Die Human Design Ernährungsstrategie Nummer 5 gehört zu den drei oberen Ernährungsstrategien. Hier geht es nicht mehr in erster Linie darum, was gegessen wird, sondern unter welchen Bedingungen der Körper Nahrung aufnimmt. Bei Farbe 5 spielt Klang eine zentrale Rolle. Die linke Variante ist Klang laut, Sound High, die rechte Variante Klang leise, Sound Low. Ich habe Klang leise und einen passiven Körper. Für mich bedeutet das, dass mein Verdauungssystem sehr sensibel auf die Frequenz der Umgebung reagiert. Klang leise bedeutet dabei nicht automatisch absolute Stille. Es geht um den für den jeweiligen Körper korrekten Klang, um Lautstärke, Frequenz und darum, welche Geräusche in diesem Moment überhaupt passen. Genau deshalb bleibt auch hier Strategie und Autorität die Grundlage des gesamten Experiments.
Als ich meine Ernährungsstrategie kennengelernt habe, war meine erste mentale Reaktion ziemlich eindeutig: Das ist doch völliger Müll. Gleichzeitig wusste ich sehr schnell, dass an dieser Information für mich etwas dran ist. Ich komme aus Hotellerie und Gastronomie und habe einen großen Teil meines Lebens in Restaurants gegessen. Und ich hatte dabei sehr häufig Bauchschmerzen. Meine Schlussfolgerung war jahrelang: Dann esse ich wahrscheinlich das Falsche. Also begann ich Lebensmittel auszusortieren, Ernährungskonzepte auszuprobieren und immer weiter danach zu suchen, welches Essen mein Problem verursacht. Genau das war für meine Ernährungsstrategie eine riesige Konditionierung, weil mein Fokus permanent auf den Lebensmitteln lag, während mein Körper auf etwas ganz anderes reagierte: auf die Bedingungen, unter denen ich gegessen habe. Deshalb ist für mich der Zusammenhang aus PHS und Human Design Ernährung mit Strategie und Autorität inzwischen so wesentlich.
Mein Ernährungsexperiment begann deshalb auch nicht damit, dass ich von heute auf morgen perfekt in Stille gegessen habe. Es begann mit Beobachtung. Welche Ernährungskonzepte trage ich eigentlich mit mir herum? Was glaube ich essen zu müssen? Was glaube ich nicht essen zu dürfen? Ich hatte mich schon Jahrzehnte vor Human Design intensiv mit Ernährung beschäftigt und entsprechend viel Material im Kopf. Diese Konditionierungen abzutragen hat Jahre gedauert. Rückblickend würde ich trotzdem sagen: Mein Experiment hatte bereits begonnen, als ich anfing, all das überhaupt wahrzunehmen. Mein Körper war noch lange nicht an dem Punkt, an dem er die Ernährungsstrategie vollständig leben konnte. Der Prozess war trotzdem längst in Bewegung.
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich auch, dass die Tendenz zu Klang leise schon sehr früh da war. Ich habe immer lieber gewartet, bis ich zu Hause war, bevor ich gegessen habe. Damals wusste ich nur nicht, warum. Gleichzeitig bin ich wie viele Menschen damit aufgewachsen, gemeinsam am Tisch zu essen: Familie, Gespräche, Radio, Geräusche. Genau das war für mein System permanent viel Input. Als Kind habe ich trotzdem noch sehr vieles problemlos gegessen. Später begann ich immer stärker über Lebensmittel zu regulieren. Bauchschmerzen verschwanden vielleicht einmal, dafür kamen an anderer Stelle andere Themen hinzu. Genau dadurch wurde mir irgendwann klar, wie wichtig es ist, den Körper als Ganzes zu beobachten und nicht nur ein einzelnes Symptom oder eine einzelne Mahlzeit.
Je länger ich mit Klang leise experimentiere, desto differenzierter wird meine Wahrnehmung. Beim Essen bevorzuge ich inzwischen sehr deutlich Stille. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass nicht jedes Geräusch automatisch falsch für mich ist. Eine sehr leise Baustelle in der Ferne kann meinen Körper beim Essen bereits stören, während ein anderes Geräusch in derselben Lautstärke vollkommen in Ordnung sein kann. Auch leise Musik kann unter bestimmten Bedingungen passen. Genau deshalb lässt sich aus „Klang leise“ keine starre Regel machen. Für jemanden am Anfang kann vollständige Stille ein guter Ausgangspunkt sein, um überhaupt Unterschiede beobachten zu können. Von dort aus beginnt das eigentliche Experiment: Welcher Klang passt? Welche Frequenz stört? Was verändert sich in Verdauung, Wahrnehmung und Körperzustand?
Besonders spannend ist für mich, dass sich diese Ernährungsstrategie längst über das Essen hinaus in meinen Alltag ausgebreitet hat. Wenn ich mittags als Projektorin eine Pause mache und mich hinlege, kann mein Körper in Stille bereits sehr gut herunterfahren. Wenn ich dabei eine für mich passende leise Musik höre, ist die Wirkung teilweise noch einmal völlig anders. Ich nehme wahr, dass mein Körper sich dadurch sehr viel stärker reguliert und ich danach wieder mehr Energie zur Verfügung habe. Beim Essen wiederum ist diese Musik häufig gar nicht das Richtige. Genau diese feinen Unterschiede sind das Experiment. Auch mein Schlaf und die Bedingungen, unter denen mein Körper wirklich zur Ruhe kommt, gehören für mich inzwischen zu dieser viel umfassenderen Wahrnehmung meiner Umgebung.
Wie weit mein Körper mit dieser Ernährungsstrategie inzwischen tatsächlich ist, habe ich besonders deutlich während eines zweiwöchigen Urlaubs mit Freunden gemerkt. Ich war sehr viel mit anderen zusammen, habe häufiger in Restaurants gegessen und hatte weniger Raum für meine eigenen Bedingungen. Dabei wurde für mich plötzlich sichtbar, wie stark meine Ernährungsstrategie bereits eingerastet ist. Ich konnte schwerer bei mir bleiben, ließ mich leichter mitziehen, hatte weniger Klarheit bei meiner Nahrungsauswahl und ging häufiger über meine Grenzen. Dazu kamen bei mir sehr konkrete Rückmeldungen: schlechter Schlaf, Bauchschmerzen, starke Gedankenaktivität und Cravings. Diese Erfahrung war unangenehm und gleichzeitig unglaublich wertvoll, weil ich danach viel klarer sehen konnte, wie sehr sich mein Körper bereits verändert hatte.
Auch Restaurants sind für mich inzwischen sehr unterschiedlich. Ein lautes Restaurant mit vielen Gesprächen und viel Bewegung ist etwas völlig anderes als ein ruhiger Raum mit sehr leiser Musik, in dem ich allein essen kann. Ich habe sogar mit Ohrstöpseln experimentiert. Das Optimum ist für mich inzwischen meistens zu Hause, ruhig, mit möglichst wenig Input. Ähnlich ist es unterwegs. In einem vollen Zug zu essen ist für meinen Körper inzwischen kaum vorstellbar. Wenn ich einen ganzen Tag Zug fahre, funktioniert es für mich häufig besser, überhaupt nicht zu essen und später in einer für mich passenden Umgebung meine Mahlzeit einzunehmen. Das ist meine individuelle Erfahrung mit meinem passiven Körper und meiner Ernährungsstrategie und keine allgemeine Regel für Klang leise.
Selbst bei Getränken wurde die Differenzierung immer feiner. Früher habe ich am Computer sehr gerne Tee getrunken. Irgendwann habe ich wahrgenommen, dass Tee für meinen Körper ebenfalls Nahrung beziehungsweise Nährstoff bedeutet und damit wieder die Bedingungen meiner Ernährungsstrategie relevant werden. Heißes Wasser ist etwas anderes. Das kann ich auch während der Arbeit trinken und nehme es als stark regulierend wahr. Solche Beobachtungen wären mir früher vollkommen entgangen. Dasselbe gilt für meine Mahlzeiten. Für mich haben sich derzeit zwei wirklich sättigende Mahlzeiten am Tag als sehr passend herauskristallisiert. Eine etwa um die Mittagszeit und eine später am Nachmittag funktionieren häufig sehr gut. Auch das ist keine Regel der Fünf, sondern das Ergebnis meines eigenen Experiments.
Und genau hier wird für mich sichtbar, warum PHS weit über Ernährung hinausgeht. Je präziser meine körperliche Wahrnehmung geworden ist, desto leichter kann ich auch meine Milzautorität und meine Projektor-Strategie wahrnehmen. Ich registriere schneller, was für mich korrekt ist und was nicht. Gleichzeitig beobachte ich, wie sich mein Leben verändert: Dinge sortieren sich aus, andere kommen hinzu, Einladungen werden präziser und beruflich entstehen Möglichkeiten, die mein Verstand vorher überhaupt nicht hätte planen können. Gerade als Projektorin ist für mich die Qualität einer wirklichen Einladung inzwischen viel leichter zu erkennen als noch vor einigen Jahren.
Nach inzwischen vielen Jahren Experiment würde ich deshalb niemandem sagen: Mach deine Ernährungsstrategie einfach perfekt. Mein eigener Weg war alles andere als perfekt. Ich bin zurückgekippt, habe Konzepte wieder aufgenommen, sie erneut losgelassen, ausprobiert, beobachtet und zwischendurch auch gedacht: Ich mag nicht mehr. Gerade Ernährung kann unglaublich tief konditioniert sein. Der wichtigste Skill ist für mich deshalb bis heute das Beobachten. Wahrnehmen, was der Verstand erzählt. Wahrnehmen, was der Körper macht. Sich mit dem mentalen Drama immer weniger identifizieren. Dann wird irgendwann sichtbar, welche Schicht gerade dran ist. Und wenn es drei, fünf oder sieben Jahre dauert, dann dauert es eben so lange. Das eigene Experiment ist genau dort richtig, wo der eigene Körper gerade steht.
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In der Podcastfolge „#26 Interview Rita: Ernährungsstrategie Nr. 5 – Klang leise“ interviewt Franziska mich zu meinem eigenen PHS-Experiment. Wir sprechen darüber, wie ich Klang leise im Alltag wahrnehme, warum meine Ernährungskonditionierung so lange gebraucht hat, welche Rolle Stille und unterschiedliche Geräusche spielen und wie sich meine Körperwahrnehmung über die Jahre verändert hat.
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P.S. Wenn du deine eigene Ernährungsstrategie kennenlernen und sie nicht als neues Ernährungskonzept, sondern als echtes Körperexperiment in dein Leben bringen möchtest, begleite ich dich in meiner Human Design Ernährungsbegleitung durch diesen Prozess.