was sagt mein eigener Körper? Wann ist er bereit? Was funktioniert heute? Was verändert sich mit der Zeit? Genau darin liegt für mich die eigentliche Transformation. Du möchtest das Thema lieber hören? In der Podcastfolge „#24 Warum deine Human Design Ernährung nur mit Strategie & Autorität funktioniert“ sprechen Franziska und Rita darüber, warum PHS kein neues mentales Ernährungskonzept ist, wie stark Konditionierungen beim Essen wirken und weshalb der Körper selbst den Zeitpunkt und die Richtung des Ernährungsexperiments vorgeben muss. → Podcastfolge auf Spotify anhören P.S. Wenn du deine eigene Ernährungsstrategie kennenlernen und sie Schritt für Schritt aus deinem Körper heraus in dein Leben bringen möchtest, begleite ich dich in meiner Human Design Ernährungsbegleitung durch dein persönliches PHS-Experiment. → Zur Human Design Ernährungsbegleitung
Woran merkst du, dass eine Entscheidung im Human Design nicht korrekt war?
Eine der spannendsten Fragen im Human Design Experiment ist für mich inzwischen gar nicht mehr nur: Was ist die korrekte Entscheidung? Mindestens genauso interessant ist die Frage, woran ich merke, dass ich aus dem Verstand entschieden habe und irgendwo gegen meine eigene Mechanik gegangen bin. Denn Widerstand kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Beim Generator kennen wir Frust, beim Manifestor Zorn, beim Reflektor Enttäuschung und beim Projektor Verbitterung. Gleichzeitig kann Widerstand aber auch ganz praktisch im Außen auftauchen oder sich körperlich bemerkbar machen. Und je länger ich mein eigenes Experiment beobachte, desto deutlicher wird für mich: Der Körper und das Leben sind häufig sehr viel schneller als der Kopf. Franziska und ich sind beide Projektorinnen mit Milzautorität und gerade dadurch können wir solche Widerstände inzwischen ziemlich gut beobachten. Bei Franziska gab es zum Beispiel eine Einladung zum Tanzen. Die Einladung war da und sie hatte auch Lust darauf. Gleichzeitig war ihr Körper schon vorher nicht fit. Dazu kam ihr offenes Emotionszentrum und dieses alte Thema, niemanden enttäuschen zu wollen. Also ist sie trotzdem gefahren. Schon in der Stadt kamen Kopfschmerzen, später Übelkeit und schließlich war ihr Körper so erschöpft, dass sie den Abend abbrechen musste. Das Spannende daran ist für mich: Eine Einladung allein reicht nicht. Sie muss auch für den Körper in diesem Moment stimmen. Genau deshalb gehören Projektor-Strategie und Einladung und die eigene Autorität immer zusammen. Ich kenne solche Situationen ebenfalls sehr deutlich. Nach einer zweiwöchigen Reise hatte ich eine lange Rückfahrt vor mir und wusste eigentlich schon vorher: An einem bestimmten Punkt musst du übernachten. Dein Körper hat die Energie für die komplette Strecke nicht mehr. Mein Verstand wollte trotzdem weiter. Ich wollte einfach nach Hause kommen und möglichst wenig Zeit verlieren. Also habe ich einen Flixbus gebucht und bereits dort begannen die Widerstände. Ich fand die Haltestelle nicht, bekam unterschiedliche Auskünfte und verpasste schließlich den Bus. Anstatt das als Moment zu nehmen und dort zu bleiben, bin ich noch zwei Stunden weitergefahren. Es regnete in Strömen, ich schleppte meinen schweren Koffer durch eine fremde Stadt, fand mein Hotel nicht und war irgendwann komplett erschöpft. Und selbst dann ging es weiter. Am Abend wollte ich unbedingt die Zugfahrt für den nächsten Tag buchen. Kaum war das Ticket bezahlt, wurde die Zugbindung aufgehoben. Also wieder suchen, wieder organisieren, wieder Energie hineinstecken. Am nächsten Tag bin ich schließlich nach Hause gefahren und habe mir unterwegs einen massiven Hexenschuss eingefangen. Zu Hause angekommen konnte ich mich kaum noch bewegen. Für mich war diese Reise ein extrem klares Beispiel dafür, wie sich Widerstände aufeinanderstapeln können, wenn ich meinen ersten körperlichen Impuls längst wahrgenommen habe und trotzdem weiter versuche, meinen eigenen Plan durchzusetzen. Das Interessante ist: Die große Entscheidung für diese Reise war korrekt gewesen. Die Ferien selbst waren wunderschön. Innerhalb einer korrekten großen Entscheidung können trotzdem viele kleine Entscheidungen entstehen, bei denen der Verstand wieder übernimmt. Genau das finde ich im Experiment so wertvoll. Es geht irgendwann nicht mehr darum, einmal im Leben die „richtige“ Entscheidung getroffen zu haben. Der Körper navigiert permanent. Und manchmal weiß man in dem Moment sogar schon, dass man gerade darüber hinweggeht. Bei mir war das ganz klar: Ich wusste, dass ich übernachten sollte. Ich wusste, dass meine Energie nicht reicht. Mein Kopf wollte einfach schneller ankommen. Gerade als Projektor kann sich dieses Übergehen der eigenen Energieressourcen sehr schnell bemerkbar machen. Wir können in fremder Energie lange weiterlaufen und dabei das Gefühl bekommen, wir hätten noch genug Kraft. Irgendwann kippt es dann. Deshalb ist es für mich so wichtig, Strategie und Autorität nicht nur bei den großen Lebensentscheidungen anzuschauen. Es geht genauso um die kleinen Entscheidungen dazwischen: Fahre ich heute noch weiter? Gehe ich zu dieser Veranstaltung? Sage ich wirklich Ja, weil es stimmt, oder weil ich niemanden enttäuschen möchte? Bleibe ich noch zwei Stunden, obwohl mein Körper längst gehen will? Widerstände müssen dabei nicht immer körperlich so drastisch werden. Franziska hat zum Beispiel aus ihrer beruflichen Vergangenheit erzählt, wie deutlich sich Widerstand bei ihr zeigte, als sie als Projektorin versucht hat, selbst eine Tätigkeit in einem Tattoostudio zu initiieren. Sie ist losgezogen, hat Studios angesprochen und bekam Ablehnung. Gerade das Studio, in dem sie am liebsten gearbeitet hätte, reagierte besonders unfreundlich. Später ließ sie das Initiieren los. Ein Bekannter zeigte dort Arbeiten von ihr, der Tätowierer sah sie und plötzlich kam die Einladung von selbst: Ich habe gesehen, was du kannst. Ich möchte dich hier haben. Genau dieser Unterschied zwischen Hinterherlaufen und erkannt werden ist für mich inzwischen unglaublich deutlich. Ich habe einen ähnlichen Unterschied beruflich selbst erlebt. Ich hatte seit Jahren ein Profil auf einer Branchenplattform und habe dort einfach sichtbar gemacht, was ich kann und was ich bisher gemacht habe. Ich suchte zu diesem Zeitpunkt gar nicht aktiv in diese Richtung. Plötzlich wurde ich von einem Unternehmen angeschrieben. Schon die erste Nachricht war wertschätzend. Sie wollten mich kennenlernen, sie bezogen sich konkret auf meinen Lebenslauf und es entstand von Anfang an das Gefühl: Wir sehen dich. Alles Weitere lief leicht. Telefonate, Terminabsprachen, die Reise dorthin – es wurde für mich gesorgt, ich bekam eine Übernachtung, Essen, Zeit und echte Aufmerksamkeit. Zum ersten Mal konnte ich im beruflichen Kontext sehr deutlich erleben, wie sich eine Einladung anfühlen kann, wenn tatsächlich Anerkennung dahintersteht. Genau deshalb finde ich den Satz „Der Verstand kann sich nicht ausmalen, woher korrekte Einladungen kommen“ so treffend. Und genau darin liegt für mich inzwischen der eigentliche Wert von Widerständen. Sie zeigen mir etwas. Früher hätte ich vielleicht einfach gedacht: Was für ein Scheißtag. Der Bus ist weg, die Bahn funktioniert nicht, alles ist anstrengend. Heute kann ich irgendwann danebenstehen und beobachten: Ah. Interessant. Wo bin ich eigentlich gegen meinen Körper gegangen? Was wusste ich schon vorher? Wo hat mein Verstand versucht, etwas durchzudrücken? Diese Beobachterposition verändert unglaublich viel, weil ich mich mit dem Widerstand nicht mehr vollständig identifizieren muss. Natürlich bedeutet das nicht, dass jedes Problem im Leben automatisch eine falsche Entscheidung beweist. Es geht um das eigene Muster und darum, mit der Zeit immer präziser zu beobachten. Wie fühlt sich Widerstand bei mir an?
Wie funktioniert die Human Design Ernährungsstrategie 3 – Durst heiß – mit Außenschau?
Bei der Human Design Ernährungsstrategie Nummer 3 geht es um Durst. Anja hat die linke Variante, Durst heiß. Im PHS bedeutet das, dass Nahrung und Getränke für ihren Körper grundsätzlich über Körpertemperatur passend sind und dass Flüssigkeit eine wichtige Rolle spielt. Dabei geht es nicht darum, alles kochend heiß zu essen oder nur noch Suppen zu sich zu nehmen. Entscheidend ist die individuelle Umsetzung im eigenen Design. Anja kommt beispielsweise mit ausschließlich flüssiger Nahrung überhaupt nicht gut zurecht, weil sie gleichzeitig ein starkes Bedürfnis nach wirklicher Sättigung und Volumen im Magen kennt. Genau daran sieht man schon, dass eine Ernährungsstrategie nie isoliert vom restlichen Design betrachtet werden kann. Vor Human Design hat Anja ganz klassisch gegessen: morgens eher kalt, abends Brotzeit, Salate, kalte Getränke, Eis und im Sommer auch gerne einen eisgekühlten Aperol Spritz. Eine besondere Tendenz zu warmer Ernährung hatte sie rückblickend nicht. Als sie ihre Ernährungsstrategie kennengelernt hat, war allerdings sofort ein Go da. Sie hatte sich schon vor ihrem ersten Reading mit Human Design beschäftigt und direkt nach ihrer Ernährung gefragt. Angefangen hat sie zunächst mit den Getränken. Sie hat sie wärmer getrunken, später Mahlzeiten nach und nach umgestellt und immer häufiger darauf geachtet, über Körpertemperatur zu essen. Genau diese schrittweise Umsetzung war für sie stimmig. Strategie und Autorität waren dabei die Grundlage und sind es bis heute. Der Verstand fand natürlich nicht jede Konsequenz davon lustig. Eis, kalte Getränke oder bestimmte Dinge im Sommer waren schließlich vorher ganz normal gewesen. Anja hat daraus aber nie eine starre Regel gemacht. Wenn ihr Körper heute wirklich ein Go für etwas Kaltes gibt, dann macht sie das auch. Genau das ist für mich beim PHS so wichtig: Die Ernährungsstrategie wird nicht zum nächsten Konzept, das man sich überstülpt. Sie gibt eine Richtung vor, in der der Körper experimentieren kann. Und wenn Strategie und Autorität etwas anderes anzeigen, dann gehört auch genau diese Erfahrung ins Experiment. Bei Anja kommt außerdem die Kognition Außenschau dazu. Das bedeutet für sie, dass ihre Augen eine wichtige Rolle spielen. Sie möchte sehen, was sie isst, und sich auf das Essen fokussieren können. Wenn sie selbst kocht, kann sie die Lebensmittel schon während der Zubereitung anschauen und ihr System bekommt früh visuelle Informationen darüber, was gleich kommt. Beim Einkaufen greift sie häufig spontan nach dem, worauf ihr Blick fällt. Gleichzeitig musste sie auch dort Konditionierung beobachten. Gerade weil Nachhaltigkeit für sie wichtig war, kam zwischendurch der Gedanke auf, sie müsste vielleicht gerade die Lebensmittel nehmen, die weniger schön aussehen. Für ihre Außenschau durfte sie irgendwann akzeptieren, dass das, was ihre Augen anspricht, für sie eine wichtige Information sein kann. Was dabei „schön“ bedeutet, ist natürlich vollkommen individuell. Die Auswirkungen ihrer Ernährungsumstellung hat Anja besonders deutlich an ihrer Verdauung wahrgenommen. Wenn sie konsequent genügend Flüssigkeit und Wärme in ihre Nahrung bringt, beschreibt sie ihre Verdauung als wesentlich leichter. Müdigkeit nach dem Essen und Blähungen treten bei ihr dann deutlich weniger auf. Gerade bei rohen Salaten und Gemüse hatte sie früher oft die Vorstellung im Kopf, dass sie diese essen müsse, weil das allgemein als gesund gilt. Ihr eigener Körper hat ihr etwas anderes gezeigt. Diese Erfahrung war für sie ein wichtiger Schritt weg von allgemeinen Ernährungskonzepten und hin zu einer viel stärkeren Körperführung. Die zwölf Human Design Ernährungsstrategien zeigen genau diese Individualität: Was für einen Körper hervorragend funktioniert, kann für einen anderen überhaupt nicht passend sein. Auch bei der Menge musste Anja einige allgemeine Vorstellungen loslassen. Sie kann große Portionen essen und auch mehrmals am Tag wirklich viel Nahrung brauchen. Ihr aktiver Körper spielt dabei für sie ebenfalls eine Rolle. Früher hat sie sich darüber teilweise gewundert, heute kann sie viel leichter akzeptieren, dass ihr Körper sich holt, was er braucht. Suppen allein funktionieren für sie beispielsweise überhaupt nicht als dauerhafte Lösung. Sie braucht etwas, das den Magen wirklich füllt. Porridge ist für sie ein gutes Beispiel: genügend Flüssigkeit und gleichzeitig Substanz und Sättigung. Auch Nudeln mit Sauce funktionieren für sie wesentlich besser als eine Mahlzeit, die hauptsächlich aus Flüssigkeit besteht. Gerade diese Kombination mit ihrem restlichen Design zeigt, warum die reine Information „Durst heißt viel Suppe“ viel zu kurz greifen würde. Ein weiterer interessanter Punkt in Anjas Experiment ist ihre Wahrnehmung. Sie beschreibt, dass ihr Körpergefühl über die Jahre immer feiner geworden ist. Gleichzeitig fällt dieser Zeitraum mit anderen körperlichen Veränderungen zusammen, unter anderem damit, dass sie nach vielen Jahren die Pille abgesetzt hat. Deshalb möchte sie selbst gar nicht behaupten, jede Veränderung ausschließlich ihrer Ernährung zuordnen zu können. Was sie aber klar wahrnimmt: Sie hat heute eine ganz andere Beziehung zu ihrem Körper. Sie hört genauer hin, nimmt Signale früher wahr und versteht zunehmend, wie ihr Körper mit ihr kommuniziert. Gerade mit ihrer Milzautorität im Human Design ist diese immer feinere Körperwahrnehmung für sie ein wichtiger Teil ihres gesamten Experiments. Auch etwas so Einfaches wie die Temperatur wurde mit der Zeit immer leichter wahrnehmbar. Am Anfang hat Anja teilweise ein Thermometer benutzt, um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen, wann Essen über Körpertemperatur liegt. Heute merkt sie beim Trinken schon im Mund- und Rachenraum sehr schnell, ob etwas für sie warm genug ist. Im Sommer darf es eher lauwarm sein, im Winter mag sie Getränke häufig wärmer. Beim Essen achtet sie darauf, es möglichst direkt nach dem Kochen auf den Teller zu bringen, damit es nicht zu schnell auskühlt. Wenn das passiert, trinkt sie manchmal einfach warmes Wasser dazu. Das sind genau diese kleinen individuellen Lösungen, die im Laufe eines Experiments entstehen und irgendwann ganz selbstverständlich werden. Ausnahmen gibt es trotzdem. Manchmal hat Anja Lust auf Sushi, manchmal auf ein kaltes Getränk. Sie merkt inzwischen deutlicher, wie ihr Körper darauf reagiert, und genau diese Rückmeldung gehört für sie ebenfalls dazu. Gerade am Anfang kann ein Körper möglicherweise auch Zeit brauchen, um sich überhaupt an eine andere Ernährungsweise zu gewöhnen. Für manche Menschen ist eine sehr konsequente Umstellung sofort richtig, für andere funktioniert ein langsamer Prozess besser. Anja würde rückblickend sogar noch entspannter an ihre eigene Umstellung herangehen. Eine Mahlzeit etablieren, dann die nächste, unterwegs schauen, was möglich ist und
Milzautorität im Alltag: Warum das Nein oft leichter wahrzunehmen ist, als das Ja
Die Milzautorität gehört im Human Design zu den Autoritäten, die unglaublich leise sein können. Der Impuls ist im Moment da, spontan, körperlich und manchmal so unspektakulär, dass man ihn im ersten Moment kaum greifen kann. Genau darüber habe ich mit Anja gesprochen. Sie ist Projektorin mit bewusst definierter Milz und seit mehreren Jahren im Human Design Experiment. Was ich an ihrem Beispiel so spannend finde: Auch nach sechs Jahren beschreibt sie ihre Milz nicht als etwas, das sie jederzeit glasklar hört. Bei Gesundheit, Essen und Menschen nimmt sie sie sehr deutlich wahr. Schwieriger wird es bei größeren beruflichen Entscheidungen oder Situationen, in denen der Verstand sehr viel mitreden möchte. Und genau das finde ich wichtig zu zeigen, weil Autorität kein Schalter ist, den man irgendwann einfach umlegt und dann funktioniert alles perfekt. Bei Anja war die Projektor-Strategie von Anfang an leichter zu greifen. Dieses Auf-Einladung-Warten im Zwischenmenschlichen hat sofort etwas in ihr entspannt. Sie kannte dieses tiefe Sehen des anderen und auch den Impuls, ungefragt etwas mitzuteilen. Durch Human Design bekam sie dafür plötzlich eine Mechanik. Bei der Milz war es anders. Da musste sie erst einmal überhaupt herausfinden: Was ist dieser Instinkt bei mir? Wie fühlt er sich an? Die Milz wiederholt ihren Impuls nicht. Der Moment kann wiederkommen, aber genau dieser erste Instinkt kommt nicht noch einmal auf dieselbe Weise. Für jemanden, der jahrzehntelang darauf konditioniert wurde, Entscheidungen über den Verstand zu treffen, kann das ziemlich schwer zu greifen sein. Die Projektor-Strategie mit der Einladung war für Anja deshalb zunächst der viel einfachere Einstieg ins Experiment. Was ich besonders spannend fand: Anja nimmt ihre Milz sehr häufig über ein Nein wahr. Wenn alles okay ist, muss sich bei ihr gar nichts Großes melden. Sie beschreibt es eher wie: Mach mal, und wenn es wirklich nicht passt, sage ich Bescheid. Genau das kenne ich von mir ebenfalls. Am Anfang habe ich mich fast ausschließlich auf das Nein konzentriert, weil das das Einzige war, was ich wirklich greifen konnte. Dieses Unwohlsein, dieses körperliche Zurückziehen, dieses klare „hier nicht“. Und vielleicht hilft genau das vielen Menschen mit Milzautorität viel mehr als die Suche nach einem spektakulären Ja. Die Frage kann ganz schlicht werden: Fühle ich mich hier wohl oder wird etwas in mir eng? Franziska wiederum erlebt ihre Milz ganz anders und kennt beispielsweise Gänsehautresonanzen. Das zeigt für mich wieder sehr schön, dass dieselbe Autorität von verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich beschrieben werden kann. Ein großes Thema bei Anja waren berufliche Entscheidungen und die Frage nach Einladungen. Muss ein Projektor wirklich zu Hause sitzen und darauf warten, dass jemand anklopft und einen Job anbietet? Für Anja hat das so nicht funktioniert. Sie hat gemerkt, dass sie am Leben teilnehmen und auffindbar sein muss. Sie kann eine Stellenanzeige sehen, sich bewerben und dann im direkten Kontakt wahrnehmen, ob diese Situation für sie stimmt. Genau das kenne ich ebenfalls: Manche Anzeigen fühlen sich sofort einladend an, bei anderen entstehen schon auf dem Weg immer mehr Widerstände. Dieses Experimentieren finde ich unglaublich wertvoll, weil man irgendwann nicht mehr nur eine Regel aus einem Human Design Buch kennt, sondern die eigene Mechanik. Wie fühlt sich Einladung für mich an? Wie fühlt sich Widerstand an? Was passiert, wenn ich trotzdem weitergehe? Genau so entsteht mit der Zeit ein eigener Erfahrungsschatz. Anja hat sich ganz bewusst erlaubt, auch Fehler zu machen. Sie möchte selbst erfahren, was passiert, wenn sie gegen einen Impuls geht oder eine Entscheidung anders trifft. Das finde ich für das gesamte Human Design Experiment wichtig. Man kann jahrelang Wissen sammeln und trotzdem noch nicht wissen, wie die eigene Autorität im Körper funktioniert. Erst durch Beobachtung wird daraus irgendwann etwas Eigenes. Und dieses Beobachten verändert sich über die Jahre. Anja beschreibt, dass sie viele Konditionierungen inzwischen gar nicht mehr als laute Gedanken wahrnimmt. Sie erkennt sie eher an ihrem Verhalten. Sie merkt beispielsweise, dass sie Dinge tut oder nicht tut, damit beim anderen keine unangenehme Reaktion entsteht. Das ist so tief eingelernt, dass der Verstand gar nicht mehr mit einem klaren Satz auftauchen muss. Genau da beginnt Dekonditionierung für mich noch einmal auf einer ganz anderen Ebene. Das offene Emotionszentrum spielt bei Anja dabei eine große Rolle. Gerade in Beziehungen hat sie immer wieder erlebt, dass sie ihr eigenes Nein zurückgestellt hat, weil sie mit der emotionalen Reaktion des anderen nicht umgehen wollte. Irgendwann wurde klarer: Wenn mein Körper Nein sagt, darf dieses Nein stehen bleiben. Ich kann immer noch schauen, wie ich es kommuniziere. Ich muss meine Entscheidung nicht verändern, nur damit der andere sich damit wohler fühlt. Genau diese Dynamik kenne ich ebenfalls sehr gut. Mit einem offenen Emotionszentrum kann Konfrontation unglaublich viel Energie kosten. Mit der Zeit kann aber genau daraus eine immer feinere Wahrnehmung entstehen: Welche Konflikte sind überhaupt meine? Wo lohnt es sich, meine Energie einzusetzen? Wo darf die Reaktion des anderen einfach bei ihm bleiben? Sehr deutlich wurde das bei Anja auch in einer früheren Beziehung. Sie brauchte mehr Rückzug, mehr Raum und mehr Zeit für sich. Zusammenleben auf engem Raum hat sie enorm viel Energie gekostet. Als sie irgendwann klar gesagt hat, dass sie ein eigenes Zimmer braucht, wurde genau diese Grenze zum Konfliktpunkt. Für Anja war die Erkenntnis daraus enorm wichtig: Sie braucht in einer Beziehung einen Menschen, der mit ihrem Bedürfnis nach Rückzug umgehen kann und nicht permanent ihr System beansprucht. Ich kenne dieses Thema ebenfalls sehr gut. Alleinsein und eigene Räume sind für mich in Beziehungen unglaublich wichtig. Früher war es schwer, das zu kommunizieren. Heute ist viel klarer: Wenn etwas für meinen Körper wesentlich ist, dann gehört es auch in eine Beziehung hinein. Bei Anja zieht sich dieses Ernstnehmen des Körpers inzwischen durch viele Lebensbereiche. Sie beschreibt, dass sie ihre Ressourcen viel bewusster einsetzt, sich weniger übergeht und körperliche Signale ernster nimmt. Sie achtet darauf, wie viel Ruhe sie braucht, wie viel Energie für Familie oder andere Menschen da ist und wann ihr Körper Rückzug möchte. Genau das war für mich einer der stärksten Sätze aus unserem Gespräch: „Ich nehme meinen Körper ernst.“ Darum geht es für mich
Human Design Ernährungsstrategie 4: Berührung nervös – wenn dein System Anregung beim Essen braucht
Die Human Design Ernährungsstrategie Nummer 4 wird Berührung genannt. Bei der linken Variante geht es um Berührung nervös beziehungsweise aufgeregt. Das bedeutet nicht, dass jemand nervös sein muss, um essen zu können. Entscheidend ist vielmehr, dass das System beim Essen eine gewisse Anregung von außen bekommt. Das kann durch andere Menschen passieren, durch Bewegung, durch ein Gespräch, durch Autofahren oder durch eine Umgebung, in der einfach etwas los ist. Der Körper bekommt einen äußeren Reiz und genau diese Frequenz unterstützt die Nahrungsaufnahme. Sabrina lebt diese linke Variante und beschreibt sehr klar, dass sie dafür gar keinen komplizierten Aufbau braucht. Unsere heutige Welt bietet ohnehin viele Möglichkeiten für diese Art von Anregung: Restaurants, unterwegs sein, Arbeit, andere Menschen oder eben Autofahren. Sabrina ist erst über ihr Human Design Experiment langsam in diese Ernährungsstrategie hineingewachsen. Typ, Strategie und Autorität waren zuerst da, das PHS kam später dazu. Das Wissen über ihre Ernährung hatte sie schon relativ früh, wirklich konsequent damit experimentiert hat sie erst später. Gerade beim Thema Ernährung merkt man oft, wie viele allgemeine Konzepte im Kopf sitzen. Gemüse ist gesund, Zucker ist schlecht, dieses Lebensmittel darf man essen, jenes besser nicht. Auch Sabrina kannte diese ganzen Vorstellungen. Der spannende Punkt im Experiment war deshalb irgendwann, all diese Ideen nicht automatisch über den eigenen Körper zu stellen. Für mich bleibt dabei Strategie und Autorität immer die Grundlage, weil genau darüber überhaupt entschieden wird, was für den eigenen Körper in diesem Moment korrekt ist. Am Anfang hat Sabrina ihre Ernährungsstrategie eher in kleinen Etappen ausprobiert. Ein paar Tage anders essen, dann wieder zurück in die gewohnte Art. Rückblickend sagt sie selbst, dass sie dadurch kaum etwas beobachten konnte. Erst als sie über mehrere Wochen konsequenter wurde, konnte sie Veränderungen wirklich wahrnehmen. Bei den Lebensmitteln selbst hat sich bei ihr gar nicht so viel verändert. Der entscheidende Punkt war der Umstand, in dem sie gegessen hat. Ein Keks ist immer noch ein Keks. Heute stellt sich für sie eher die Frage: Möchte mein Körper den jetzt? Passt der Moment? Passt die Umgebung? Bei den Ernährungsstrategien vier, fünf und sechs spielt genau dieser äußere Umstand eine zentrale Rolle. Was tatsächlich gegessen wird, läuft weiterhin über die eigene Autorität. Das zeigt sich bei Sabrina auch sehr deutlich, wenn sie irgendwo eingeladen ist. Wenn die Anregung in der Umgebung für sie nicht passt, kann sie inzwischen einfach sagen: Ich esse jetzt nichts. Sie sitzt trotzdem mit den anderen zusammen, verbringt Zeit mit ihnen und isst später. Ich finde das einen wichtigen Punkt, weil gesellschaftlich unglaublich viel rund ums Essen aufgebaut ist. Man trifft sich zum Frühstück, zum Abendessen oder zum Kaffee und Kuchen und dadurch entsteht schnell die Vorstellung, dass alle gleichzeitig essen müssten. Sabrina hat sich hier die Freiheit genommen, ihren Körper entscheiden zu lassen. Gerade als Projektorin ist auch ihre Projektor-Strategie mit der Einladung Teil des gesamten Experiments und läuft nicht getrennt von ihrer Ernährung. Die Veränderungen durch das Experiment waren bei Sabrina teilweise sehr subtil. Vieles hat sie erst im Rückblick bemerkt. Ein Beispiel war ihr Schlaf. Jahrelang brauchte sie nachts ein geöffnetes Fenster und hatte das Gefühl, nur mit viel frischer Luft wirklich gut schlafen zu können. Später stellte sie fest, dass sie auch bei geschlossenem Fenster schlafen konnte und dieses starke Bedürfnis nach ständig frischer Luft nicht mehr dieselbe Rolle spielte. Genau solche Beobachtungen finde ich im PHS-Experiment spannend. Manchmal verändert sich etwas bei der Verdauung, manchmal bei der Energie, manchmal beim Schlaf und manchmal fällt eine Veränderung erst viel später auf. Human Design und Schlaf ist deshalb für mich ebenfalls ein Bereich, in dem man sehr viel über den eigenen Körper beobachten kann. Sabrina macht heute kaum noch Ausnahmen, weil ihre Ernährungsstrategie für sie ziemlich einfach zu leben ist. Wenn sie Anregung braucht, kann schon ein Telefonat reichen oder sie isst unterwegs. Besonders gerne isst sie tatsächlich beim Autofahren. Ein Sandwich oder eine Semmel im Auto funktioniert für sie sehr gut und passt auch zu ihrem Alltag. Gleichzeitig hat sich über das Ernährungsexperiment noch etwas anderes entwickelt: Sie steht mehr für sich ein. Sie beschreibt, dass sie authentischer geworden ist und stärker darauf vertraut, was sie selbst wahrnimmt. Dieses Vertrauen hat sich mit der Zeit auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Wenn der Körper immer wieder die Erfahrung macht, dass seine eigene Wahrnehmung ernst genommen wird, bleibt das eben nicht nur beim Essen. Bei Sabrina kommt außerdem ihre emotionale Autorität dazu. Auch die Auswahl von Lebensmitteln passiert deshalb über Zeit. Beim Einkaufen kann sie zwei- oder dreimal an etwas vorbeigehen und schauen, ob sie es immer noch möchte. Manchmal hat sie schon vorher eine Idee, schreibt etwas auf die Einkaufsliste und überprüft im Laden noch einmal, ob es weiterhin passt. Zu Hause kann sie mehrmals den Kühlschrank öffnen, wieder weggehen und zehn Minuten später noch einmal schauen. Im Restaurant kennt sie häufig schon vorher die Speisekarte und kann dadurch bereits vorher wahrnehmen, was für sie infrage kommt. Dafür braucht es nicht immer Stunden. Manchmal reichen wenige Minuten, damit innerhalb der emotionalen Welle mehr Klarheit entsteht. Und dann kommt bei Sabrina noch die Kognition Gefühl dazu. Sie beschreibt es so, dass sie die Energie eines Lebensmittels wahrnimmt. Sie muss eine Erdbeere nicht anfassen, um zu merken, ob genau diese Erdbeere für sie passt. Zwei Dinge können äußerlich vollkommen gleich aussehen und sich trotzdem unterschiedlich anfühlen. Am Buffet kann sie an mehreren gleichen Lebensmitteln vorbeigehen und eines davon fühlt sich für sie stimmiger an als die anderen. Genau daran sieht man sehr schön, wie differenziert PHS mit der Zeit werden kann. Ernährungsstrategie, Autorität und Kognition greifen immer feiner ineinander und der Körper entwickelt seine ganz eigene Art, durch diese Auswahl zu gehen. Was Sabrina jemandem am Anfang mitgeben würde, ist ziemlich klar: wirklich ausprobieren und lange genug beobachten, damit überhaupt etwas sichtbar werden kann. Für sie waren einzelne Mahlzeiten zu wenig, um einen Unterschied wahrzunehmen. Gleichzeitig kann auch der Zeitpunkt, an dem jemand überhaupt in sein Ernährungsexperiment einsteigt, nur aus dem eigenen Prozess entstehen. Vielleicht ist es heute dran, vielleicht erst später. Genau deshalb ist PHS für mich
Projektor in Gruppen: Warum Familienfeiern, Großraumbüros und Workshops so anstrengend sein können
Gruppen können für Projektoren ziemlich anstrengend sein. Familienfeiern, Großraumbüros, Workshops, Ausbildungen oder Teams haben alle etwas gemeinsam: Mehrere Menschen und mehrere Energien wirken gleichzeitig aufeinander. Die Projektor-Aura ist im Human Design fokussiert und auf den einzelnen Menschen ausgerichtet. Genau deshalb kann im Eins-zu-eins dieser tiefe Austausch entstehen, den viele Projektoren kennen und lieben. Sobald mehrere Menschen zusammenkommen, verändert sich die Dynamik. Gespräche springen hin und her, jemand unterbricht, irgendwo beginnt das nächste Gespräch und als Projektor kann man sich darin ziemlich schnell lost fühlen. Selbst wenn mich innerhalb einer Gruppe jemand direkt anspricht, merke ich, dass mein Fokus nicht derselbe ist wie in einem wirklichen Eins-zu-eins. Da ist immer noch die ganze Gruppe im Feld und jederzeit kann wieder jemand in dieses Gespräch hineinkommen. Ich kenne das besonders aus meiner Familie. Wenn mehrere Menschen zusammensitzen, bleibt der Austausch für mich häufig oberflächlicher. Ich kann meine Aura auf einen Menschen fokussieren und genau dort entsteht für mich Tiefe. Bei einer Familienfeier mit ungefähr 15 Menschen habe ich irgendwann ganz bewusst beobachtet, wie anstrengend es für mich ist, wenn alle über den Tisch reden. Ich unterhalte mich mit einem Menschen und bin gleichzeitig permanent in Habachtstellung: Wo kommt jetzt das Nächste her? Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich das gar nicht mehr halten kann. Im Eins-zu-eins verändert sich die Situation sofort. Plötzlich kann der andere mich wieder wahrnehmen, eine persönliche Frage stellen und dieser tiefere Austausch wird möglich. Genau hier spielt auch die Projektor-Strategie mit der Einladung eine große Rolle. Wenn keine Einladung da ist, kann ich in einer Gruppe einfach sitzen, beobachten und ruhig bleiben. Ich muss nicht selbst Themen aufmachen, damit ich gesehen werde. Dazu kommt für Projektoren in Gruppen das Energiethema. Gerade wenn viel Generatorenergie um uns herum ist, kann man sehr schnell anfangen mitzulaufen. Noch schnell etwas vorbereiten, Tee machen, organisieren, schauen, ob jeder etwas hat, irgendwo helfen – und plötzlich arbeitet der Projektor für die Gruppe. Franziska hat beschrieben, wie sie das bei sich in einer Familiensituation wieder beobachten konnte. Sie hatte vorbereitet, organisiert und musste sich irgendwann ganz bewusst zurückholen und sagen: Jetzt setzen sich die anderen an den Tisch und den Rest machen sie selbst. Genau dieses „Wann ist genug?“ ist für Nicht-Sakrale ein wichtiges Thema. In der Generatoraura kann die Energie so laut sein, dass man immer weiterläuft. Deshalb finde ich es für Projektoren unglaublich wichtig, den eigenen Input und Output kennenzulernen. Wie lange kann ich in so einem Feld sein? Wann brauche ich Abstand? Wann beginnt mein Körper eigentlich schon längst zu zeigen, dass es reicht? Strategie und Autorität bleiben dabei für mich die Grundlage. Ich weiß inzwischen zum Beispiel ziemlich gut, dass zwei oder drei Stunden in einem größeren Familienkontext für mich funktionieren können. Danach wird es schwierig. Diese Wahrnehmung ist über die Jahre immer feiner geworden. Früher wäre ich wahrscheinlich einfach weitergelaufen. Heute kann ich viel früher beobachten, wann mein Fokus weggeht, wann ich anfange, mich in der Energie der Gruppe zu verlieren und wann ich wieder raus möchte. Und genau das finde ich so spannend am Human Design Experiment: Man bekommt keine Regel, wie lange man auf einer Familienfeier bleiben darf. Man beobachtet die eigene Mechanik und merkt mit der Zeit immer genauer, was für den eigenen Körper tatsächlich funktioniert. Ein wunderschönes Beispiel dafür kam von einer Freundin von mir, die ebenfalls Projektorin ist. Sie war in einem Kurs mit ungefähr zehn oder zwölf Menschen. Die Kursleiterin sagte zu allen, sie sollten sich so hinsetzen, wie es für sie angenehm ist. Meine Freundin nahm ihren Stuhl und setzte sich ganz außen an die Wand, weit weg von der Gruppe. Wir hatten vorher überhaupt nicht über diese Mechanik gesprochen. Ihr Körper hat sich einfach diesen Platz gesucht. Genau das beschreibt für mich dieses Außenstehen sehr schön. Projektoren können durchaus in Gruppen führen. Gerade in einer kleinen Gruppe von drei bis fünf Menschen kann das eigene Design dafür bestimmte Anlagen mitbringen. Führung bedeutet für einen Projektor nicht automatisch, mitten in der Gruppe zu versinken und für sie zu arbeiten. Es kann bedeuten, außen zu stehen, wahrzunehmen und von dort zu leiten. Und natürlich braucht es auch dort zuerst die Einladung. Ohne Einladung gibt es nichts zu führen. Dann kann der Projektor erst einmal beobachten. Auch im Familienalltag kann dieses Herausgehen wichtig werden. Franziska hat von einer Situation erzählt, in der sie einige Zeit in einer Familie mit kleinen Kindern verbracht hat. Sie konnte sehr deutlich wahrnehmen, wie viel Energie dort gebraucht wurde und wie schnell sie selbst in dieses Unterstützen und Helfen hineingezogen wurde. Gleichzeitig schlief sie im Wohnzimmer und war dadurch fast permanent mitten in dieser Familienenergie. Im Nachhinein wurde für sie klar, dass ein eigenes Zimmer oder sogar ein Hotelzimmer in der Nähe eine ganz andere Möglichkeit geschaffen hätte, zwischendurch wieder in die eigene Aura zurückzukommen. Auch wenn ein Projektor selbst Teil einer Familie ist, kann es spannend sein zu beobachten: Wo gibt es kleine Räume oder Zeiten, in denen ich wieder allein sein kann? Wo muss ich nicht das komplette Familiensystem tragen? Welche Unterstützung kann dazukommen? Beruflich kenne ich das Thema Gruppen sehr gut aus meiner Zeit in der Hotellerie. Ich habe viele Jahre Teams geführt und rückblickend war ich in dieser Zeit teilweise der perfekte Nichtselbst-Projektor: arbeiten, machen, übernehmen und immer weiter. Großraumbüros oder Arbeitsplätze mit vielen Menschen um mich herum haben mich enorm viel Energie gekostet. Irgendwann hatte ich zum ersten Mal ein eigenes Büro und ich habe sofort gemerkt: Das ist es. Ich war in meiner eigenen Aura. Ich konnte mich herausnehmen und von außen auf die Gruppe schauen. Die Arbeit fühlte sich leichter und natürlicher an. Damals hatte ich noch nicht die Bewusstheit, das mit meiner Projektor-Mechanik in Verbindung zu bringen. Heute würde ich bei einem Job sehr genau hinschauen: Habe ich während des Tages die Möglichkeit, in meiner eigenen Aura zu sein? Wie groß ist das Team? Wie kann ich führen? Wie viel Zeit verbringe ich mitten in der Gruppe und wie viel Zeit kann ich wieder herausgehen? Und etwas hat sich für mich im Gruppenkontext noch
Offenes Emotionszentrum im Human Design: Wenn Emotionen plötzlich laut werden
Das offene oder undefinierte Emotionszentrum ist für mich eines der spannendsten Zentren überhaupt, weil Emotionalität unglaublich laut werden kann. Franziska und ich haben beide einen undefinierten Solarplexus und genau darüber haben wir in unserem Podcast „Human Design Leben“ gesprochen. Auslöser für die Folge waren damals sehr starke emotionale Transite, bei denen wir beide noch einmal besonders beobachten konnten, was eigentlich passiert, wenn Emotionalität ins Feld kommt. Bei mir ist das sowieso ein Riesenthema, weil ich viele hängende Tore in meinem offenen Solarplexus habe und dadurch sehr häufig emotional angeschlossen bin. Ich kenne Emotionalität also schon mein ganzes Leben. Gleichzeitig ist das offene Emotionszentrum bei mir in der Hierarchie der offenen Zentren sehr weit oben und damit ein Bereich, in dem mein Nichtselbst sehr schnell anspringt. Der Solarplexus ist im Human Design ein Bewusstseinszentrum und gleichzeitig ein Motor. Wenn dort Emotionalität richtig laut wird, kann das unglaublich viel Power haben. Gerade mit einem offenen Emotionszentrum kann es dann passieren, dass man kaum noch klar wahrnimmt, was eigentlich die eigene Autorität sagt. Franziska und ich haben beide eine definierte Milz und kennen dieses Phänomen sehr gut: Da ist eigentlich diese kleine, nüchterne Körperstimme und gleichzeitig rauscht eine riesige emotionale Welle durch den Körper. Genau deshalb finde ich es so wichtig, diese Dynamik überhaupt erst einmal beobachten zu lernen. Spannend ist auch, dass emotional offene Menschen häufig sehr emotional wirken können, während emotional definierte Menschen manchmal sagen: So emotional bin ich doch gar nicht. Der definierte Mensch lebt mit seiner Emotionalität. Für ihn ist diese Welle etwas, das zu seinem System gehört. Der offene Mensch erlebt dagegen den Wechsel und nimmt die emotionale Energie seines Gegenübers verstärkt wahr. Dadurch kann eine verzerrte Außenwahrnehmung entstehen. Man erlebt die Emotion des anderen im eigenen Körper so stark, dass man denkt: Oh mein Gott, der muss ja ein riesiges Problem haben. Für den emotional definierten Menschen kann seine aktuelle Welle dabei vollkommen normal sein. Ich kenne das sehr deutlich aus meiner eigenen Kindheit. Mein Vater ist emotional definiert und ich bin mit dieser Emotionalität aufgewachsen. Ich liebe meinen Vater und trotzdem war das für mich als emotional offenes Kind teilweise der Horror. Diese Emotionen haben körperlich wehgetan. Mein System wollte einfach nur weg. Und genau daraus kann bei einem offenen Emotionszentrum diese unglaubliche Harmoniesucht entstehen. Man versucht alles, damit es wieder gut ist, weil die emotionale Spannung im eigenen Körper so unangenehm ist. Man vermeidet Konfrontation, passt sich an und versteckt irgendwann immer mehr von sich selbst. Die Außenwelt fühlt sich emotional bedrohlich an, weil man all das verstärkt und gleichzeitig noch gar nicht gelernt hat, sich damit nicht zu identifizieren. Heute kann ich dieselbe Situation völlig anders beobachten. Wenn ich beispielsweise mit meinem Vater zusammen bin und bei ihm emotional etwas läuft, nehme ich es wahr. Ich spüre es in meinem Körper und kann beobachten: Okay, da ist gerade Emotionalität. Ich muss daraus nichts machen. Genau das ist für mich einer der größten Skills im Human Design: Beobachtung und Nicht-Identifikation. Franziska hat dafür in unserem Gespräch ein sehr klares Beispiel erzählt. Sie kam in die Aura eines emotional definierten Menschen und fing plötzlich an zu weinen, obwohl sie selbst überhaupt keinen Anlass dazu hatte. Sie ging aus der Aura heraus, beschäftigte sich mit etwas anderem und die Emotionalität war plötzlich weg. Genau an solchen Momenten kann man irgendwann sehr deutlich erkennen, was das offene Zentrum eigentlich aufnimmt und verstärkt. Für mich hilft dabei die Vorstellung, Emotionen zunächst einmal als Wellen zu betrachten, die durch den Körper laufen. Im Human Design werden die emotionalen Wellen je nach Definition unterschiedlich beschrieben. Man muss nicht sofort einen Grund für jede Emotion finden. Wenn Traurigkeit da ist, kann Traurigkeit einfach da sein. Gerade unser Verstand möchte unglaublich schnell eine Geschichte daraus bauen: Warum bin ich traurig? Was stimmt nicht? Was ist passiert? Und manchmal gibt es darauf keine mentale Antwort. Für einen emotional offenen Menschen kommt noch die Frage dazu: Gehört diese Emotionalität überhaupt zu mir? Was passiert, wenn ich aus der Aura des anderen herausgehe? Was bleibt dann noch übrig? Das bedeutet für mich gleichzeitig nicht, unangenehme Emotionen grundsätzlich zu vermeiden. Genau da kann das offene Emotionszentrum wieder in seine alte Strategie rutschen: Hauptsache, ich muss diese Spannung nicht fühlen. Auch eine unangenehme emotionale Erfahrung mit einem anderen Menschen kann korrekt sein. Deshalb landen wir wieder bei Strategie und Autorität. Ist diese Erfahrung für mich korrekt? Habe ich ein Go dafür? Gerade weil der Solarplexus so laut sein kann, finde ich diese Rückbindung an die eigene Autorität unglaublich wichtig. Und genauso wichtig ist es, gut für sich zu sorgen, wenn das System wirklich voll ist. Das wird gerade in Beziehungen sehr deutlich. Ein emotional definierter und ein emotional offener Mensch können sich gegenseitig unglaublich stark beeinflussen. Manchmal ist der offene Mensch am Ende die vermeintliche Dramaqueen, obwohl er gerade etwas verstärkt, das im gemeinsamen Feld sowieso schon vorhanden ist. Dann kann es unglaublich hilfreich sein, sich Raum zu geben. Aus der Aura rauszugehen. Das Nervensystem wieder herunterfahren zu lassen. Vielleicht braucht es zwanzig Minuten, vielleicht eine halbe Stunde, vielleicht länger. Und wenn es für beide wieder passt, kann man zurück in die Kommunikation gehen. Für mich hat das auch etwas mit Respekt in Beziehungen zu tun: anzuerkennen, dass der andere vielleicht erst wieder bei sich ankommen muss, bevor ein Gespräch überhaupt sinnvoll weitergehen kann. Franziska hat in diesem Zusammenhang auch beschrieben, dass sie nach einer starken emotionalen Aktivierung zwar aus der Aura herausging und sofort aufhörte zu weinen, ihr Körper aber trotzdem noch länger brauchte, bis wirklich Ruhe da war. Das konnte sie später auch beim Schlaf beobachten. Genau solche Erfahrungen zeigen für mich, dass das offene Emotionszentrum nicht nur eine Theorie im Chart ist. Man kann sehr konkret beobachten, was im eigenen Körper passiert, wie lange etwas nachwirkt und was dabei hilft, wieder zu sich selbst zurückzukommen. Auch Natur und Tiere können dabei für manche Menschen unterstützend sein. Ich hatte selbst fünfzehn Jahre lang eine Hündin und habe immer wieder erlebt, wie sehr sie mich reguliert hat. Franziska hat außerdem beschrieben,