Human Design Beziehungen: Nichtkommunikation ist nicht folgenlos – auch wenn sie korrekt ist

IHuman Design Beziehungen: Nichtkommunikation ist nicht folgenlos – auch wenn sie korrekt ist Ich habe mich in den letzten Wochen und Monaten unglaublich viel mit Kommunikation in Beziehungen beschäftigt. Eigentlich begleitet mich dieses Thema schon seit vielen Jahren, weil ich immer wieder erlebt habe, dass Menschen plötzlich nicht mehr kommunizieren, sich zurückziehen und manchmal einfach aus einer Verbindung verschwinden. Und ich habe mich lange gefragt, warum mich das so sehr beschäftigt. Denn für mich war es immer völlig okay, wenn jemand seinen Rückzug braucht, wenn eine Freundschaft irgendwann nicht mehr passt oder wenn sich eine Beziehung verändert. Ich bin selbst jemand, der unglaublich viel Alleinzeit braucht und anderen Menschen sehr viel Raum gibt. Ich bin eine Sechserlinie, kann Menschen ziemlich objektiv betrachten und sie einfach so stehen lassen, wie sie sind. Gleichzeitig habe ich im Laufe meiner eigenen Dekonditionierung erkannt, dass bei mir ein altes Muster mitspielt. Ich habe schon als Kind gelernt, dass ich geliebt und gesehen werde, wenn ich möglichst unkompliziert bin, den anderen nicht anstrenge und mich selbst ein bisschen zurücknehme. Und das war so selbstverständlich für mich, dass ich lange überhaupt nicht gemerkt habe, wie viel Verantwortung ich dadurch manchmal für andere Menschen übernommen habe. Gerade als Projektorin können Beziehungen für mich unglaublich tief gehen. Ich kann einem Menschen ganz viel Raum geben und trotzdem emotional tief mit ihm verbunden sein. Und irgendwann habe ich für mich verstanden, dass zu einer Beziehung immer zwei Menschen gehören. Jeder bringt seine eigene Mechanik mit, seine Konditionierungen, seine Bedürfnisse und eben auch seine Verantwortung für den eigenen Teil dieser Verbindung. Wenn wir Human Design leben, beschäftigen wir uns unglaublich viel mit Korrektheit. Mit unserer Strategie, unserer Autorität und der Frage, was für uns tatsächlich stimmt. Und ich finde das wahnsinnig spannend, gerade wenn wir anfangen, unsere Strategie und Autorität im Alltag zu leben. Denn es kann absolut korrekt sein, mit einem bestimmten Menschen gerade nicht zu kommunizieren. Vielleicht bin ich vollkommen im Rückzug. Vielleicht habe ich mit meiner Milzautorität ein klares Nein zu einem Kontakt. Vielleicht hat ein Generator eine sakrale Nein-Reaktion oder für einen Projektor ist ein bestimmter Kontakt gerade nicht einladend. Das darf alles da sein. Ich kenne diese Rückzüge selbst unglaublich gut. Es gibt Zeiten, in denen ich überhaupt kein Bedürfnis nach Kommunikation habe, und manchmal habe ich auch mit bestimmten Menschen kein Go. Jetzt kommt aber etwas dazu, das ich unglaublich interessant finde. Ich habe vielleicht seit Jahren eine enge Freundschaft, führe eine Partnerschaft oder bin mit jemandem geschäftlich verbunden. Der andere kennt meinen Zustand überhaupt nicht. Er weiß vielleicht nicht einmal, ob ich gerade einfach meinen Rückzug brauche oder ob sich an unserer Beziehung grundsätzlich etwas verändert hat. Und hier können tatsächlich mehrere Dinge gleichzeitig bestehen. Es kann korrekt sein, gerade nicht zu kommunizieren, und die Freundschaft kann weiterhin vollkommen korrekt sein. Vielleicht ist es gerade einfach eine Phase, in der ich Zeit für mich brauche. Der andere Mensch kann das Schweigen aber als Rückzug aus der gesamten Beziehung erleben. Vielleicht glaubt er irgendwann, dass die Freundschaft beendet ist, obwohl das überhaupt nicht der Fall ist. Das finde ich schon krass, wenn man sich anschaut, welche Auswirkungen Nichtkommunikation haben kann. Gerade im Human Design dürfen wir dabei auch immer wieder unsere eigenen Konditionierungen anschauen. Denn wie schnell ist der Verstand mit einer Erklärung zur Stelle? Ich bin eben eine Fünferlinie, auf mich wird immer projiziert. Ich bin eine Dreierlinie, ich lebe Versuch und Irrtum. Oder ich bin Projektor und warte auf Einladung. Human Design ist unglaublich leckeres Wissen für den Verstand und wir können wahnsinnig viel damit erklären. Aber nur weil wir etwas in unserem Chart sehen, bedeutet das noch lange nicht, dass wir dieses Potenzial in unserem Human Design Chart auch tatsächlich leben. Wir haben schließlich unser ganzes Leben lang Konditionierungen aufgenommen, vor allen Dingen über unsere offenen Zentren. Und gerade wenn es um unangenehme Gespräche geht, können diese Muster unglaublich stark werden. Vielleicht habe ich ein offenes Emotionszentrum und möchte eine Konfrontation vermeiden. Vielleicht habe ich schon als Kind gelernt, dass es besser ist, schwierige Dinge einfach nicht anzusprechen. Vielleicht merke ich längst, dass eine Freundschaft nicht mehr stimmt, und weiß überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll. Und irgendwann sage ich dann: Ich bin eben im Rückzug, es ist gerade nicht korrekt, ich habe kein Go. Aber vielleicht lohnt es sich an dieser Stelle, genauer hinzuschauen. Was nehme ich eigentlich über meine Körperintelligenz wahr und was erklärt mir gerade mein Verstand? Auch emotional definierte Menschen können natürlich Kommunikation vermeiden und in ihren Konditionierungen unterwegs sein. Ich beobachte solche Mechanismen immer wieder bei mir selbst. Wir sind alle in unserem Experiment und niemand lebt ständig vollkommen korrekt. Genau deshalb finde ich diese Beobachtung so wichtig, gerade wenn unsere Entscheidungen auch andere Menschen betreffen. Ich nehme gerne mal extreme Beispiele, weil man daran oft ganz gut erkennen kann, worum es eigentlich geht. Stell dir vor, du lebst seit vielen Jahren mit deinem Partner zusammen. Ihr liebt euch, habt eine gemeinsame Beziehung aufgebaut und irgendwann gehst du in einen ganz intensiven Rückzug. Dein Körper möchte allein sein und du hast gerade auch kein Go, mit deinem Partner zu kommunizieren. Dann könntest du natürlich einfach das Haus verlassen. Vielleicht bist du für Wochen oder sogar Monate weg und dein Partner hat überhaupt keine Ahnung, was passiert ist. Er weiß nicht, ob du wiederkommst, ob eure Beziehung noch besteht oder ob du einfach nur Zeit für dich brauchst. Ich meine, was macht das mit dem anderen Menschen? Und wie gehen wir in solchen Situationen mit unserer Verantwortung für eine bestehende Beziehung um? Vielleicht wäre es möglich, kurz zu sagen: Du, ich bin gerade vollkommen im Rückzug. Ich kann auch mit dir nicht reden. Ich weiß nicht, wie lange das dauert, aber ich melde mich. That’s it. Dann hat der andere zumindest eine Information. Natürlich kann es auch sein, dass selbst diese kurze Kommunikation gerade nicht korrekt ist. Genau deshalb finde ich das Thema so spannend. Vielleicht können wir schon viel früher miteinander darüber sprechen, wie

Muster brechen: Warum Wissen allein noch nichts verändert

Wir alle haben Muster. Manche davon begleiten uns wahrscheinlich schon seit unserer Kindheit und irgendwann merken wir vielleicht, dass etwas immer wieder ähnlich abläuft. Wir sagen Ja, obwohl wir eigentlich Nein sagen wollten. Wir nehmen uns etwas vor und ein paar Wochen später sind wir wieder genau an derselben Stelle. Wir wissen sogar längst, was da passiert, und trotzdem verändert sich erst einmal gar nichts. Genau das finde ich so spannend. Im Human Design sprechen wir viel über Konditionierung und Dekonditionierung. Konditionierung ist für mich per se nichts Schlechtes. Wir werden unser ganzes Leben konditioniert und die eigentliche Frage ist für mich immer, ob diese Konditionierung für mich korrekt ist. Es gibt Dinge, die irgendwann entstanden sind und heute immer noch wunderbar zu meinem Leben passen. Und es gibt Schutzmuster, die vielleicht irgendwann einen sehr guten Grund hatten und irgendwann merken wir, dass sie heute einfach weiterlaufen, obwohl sie uns gar nicht mehr dienen. Genau dort beginnt für mich überhaupt erst das Beobachten. Was ich immer wieder merke, ist, wie sehr wir überschätzen, was Wissen alleine verändern kann. Ich kann ganz genau verstanden haben, woher etwas kommt. Ich kann mein Human Design Chart auswendig kennen und trotzdem läuft etwas in mir weiter, weil es sich irgendwann so tief eingeprägt hat. Iris beschreibt das im Gespräch sehr schön mit einer Musterschleife. Etwas passiert, wir reagieren darauf, machen wieder dieselbe Erfahrung und dadurch bestätigt sich das Muster immer weiter. Irgendwann kann dieser Moment kommen, in dem ich überhaupt erst wahrnehme, dass ich da gerade wieder in etwas drin bin. Genau diese Wahrnehmung finde ich unglaublich wichtig. Ich sehe irgendwann vielleicht früher, was passiert. Ich merke, dass ich wieder auf eine bestimmte Art reagiere. Und irgendwann entsteht daraus eine neue Erfahrung. Das muss nicht sofort funktionieren und es muss auch nicht perfekt funktionieren. Es ist ein Prozess. Genau so erlebe ich auch Dekonditionierung. Mit der Zeit wird etwas sichtbarer und irgendwann kann sich etwas verändern. Für mich gehört dazu sehr stark Selbstverantwortung. Ich finde es immer wieder bemerkenswert, wenn jemand an den Punkt kommt und sagt: Okay, das ist jetzt mein Ding. Vielleicht weiß ich, woher es kommt. Vielleicht sehe ich auch, was meine Eltern oder mein Umfeld damit zu tun hatten. Unsere Eltern wurden genauso geprägt und konditioniert und leben ebenfalls mit ihren eigenen Erfahrungen. Irgendwann bin ich erwachsen und kann schauen, was ich mit dem mache, was heute in meinem Leben vorhanden ist. Ich kann wahrnehmen, ob ein Muster überhaupt ein Problem für mich ist. Es muss nicht jedes Kinkerlitzchen bearbeitet werden. Genau da landen wir sonst sehr schnell wieder bei Selbstoptimierung. Wenn etwas für mein Leben passt, darf es auch da sein. Und wenn ich merke, dass ich an einer Stelle immer wieder hängenbleibe und wirklich etwas verändern möchte, dann kann ich anfangen hinzuschauen und für mich herausfinden, was dort überhaupt passiert. Ich finde dabei die unterschiedlichen Brillen unglaublich spannend. Human Design ist eine Brille, durch die wir solche Prozesse anschauen können. Für mich ist Human Design eine sehr präzise Brille und mein Weg läuft ganz stark über Strategie & Autorität und über mein eigenes Experiment. Andere Menschen arbeiten mit dem Nervensystem oder mit inneren Antreibern und wieder andere haben ganz andere Ansätze. Iris hat genau deshalb für ihren Kongress Menschen aus sehr unterschiedlichen Bereichen eingeladen. Ich finde das so schön, weil ein ähnliches Phänomen je nach Brille einen anderen Namen bekommen kann. Für mich geht es dabei immer wieder um Resonanz. Was passt gerade zu mir? Wo möchte ich hinschauen? Mit welchem Ansatz möchte ich arbeiten? Das kann am Ende jeder nur für sich selbst herausfinden. Vielleicht beginnt Musterbrechen genau dort. Ich erkenne irgendwann, dass etwas automatisch abläuft und ich fange an, es wahrzunehmen. Mit der Zeit mache ich vielleicht eine neue Erfahrung und irgendwann entsteht daraus wieder eine neue Möglichkeit. Genau deshalb passt dieses Thema für mich so gut zu Human Design Leben. Ich kann unglaublich viel wissen und irgendwann kommt der Punkt, an dem ich anfangen darf, es tatsächlich zu leben. Du möchtest das Thema lieber hören? In Podcastfolge #37 von Human Design Leben spreche ich mit Iris Pointinger über Muster, Schutzstrategien, Selbstverantwortung und darüber, warum Wissen allein häufig noch keine Veränderung erzeugt. Iris erzählt außerdem von ihrem Online-Kongress „Hätt ich doch mal.“ und von den unterschiedlichen Brillen, durch die wir auf unsere Muster schauen können. → Podcastfolge #37: Muster brechen: Warum Wissen allein noch nichts verändert – mit Iris Pointinger P.S. Wenn du dein Human Design bereits kennst und an einem konkreten Thema aus deinem eigenen Experiment tiefer arbeiten möchtest, kannst du dafür eine Einzelsession – Raum für dein Experiment bei mir buchen.

Heute will ich einfach identifiziert und wütend sein

Ich sage immer wieder: beobachten. Beobachten, was passiert. Beobachten, was der Körper macht. Beobachten, wo der Verstand übernimmt, wo Konditionierung läuft, wo Gefühle hochkommen. Üben, sich nicht sofort mit allem zu identifizieren. Das ist für mich ein riesiger Teil meines Human Design Experiments geworden. Und heute habe ich einfach keine Lust darauf. Heute möchte ich fucking identifiziert sein. Ich möchte traurig sein. Ich möchte wütend sein. Ich möchte enttäuscht sein. Ich möchte weinen und ich möchte es schwer finden dürfen. Ich möchte auch mal in Selbstmitleid baden, ohne sofort wieder daneben zu stehen und zu beobachten, was da gerade in mir passiert. Ich kann es sowieso beobachten. Diese Fähigkeit geht nicht mehr weg. Aber heute möchte ich das alles einfach mal erleben. In den letzten Wochen ist unglaublich viel zusammengekommen. So viel Nichtkommunikation in meinem Umfeld. Menschen, mit denen Deals da sind, Absprachen da sind, Beziehungen da sind, und trotzdem habe ich immer wieder das Gefühl, dass niemand Verantwortung für seinen Teil übernimmt. Freundschaften verändern sich. Zusammenarbeit verändert sich. Selbst geschäftliche Dinge fühlen sich teilweise wahnsinnig herausfordernd an, weil jeder sein eigenes Süppchen kocht und Verantwortung irgendwie immer weitergeschoben wird. Und parallel trage ich seit ungefähr 15 Monaten einen Prozess, über den ich hier noch nie geschrieben habe. Einen Prozess, der mich körperlich und emotional an Grenzen gebracht hat, von denen ich vorher nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Ich bin müde. Ich bin so fucking müde. Ich war in meinem Leben noch nie so erschöpft wie in den letzten anderthalb Jahren. Vielleicht sogar in den letzten sieben Jahren. Und manchmal kommt dann einfach diese Frage hoch: Wer hält eigentlich mich? Wer gibt mir einmal Sicherheit? Wer übernimmt einfach seinen Teil, damit ich für einen Moment nicht alles mittragen muss? Und gleichzeitig weiß ich, dass ich keine Wahl habe. Ich folge meiner Korrektheit, respektive meiner Mechanik. Ich gehe weiter. Ich beobachte trotzdem. Ich merke trotzdem, was passiert. Und gerade merke ich, dass meine Wahrnehmung sich verändert hat. Dieser Prozess der letzten anderthalb Jahre hat mir eine wahnsinnig präzise Wahrnehmung geschenkt. Teilweise macht mir das Angst. Vor ein paar Tagen hatte ich zum ersten Mal ganz deutlich das Gefühl, dass diese Wahrnehmung sich erweitert. Dass sie sich nicht mehr nur auf diesen einen Prozess bezieht, sondern dass ich Dinge auch bei anderen Menschen anders oder präziser wahrnehme. Und da war plötzlich dieses: Oh mein Gott, was passiert hier eigentlich mit mir? Ich habe dafür bis heute keine richtigen Worte. Ich weiß nicht, wohin sich das entwickelt. Ich sehe einfach, dass sich etwas verändert. Vielleicht ist das auch ein Teil von dem Frequenzwechsel, über den ich immer wieder spreche. Ich weiß es nicht. Ich hatte vor ein paar Tagen zum ersten Mal auf einen Schlag diese Wahrnehmung: Okay, vielleicht ist das genau das. Vielleicht verändert sich etwas so grundlegend, dass ich Menschen, Situationen, Verantwortung, Kommunikation und Dynamiken inzwischen viel schneller sehe. Und ehrlich gesagt macht mir das teilweise überhaupt keinen Spaß. Präzise Wahrnehmung klingt immer so wahnsinnig schön, bis man anfängt Dinge zu sehen, die man vielleicht gar nicht sehen möchte. Bis man merkt, wie viel Nichtkommunikation da ist. Wie viel Verantwortung nicht übernommen wird. Wie viele Menschen sich persönlich angegriffen fühlen, obwohl es eigentlich nur darum geht, dass jeder seinen Teil trägt. Und dann sitze ich da und denke mir: Ich möchte das gerade nicht Human Design technisch auseinandernehmen. Ich möchte keine Zentren analysieren, keine Linien, keine Konditionierung, keine Mechanik. Ich nehme einfach wahr, was passiert. Das reicht mir gerade völlig. Und vielleicht gehört genau das genauso zu meinem Experiment. Dass ich nicht jeden Tag die perfekte Beobachterin bin. Dass ich nicht jeden Tag über allem schwebe und sage: Ah, interessant, da ist gerade Wut. Heute bin ich wütend. Heute bin ich enttäuscht. Heute bin ich traurig. Heute ist es mir teilweise zu viel. Heute frage ich mich, wer mich eigentlich hält. Heute finde ich das alles fucking anstrengend. Und morgen kann ich wieder beobachten. Oder übermorgen. Mein Experiment läuft trotzdem weiter. Meine Mechanik läuft trotzdem weiter. Ich muss nicht jeden einzelnen Moment perfekt machen. Es darf Tage geben, an denen alles nebeneinandersteht und ich einfach nur mitten drin bin. Vielleicht ist genau das heute mein Experiment. In Liebe,  Rita

Wie spricht die Bauchstimme? Reagieren als Generator im Human Design

Die Bauchstimme klingt im Human Design erstmal so einfach. Generatoren reagieren. Der sakrale Motor springt an oder eben nicht. Und dann sitzt man da und denkt sich irgendwann: Ja super, aber wie spricht diese Bauchstimme eigentlich? Muss da immer ein lautes „Mhm“ oder „Naa“ kommen? Muss ich etwas im Bauch spüren? Und woher weiß ich überhaupt, ob das gerade wirklich meine sakrale Reaktion ist? Ich mag für das Reagieren inzwischen den englischen Begriff Response fast lieber, weil er für mich besser beschreibt, worum es geht. Da kommt etwas aus dem Leben auf mich zu und der Körper antwortet darauf. Man kann sich das fast wie eine Wünschelrute oder einen kleinen Peilsender vorstellen. Irgendetwas taucht auf und plötzlich geht etwas an. Da ist ein Zug hin, ein körperliches Ja, ein Geräusch, manchmal einfach nur dieses ganz klare Anspringen von Energie. Und genauso kann einfach gar nichts passieren. Auch das gehört dazu. Der Generator muss nicht permanent auf irgendetwas reagieren. Es gibt Zeiten, da ist schlicht nichts dran. Das Sakralzentrum ist kein Bewusstseinszentrum, das dir erklärt, warum etwas gut oder schlecht für dich ist. Es ist mechanisch. Es geht an oder es geht nicht an. Und genau deshalb kann diese sakrale Bauchstimme so ungewohnt sein, wenn man sein ganzes Leben gelernt hat, Entscheidungen im Kopf zu treffen. Gerade wenn die Bauchstimme lange verschüttet war, braucht es manchmal überhaupt erstmal Zeit, diese kleinen Unterschiede wieder wahrzunehmen. Bei dem einen kommt ein deutliches Geräusch, beim anderen verändert sich der ganze Körper, wieder jemand anderes merkt erst im Nachhinein: Ah, da war es. Es gibt da kein Schema F, das für jeden Generator gleich aussieht. Was dabei ziemlich schnell mit auf den Tisch kommt, sind unsere ganzen Schutzstrategien und Konditionierungen. Wir haben ja nicht nur diese wunderschöne sakrale Reaktion in uns und gehen dann fröhlich durchs Leben. Da läuft gleichzeitig ein Verstand, der beobachtet, vergleicht, bewertet und ungefähr 27 Gründe dafür findet, warum man jetzt trotzdem etwas tun sollte. Man muss nett sein. Man sollte das jetzt machen. Man darf niemanden enttäuschen. Man muss sich beweisen. Vielleicht sollte ich einfach mehr tun. Und schon sind wir wieder irgendwo unterwegs, wo der Körper eigentlich gar nicht angesprungen ist. Genau deshalb ist Strategie & Autorität im Alltag für mich ein Experiment und kein Ding, das man einmal verstanden hat und dann perfekt kann. Ich beobachte. Ich merke irgendwann: Ah okay, da war mein Verstand wieder schneller. Oder ich sehe, dass eine Entscheidung aus einem Schutzmuster entstanden ist. Und beim nächsten Mal sehe ich es vielleicht ein bisschen früher. Es darf auch nebeneinanderstehen. Niemand muss Profi in seiner Autorität sein. Selbst nach Jahren im Experiment gibt es Situationen, in denen alte Muster schneller sind. Die Wahrnehmung wird einfach feiner. Gerade bei Generatoren finde ich es spannend, wie deutlich man teilweise sieht, wenn der Körper eigentlich schon geantwortet hat und das Leben danach trotzdem in eine andere Richtung läuft. Da kommt dieses tiefe körperliche Nein, manchmal geht wirklich der ganze Körper mit, und gleichzeitig fängt der Kopf schon an, darüber hinwegzureden. Oder es kommt ein Ja, und mit diesem Ja plötzlich auch Energie. Genau das ist für mich dieser sakrale Motor. Wenn er mit dabei ist, steht für das, worauf reagiert wurde, auch Energie zur Verfügung. Das heißt übrigens nicht, dass alles plötzlich leicht und ein Ponyhof wird. Auf einem Ponyhof gibt es schließlich auch ordentlich Arbeit. Ein Generator kann auf etwas reagieren, ein klares Ja haben und danach trotzdem richtig viel zu tun bekommen. Der Unterschied zeigt sich in der Energie dafür. Wenn der Motor an ist, kann viel Arbeit da sein und gleichzeitig steht die Kraft zur Verfügung, damit umzugehen. Am Abend kann daraus dieses richtig schöne, befriedigte Erschöpftsein entstehen: Energie verbraucht, Tag gelebt, Akku leer, jetzt darf er nachts wieder an die Steckdose. Und auch hier wird es individuell. Manche Generatoren sind zyklisch angelegt und wissen, dass sie mit einem Ja in etwas hineingehen, das einen Anfang, eine Mitte und ein Ende hat. Andere reagieren sehr unmittelbar und sind gefühlt schon mitten in der Handlung, bevor der Verstand überhaupt verstanden hat, was gerade passiert ist. Bei emotional definierten Generatoren kommt noch eine weitere Ebene dazu. Auch sie reagieren auf das Leben und haben diese sakrale Response. Die endgültige Entscheidung bekommt Zeit. Die emotionale Welle darf sich bewegen, bis Klarheit da ist. Ein erstes Ja kann da sein und trotzdem muss niemand sofort losrennen. Genau das finde ich an Human Design so schön: Die Mechanik ist präzise und gleichzeitig wird sie bei jedem Menschen anders aussehen. Der Verstand kann sich nicht ausmalen, woher korrekte Entscheidungen kommen, und er kann auch nicht vorhersagen, wie die eigene Körperintelligenz sich nach einigen Jahren Experiment anfühlen wird. Man erfährt es. Und genau deshalb lässt sich Reagieren auch wunderbar im Alltag beobachten. Dafür braucht es nicht sofort die Entscheidung über den neuen Job, die große Beziehung oder den Umzug ans andere Ende der Welt. Man kann morgens den Kleiderschrank aufmachen und gucken, worauf der Körper reagiert. Man kann den Kühlschrank öffnen und beobachten, worauf die Bauchstimme anspringt. Man kann sich Ja-Nein-Fragen stellen lassen und erstmal nur hören, was aus einem rauskommt. Vielleicht ist es ein Mhm, vielleicht ein Naa, vielleicht wird der Körper lebendig, vielleicht bleibt alles ruhig. Und dann wird es spannend, einfach einmal zu beobachten, was danach passiert. War Energie da? Wie hat sich der Tag angefühlt? War am Abend Befriedigung da oder Frust? Wo habe ich aus einer Reaktion gehandelt und wo aus einem „Ich sollte“? Genau so wird aus Human Design irgendwann etwas, das nicht mehr nur auf einem Chart steht. Die eigene Reaktion wird vertrauter. Man hört sich selbst besser. Man erkennt auch schneller die Momente, in denen man sich wieder übergeht. Und irgendwann wird aus diesem theoretischen Satz „Generatoren reagieren auf das Leben“ etwas ganz Konkretes. Der Körper antwortet. Manchmal laut, manchmal ziemlich leise, manchmal sofort und manchmal lange gar nicht. Die eigentliche Aufgabe ist für mich, überhaupt wieder zuzuhören. Du möchtest das Thema lieber hören? In Episode #36 von Human Design Leben spreche ich gemeinsam mit Lena ganz

Human Design Konditionierung – was bedeutet Dekonditionierung wirklich?

Konditionierung wird im Human Design häufig in einem eher negativen Kontext gesehen. Wir wollen dekonditionieren, unsere Konditionierungen loswerden und authentischer werden. Für mich ist Konditionierung an sich erst einmal etwas vollkommen Natürliches. Wir werden unser ganzes Leben konditioniert und wir brauchen Konditionierung auch. Entscheidend ist, ob eine Konditionierung für uns korrekt ist und zu unserem Leben gehört. Denn was für einen Menschen korrekt ist, kann für einen anderen überhaupt nicht passen. Wenn wir unser Human Design Experiment beginnen und Strategie und Autorität leben, beginnt genau dort auch der Dekonditionierungsprozess. Wir treffen nach und nach Entscheidungen aus unserer eigenen Körperintelligenz und lassen dadurch Dinge, Menschen, Situationen und Muster hinter uns, die nicht zu uns gehören. Gleichzeitig kommen andere Menschen, andere Erfahrungen und andere Lebenssituationen in unser Feld und konditionieren uns wiederum. Genau deshalb ist Strategie und Autorität für mich die Grundlage von allem. In Strategie & Autorität im Alltag habe ich ausführlicher darüber geschrieben, wie sich diese Praxis im echten Leben entwickelt. Dekonditionierung ist für mich ein Prozess, der Zeit braucht. Konditionierungen sind über Jahre und Jahrzehnte entstanden, teilweise begleiten sie uns seit unserer Kindheit. Unsere Eltern haben uns das mitgegeben, was sie selbst für richtig gehalten haben. Sie wiederum waren geprägt von ihrer eigenen Familie, ihrer Umgebung, ihrer Geschichte und davon, wie Dinge ihrer Meinung nach zu sein hatten. Dazu kommen Freunde, Beziehungen, Arbeitskollegen, Arbeit, Erfahrungen, Erlebnisse, tägliche Transite und die größeren Zyklen unseres Lebens. All das wirkt auf uns ein und all das hinterlässt etwas. Wie tief solche Konditionierungen bis in ganz alltägliche und körperliche Bereiche hineinreichen können, habe ich zum Beispiel in PHS: Warum Ernährung die tiefste Konditionierung ist beschrieben. Ich finde dabei immer wieder spannend, wie intelligent der Körper mit diesem Prozess umgeht. Wir leben in einer Zeit, in der sehr viel angeschaut, bearbeitet und optimiert werden soll. Gerade bei tieferen Erfahrungen entsteht schnell die Vorstellung, dass wir etwas bewusst hochholen und bearbeiten müssen. Meine Wahrnehmung in meinem eigenen Experiment ist, dass der Körper sein eigenes Timing hat. Bestimmte Themen tauchen auf, wenn wir überhaupt in der Lage sind, sie wahrzunehmen und damit umzugehen. Das kann sehr viel später sein. Es können nach vielen Jahren noch Dinge sichtbar werden, an die wir längst nicht mehr denken und die trotzdem unser Verhalten oder unsere Entscheidungen beeinflussen. Genau deshalb kann Dekonditionierung ein ganzes Leben dauern. Wir beobachten uns immer wieder in denselben Situationen und manchmal merken wir zum hundertsten oder millionsten Mal, dass der Verstand eine Entscheidung übernommen hat. Und irgendwann passiert an derselben Stelle etwas anderes. Der Körper wird deutlicher. Wir erkennen schneller, was gerade passiert. Manche tiefen Konditionierungen brauchen einfach länger, bis sie sich bewegen. Dazu kommen im Human Design die größeren Zyklen, die wiederum eigene Themen und Lernfelder mitbringen. Auch diese Konditionierungen gehören für mich zum Leben. Wenn wir über Strategie und Autorität korrekt in einen solchen Zyklus oder eine Erfahrung hineingehen, entsteht daraus etwas, das zu unserer Entwicklung und letztlich auch zu unserer Bestimmung gehört. Bestimmung ist für mich ohnehin etwas, das sich nur schwer mit dem Verstand greifen lässt. Ich kenne mein Inkarnationskreuz, habe mich in meiner Ausbildung intensiv mit Inkarnationskreuzen und Zyklen beschäftigt und finde dieses Wissen unglaublich spannend. Meine eigene Bestimmung kann ich trotzdem nicht einfach intellektuell erklären. Ich kann sie beobachten und wahrscheinlich irgendwann immer besser erkennen, wenn ich tatsächlich darin lebe. Genau deshalb brauche ich dieses Wissen für mein Experiment nicht zwingend. Strategie und Autorität reichen als Grundlage vollkommen aus. Darüber entscheide ich, welche Menschen in mein Leben kommen, welche Arbeit ich eingehe, mit welchen Erfahrungen ich interagiere und welche Konditionierungen ich überhaupt aufnehme. Daraus entsteht nach und nach mein ganz eigenes Leben. Nach inzwischen sechs Jahren in meinem Human Design Experiment konnte ich eine Veränderung besonders deutlich beobachten: Mein Verstand ist sehr viel leiser geworden und mein Körper sehr viel lauter. Mit lauter meine ich, dass ich ihn überhaupt viel besser höre und seine Sprache inzwischen viel deutlicher wahrnehme. Seine Signale haben mehr Kraft in meinem Leben und ich erkenne schneller, wenn mein Verstand versucht, etwas zu übernehmen. Natürlich passiert es mir weiterhin, dass ich Entscheidungen aus dem Verstand treffe. Gerade in Bereichen, in denen Konditionierung sehr tief sitzt, kann das immer wieder vorkommen. Für mich liegt genau darin ein großer Teil des Experiments: beobachten, wieder beobachten und irgendwann feststellen, dass sich etwas ganz grundlegend verändert hat. Bei mir gab es irgendwann diesen Moment, in dem ich gemerkt habe, dass wirklich ein großer Brocken Konditionierung weggegangen ist, der nicht zu mir gehört hat. Das konnte ich vorher nicht planen und wahrscheinlich hätte ich auch gar nicht benennen können, wie sich das später einmal anfühlen würde. Über diesen Weg und darüber, was sich in meinen ersten Jahren mit Human Design tatsächlich verändert hat, schreibe ich auch in Mein siebtes Dekonditionierungsjahr. Und genau deshalb finde ich Human Design Wissen weiterhin mega. Man kann sich mit Toren, Kanälen, Profilen, Variablen, Inkarnationskreuzen und Zyklen jahrelang beschäftigen. Das eigentliche Experiment entsteht für mich durch Strategie und Autorität und durch die vielen echten Entscheidungen im Alltag. Dort verändert sich mit der Zeit die Konditionierung. Dort wird der Körper hörbarer. Und irgendwann können wir rückblickend sehen, wie viel sich tatsächlich bewegt hat. Du möchtest das Thema lieber hören? In der dazugehörigen Folge von Human Design Leben spreche ich ausführlicher über Konditionierung, Dekonditionierung, Strategie und Autorität und darüber, was sich in meinen ersten sechs Jahren im eigenen Experiment verändert hat. → Podcastfolge auf Spotify anhören P.S. Wenn du dein Human Design nicht nur kennenlernen, sondern dein eigenes Experiment mit einer fundierten Grundlage beginnen möchtest, schauen wir in meiner Human Design Basisanalyse auf deinen Typ, deine Strategie und Autorität und darauf, wie du damit im Alltag wirklich arbeiten kannst. → Mehr zur Human Design Basisanalyse

Warum essen wir manchmal gegen unseren Körper? Ernährungskonditionierung im Human Design

Ernährung gehört zu den Bereichen, in denen Konditionierung unglaublich früh beginnt. Wir wachsen mit bestimmten Lebensmitteln, Gewohnheiten und Vorstellungen darüber auf, was gesund ist, was auf den Teller gehört und wovon ein Körper wie viel braucht. Dazu kommt die Ernährung unserer Eltern, später die unserer Partner, Kinder oder anderer Menschen, mit denen wir viel Zeit verbringen. Im Human Design können wir zusätzlich beobachten, dass bestimmte Aktivierungen im Chart Hinweise auf Themen wie schnellen Zucker, Fett, tierisches Eiweiß oder Fleisch geben können. Entscheidend bleibt trotzdem immer Strategie und Autorität, denn ein Chart sagt weder, wie viel ein Mensch davon braucht, noch ob etwas genau jetzt für seinen Körper korrekt ist. Bei Franziska wurde diese Konditionierung besonders deutlich beim Thema Fett. Sie lebt die Ernährungsstrategie Nummer 1, Appetit, inzwischen sehr konsequent und isst ihre Lebensmittel nacheinander. Trotzdem dauerte es noch einmal lange, bis ihr Körper ihr beim Fett immer deutlicher Rückmeldung gab. Franziska ist mit sehr fettreicher Ernährung aufgewachsen. Auch Menschen in ihrem unmittelbaren familiären Umfeld bringen innerhalb der Human-Design-Betrachtung entsprechende Aktivierungen mit. Butter, Sahne, Speck – viel Fett war für sie vollkommen normal. Erst als sich ihr gesamtes Leben verlangsamte und sie weniger über die Energie anderer Menschen funktionierte, wurde für sie deutlicher, dass ihr eigener Körper deutlich weniger davon möchte. Gerade deshalb finde ich Franziskas Experiment mit Human Design Ernährungsstrategie 1: Appetit so interessant. Die Ernährungsstrategie gibt einen Rahmen, beantwortet aber längst nicht jede Frage. Auch wenn sie ihre Lebensmittel korrekt nacheinander isst, muss ihr Körper immer noch unterscheiden können: Was davon möchte ich überhaupt? Welche Menge ist richtig? Was passt heute? Franziska beschreibt, dass ihr Körper auf größere Fettmengen inzwischen teilweise sehr deutlich reagiert. Gleichzeitig ist Fett etwas, das ihr schmeckt. Genau das macht die Konditionierung so spannend: Selbst eine Kognition oder eine starke Körperwahrnehmung muss sich erst wieder durch Schichten hindurch ausdifferenzieren, wenn etwas über Jahrzehnte tief eingeprägt wurde. Bei mir gab es ein sehr ähnliches Thema. Schon lange vor meinem Human Design Experiment hatte ich wahrgenommen, dass Fett für meinen Körper sehr dicht ist und dass ich damit schwer aufhören kann. Erst viel später habe ich verstanden, wie stark auch meine eigene Kindheit dabei hineinspielt. Beide Eltern hatten innerhalb dieser Betrachtung einen starken Bezug zum Thema Fett. Während einer Reise mit zwei Generatoren, bei denen dieses Thema ebenfalls präsent war, konnte ich beobachten, wie schnell meine alte Konditionierung wieder ansprang. Plötzlich war der Zug zu fettreichen Lebensmitteln wieder sehr viel stärker. Für mich war das vor allem interessant, weil ich inzwischen danebenstehen und beobachten konnte: Ah, okay. Da ist dieses alte Muster wieder. Genau darin liegt für mich ein großer Teil von Dekonditionierung. Es geht nicht darum, sich dafür fertigzumachen, dass ein altes Muster wieder auftaucht. Man kann beobachten, wie es aktiviert wird, was der Verstand daraus macht und wie der Körper anschließend reagiert. Manchmal konnte ich bei mir bleiben, manchmal bin ich vollständig in die alte Dynamik hineingegangen. Auch das gehört zum Experiment. Gerade Ernährung kann sehr tief konditioniert sein. Je länger ich beobachte, desto deutlicher wird die Übersetzung meines Körpers. Dinge, die früher kaum auseinanderzuhalten waren, werden irgendwann ziemlich eindeutig. Spannend wurde für mich dabei auch meine Kognition Berührung. Fettige Lebensmittel anzufassen, mochte ich eigentlich schon immer nicht besonders. Butter an den Fingern, Fett auf der Haut oder bestimmte tierische Lebensmittel wollte ich sofort wieder abwaschen. Lange habe ich darüber hinweggegangen: Dann benutzt man eben Messer und Gabel. Erst später habe ich angefangen, diese Wahrnehmung überhaupt ernst zu nehmen. Genau solche kleinen Signale zeigen für mich, wie viel Information der Körper längst liefert, während der Verstand noch versucht, alles logisch zu erklären oder passend zu machen. Beim Zucker kam noch einmal eine ganz andere Schicht dazu. In meinem Chart gibt es eine Aktivierung, die ich innerhalb des Human-Design-Systems mit schnellem Zucker in Verbindung bringe. Lange hatte ich diese Information kaum auf dem Schirm. Gleichzeitig konnte ich beobachten, dass mein Essen für mich wesentlich stabiler wird, wenn ich ausreichend Früchte, Datteln, Smoothies oder Fruchtsaft zu mir nehme. Wenn dieser schnelle Zucker fehlt, entsteht bei mir leichter der Zug zu anderen Lebensmitteln – unter anderem genau zu dem Fett, bei dem ich so stark konditioniert bin. Der entscheidende Punkt war für mich, dass diese Beobachtung zuerst aus meinem Experiment kam. Erst danach fiel mir wieder ein, dass ich genau dazu eine entsprechende Aktivierung im Chart habe. Und auch daraus sollte niemals ein neues Ernährungskonzept entstehen. Eine Aktivierung im Chart bedeutet nicht: Jetzt brauche ich jeden Tag eine bestimmte Menge Zucker. Ebenso wenig bedeutet eine Fettaktivierung, dass jemand einfach möglichst viel Fett essen sollte. Der Körper entscheidet im Hier und Jetzt. Genau deshalb ist Human Design Ernährung mit Strategie und Autorität für mich die Grundlage. Das Wissen kann eine Richtung zeigen, in der wir beobachten können. Die konkrete Umsetzung entsteht über den eigenen Körper. Gerade beim schnellen Zucker gibt es für mich außerdem noch eine weitere Unterscheidung. Braucht mein Körper gerade tatsächlich Zucker – oder benutze ich Essen, um über Erschöpfung hinwegzugehen? Als Projektorin kenne ich diese Situation gut. Der Körper ist eigentlich fertig, der Tag wäre zu Ende, und der schnelle Energieschub über Essen könnte dafür sorgen, dass ich trotzdem noch ein paar Stunden weitermache. Auch da entsteht die Antwort nicht über eine Regel. Ich muss beobachten, was gerade wirklich passiert. Manchmal ist der Zucker korrekt. Manchmal wäre die eigentliche Information: Rita, der Tag ist vorbei. Genau deshalb kann auch ein Ernährungskonzept für eine bestimmte Phase durchaus korrekt sein. Vielleicht zieht es jemanden eine Zeit lang zu veganer Ernährung, zu bestimmten Lebensmitteln oder dazu, etwas vollständig wegzulassen. Der Körper kann genau diese Phase brauchen. Später kann sich das wieder verändern. Schwierig wird es dort, wo der Verstand daraus eine dauerhafte Identität oder eine starre Regel baut. Human Design gibt für mich keine fertige Speisekarte vor. Es zeigt Stellen, an denen wir genauer beobachten können. Und manchmal ist der Körper noch gar nicht bereit, etwas loszulassen. Franziska beschreibt rückblickend, dass die sehr energiereiche Ernährung möglicherweise genau zu einer Zeit in ihr Leben passte, in der sie noch ein enormes Pensum getragen und

Was passiert, wenn du mit einem passiven Körper wie ein aktiver Körper lebst?

Wir leben in einer Welt voller Körperbilder. Schlank, drahtig, muskulös, straff, trainiert – je nach Zeit verändert sich das Ideal, aber irgendein Ideal gibt es fast immer. Und gerade durch Social Media wird dieser Vergleich noch einmal enorm verstärkt. Du siehst einen Körper und fragst dich: Warum sehe ich nicht so aus? Warum funktioniert dieses Training bei mir nicht? Warum brauche ich mehr Ruhe? Warum reagiert mein Körper anders? Im Human Design eröffnet der Unterschied zwischen aktivem und passivem Körper eine ganz andere Perspektive auf genau diese Fragen. Ein passiver Körper funktioniert anders als ein aktiver Körper. Und damit beginnt für mich auch hier wieder das eigentliche Human Design Experiment: weg vom Vergleich und hin zur Beobachtung des eigenen Körpers. Ich selbst habe einen passiven Körper und habe lange versucht, ihn nach Vorstellungen zu behandeln, die gar nicht zu ihm passen. Gleichzeitig habe ich über die Jahre sehr viel beobachtet – bei mir und bei anderen Menschen. Gerade beim Thema Sport sehe ich häufig, wie stark Menschen aus Konzepten heraus trainieren: Was sollte man machen? Wie oft sollte man trainieren? Welche Sportart formt den Körper am besten? Welche Bewegung gilt gerade als gesund oder optimal? Dabei sagt ein passiver Körper überhaupt nicht automatisch: keine Bewegung. Es gibt keinen Trainingsplan für alle passiven Körper. Ein manifestierender Generator mit passivem Körper kann vollkommen anders unterwegs sein als eine Projektorin mit offenem Sakral und passivem Körper. Mein Bruder ist dafür ein gutes Beispiel. Er ist manifestierender Generator, viermal rechts und hat einen passiven Körper. Gleichzeitig bringt sein gesamtes Design viel Energie und Bewegung mit. Beruflich läuft er teilweise acht oder neun Stunden am Tag und fährt anschließend mit dem Fahrrad nach Hause. Für seinen Körper kann das vollkommen passen. Ich bin Projektorin mit offenem Sakral und passivem Körper. Bei mir sieht dieselbe Variable völlig anders aus. Ich brauche sehr viel mehr Ruhe und nehme inzwischen ziemlich schnell wahr, wenn körperlich etwas zu viel wird. Genau deshalb bleibt Strategie und Autorität wichtiger als jede allgemeine Aussage darüber, wie ein passiver Körper leben sollte. Früher hatte ich diese Wahrnehmung noch nicht. Ich hatte 15 Jahre einen Hund und bin in dieser Zeit wahrscheinlich sehr viel mehr gelaufen, als mein Körper tatsächlich tragen wollte. Auch Bewegung und Sport waren lange mit Vorstellungen darüber verbunden, was man eben tun sollte. Heute frage ich nicht mehr: Was steht auf meinem Trainingsplan? Ich beobachte meinen Körper von Tag zu Tag. Möchte ich Yoga machen? Möchte ich spazieren gehen? Möchte ich eine halbe Stunde wandern? Braucht mein Körper Ruhe? Dann lege ich mich hin. Für mich ist das mittlerweile sehr viel präziser als jedes Programm, das mir vorgibt, dreimal pro Woche eine bestimmte Leistung zu erbringen. Ein schönes Beispiel dafür ist Yin Yoga. Vor etwa anderthalb Jahren war mein Körper unglaublich stark damit in Resonanz. Schon nach den ersten Wochen hatte ich die Wahrnehmung: Das wollte mein Körper wahrscheinlich schon sehr lange. Ich konnte beobachten, wie er sich öffnete und wie gut mir diese sehr ruhige Form der Bewegung tat. Mein Verstand machte daraus natürlich sofort eine Zukunftsgeschichte: Super, dann machen wir jetzt für immer Yin Yoga. Einige Zeit später begann mein Körper allerdings etwas völlig anderes zu verlangen. Noch mehr Öffnung und noch mehr Passivität passten plötzlich nicht mehr. Ich nahm einen deutlichen Zug hin zu aktiverem Yoga und mehr Spannung wahr. Genau daran sieht man für mich, warum auch „passiver Körper“ nie zu einem neuen starren Konzept werden darf. Dasselbe gilt für Ernährung. Ein passiver Körper kann weniger Input brauchen, aber „weniger“ lässt sich nicht in eine allgemeine Kalorientabelle übersetzen. Mein Bedarf verändert sich. Es gibt Tage, an denen mein Körper mehr Nahrung möchte, und Tage, an denen er deutlich weniger verlangt. Auch hier entscheidet nicht die Variable allein. Typ, Energie, Alltag und das gesamte Design spielen mit hinein. Je länger ich meinen Körper beobachte, desto deutlicher nehme ich wahr, wann Nahrung tatsächlich gefragt ist und wann mein Verstand lediglich ein Konzept abarbeitet. Gerade deshalb finde ich auch Human Design Ernährung mit Strategie und Autorität so wichtig: Aus PHS sollte nicht das nächste Regelwerk darüber werden, wie viel oder was ein Körper essen muss. Social Media war für mich in diesem Zusammenhang ebenfalls ein riesiger Faktor. Seit ich dort kaum noch unterwegs bin, nehme ich den Unterschied sehr deutlich wahr. Sobald ich wieder länger durch Inhalte scrolle, wird mein Verstand lauter. Vielleicht müsste ich dies noch tun. Vielleicht sollte ich so trainieren. Vielleicht wäre dieses Ernährungskonzept besser. Gerade Körper- und Schönheitsideale können dadurch sehr schnell wieder zum äußeren Maßstab werden. Für mich war deshalb irgendwann spannend zu beobachten: Was bleibt eigentlich übrig, wenn diese ganze Lautstärke von außen einmal wegfällt? Welche Bewegung möchte mein Körper wirklich? Wie möchte ich tatsächlich essen? Wie viel Ruhe brauche ich? Der schmerzhafte Teil beginnt dort, wo ein passiver Körper über Jahre wie ein aktiver behandelt wird. Dann kann ein Hamsterrad entstehen: härter trainieren, Essen stärker kontrollieren, sich mit anderen vergleichen und sich gleichzeitig fragen, warum der eigene Körper trotzdem anders reagiert. Ich kenne diese Gedanken selbst. Warum bin ich keine Sportmaus? Warum sieht mein Körper nicht so aus? Warum brauche ich andere Bewegung? Und irgendwann entsteht daraus vielleicht die Vorstellung, man sei undiszipliniert oder müsse einfach noch mehr machen. Für mich wurde es erst entspannter, als ich aufgehört habe, permanent gegen meinen Körper zu arbeiten und begonnen habe, seine eigene Mechanik ernst zu nehmen. Interessanterweise hat sich dadurch auch meine Beziehung zu meinem Körper verändert. Je mehr ich Strategie und Autorität gelebt habe, desto mehr hat sich mein Körper für mich ausdifferenziert. Heute sehe ich ihn anders als früher. Ich weiß, dass er nicht wie ein aktiver, drahtiger Körper aussehen muss. Ich nehme wahr, dass er besser funktioniert, wenn ich ihm tatsächlich folge. Und genau daraus ist für mich etwas entstanden, das viel tiefer geht als klassische Selbstoptimierung. Man sieht irgendwann den eigenen Körper. Man sieht die eigene Energie. Man erkennt, dass Anderssein kein Fehler ist. Gerade deshalb finde ich ständige Selbstoptimierung in diesem Zusammenhang so interessant. Wenn wir versuchen, einen Körper in ein allgemeines Ideal hineinzutrainieren,

Human Design als Brille: Wie aus Wissen gelebte Körperintelligenz wird

Human Design kann unglaublich viel erklären. Gleichzeitig beginnt das eigentliche Experiment erst dort, wo das Wissen langsam aus dem Kopf in den Alltag wandert. Genau darüber habe ich mit Jana gesprochen. Sie ist 4/6-Projektorin mit Milzautorität und seit ungefähr sechs Jahren in ihrem Experiment. Was ich an ihrem Weg so spannend finde: Human Design ist heute weiterhin ein Teil ihres Lebens, aber längst nicht mehr die einzige Brille, durch die sie sich selbst betrachtet. Sie hat andere Zugänge dazugenommen, ihre Wahrnehmung immer weiter geschult und dadurch einen sehr eigenen Weg gefunden. Genau das ist für mich gelebtes Human Design Experiment: Das Wissen gibt einen präzisen Ausgangspunkt und danach beginnt das Beobachten. Als Jana ihre erste Basisanalyse bekam, arbeitete sie unglaublich viel. Drei Jobs, viele Stunden und immer wieder diese Erschöpfung. Als im Reading das Projektor-Thema Arbeit und Energie angesprochen wurde, traf das bei ihr sofort etwas. Ähnlich war es mit der Einladung. Plötzlich gab es eine Erklärung für Situationen, in denen sie sehr viel gegeben hatte und trotzdem das Erleben hatte, nicht wirklich gefragt oder gesehen worden zu sein. Diese Erkenntnisse gingen bei ihr so tief, dass sie während und nach der Analyse viel geweint hat. Das Wissen hatte etwas angestoßen, was längst da gewesen war. Trotzdem bedeutete das natürlich nicht, dass sie am nächsten Morgen einfach „korrekt“ als Projektorin gelebt hat. Der Einstieg war zunächst ziemlich mental: Okay, ich bin Projektorin, also warte ich jetzt auf Einladungen. Erst über das Ausprobieren wurde daraus langsam eine eigene Erfahrung. Als Physiotherapeutin begann Jana beispielsweise damit, Patienten nicht automatisch mit einem Gespräch abzuholen. Sie ging in den Wartebereich, lächelte, nickte oder machte eine kleine Geste und beobachtete, was passiert, wenn sie das Gespräch einmal nicht selbst eröffnet. Oder sie hatte eine Idee und brachte sie nicht sofort ein, sondern wartete einen Moment und schaute: Ist mein Gegenüber überhaupt aufnahmefähig? Genau aus solchen kleinen Alltagssituationen wird aus Theorie irgendwann tatsächliche Wahrnehmung. Die Projektor-Strategie mit der Einladung wurde für Jana mit der Zeit allerdings sehr viel größer als nur eine Methode für berufliche Situationen. Sie begann wahrzunehmen: Bin ich hier wirklich gefragt? Bin ich mit dem, was ich tatsächlich mitbringe, erwünscht? Gerade in ihrer Herkunftsfamilie war diese Erkenntnis schmerzhaft. Es gab Rollen – Tochter, Schwester, Tante – und gleichzeitig nahm Jana immer deutlicher wahr, dass das, was sie als Mensch wirklich mitbringt, dort teilweise gar nicht gefragt war. Für sie entstand daraus die Erlaubnis, Beziehungen anders zu betrachten. Familie muss nicht automatisch bedeuten, dass alles passt. Manchmal kann genau das Anerkennen dieser fehlenden Resonanz ein wichtiger Teil des eigenen Weges sein. Auch ihre Milzautorität war anfangs kaum greifbar. Jana beschreibt keine spektakulären Körperreaktionen und keine große Gänsehaut. Vieles ist ruhig und unspektakulär. Manchmal taucht einfach eine Information auf. Ein Gedanke wie: Frag kurz, ob das Brot schon mitgebracht wird. Wird dieser leise Impuls übergangen, liegen anschließend vielleicht zwei Brote zu Hause. Genau darin liegt für sie inzwischen ein Teil der Wahrnehmung ihrer Milzautorität im Human Design: Diese Information ist nicht aufregend. Sie argumentiert nicht und sie braucht keine lange Erklärung. Sie kann so unscheinbar sein, dass der Verstand sie im Alltag problemlos überhört. Und genau an diesem Punkt wird für mich Human Design als Brille so interessant. Es gibt einen Namen für diese Mechanik und damit einen Ort, an dem man anfangen kann hinzuschauen. Trotzdem muss nicht jeder Mensch ausschließlich mit dieser einen Brille arbeiten. Jana hat einen Teil der Human Design Grundausbildung gemacht und irgendwann wahrgenommen, dass sie dort nicht weitergehen möchte. Das Interesse ließ nach, die Live-Abende reizten sie nicht mehr und der ursprüngliche Plan, Analystin zu werden, verlor seine Energie. Human Design verschwand dadurch nicht aus ihrem Leben. Ihr Experiment lief weiter. Gleichzeitig kam ein anderer Zugang hinzu. Jana begann intensiv mit der Arbeit von Maria Sanchez zu experimentieren. Für sie wurde dieser Ansatz zu einer Möglichkeit, innere Zustände sehr genau auseinanderzuhalten und biografischen Mustern nachzugehen. Wenn im Alltag eine starke Reaktion auftaucht, bleibt sie heute nicht einfach bei „Ich bin wütend“ oder „Ich bin getriggert“. Sie kann häufig sehr präzise wahrnehmen: Da ist Scham. Da ist Angst. Da ist gleichzeitig Wut. Und vielleicht gehört ein Teil dieser Reaktion überhaupt nicht zur aktuellen Situation, sondern berührt eine ältere Erfahrung. Für Jana bedeutet diese Praxis, solchen inneren Anteilen Raum zu geben und genauer zu erkunden, woher sie kommen. Ich konnte über die Jahre beobachten, wie messerscharf ihre Wahrnehmung dadurch geworden ist. Sie kann einen Zustand teilweise in mehrere unterschiedliche Ebenen zerlegen und gleichzeitig danebenstehen und ihn beobachten. Genau deshalb finde ich ihren Weg so spannend: Human Design sagt uns, beobachte deinen Verstand, beobachte Konditionierung, folge Strategie und Autorität. Ein anderer Ansatz kann für einen Menschen genau dort zusätzliche Tiefe eröffnen. Es gibt nicht die eine Methode, die für jeden funktionieren muss. Entscheidend ist, was für den einzelnen Menschen tatsächlich korrekt ist und was ihn dabei unterstützt, sich selbst präziser wahrzunehmen. Wie sehr sich das im Alltag verändert hat, zeigt sich inzwischen in scheinbaren Kleinigkeiten. Jana erzählt von einem Termin im Küchenstudio. Früher hätte sie vielleicht etwas nicht verstanden und gedacht: Ach, ist nicht so wichtig. Heute sagt sie: Ich habe das nicht verstanden, erklär es mir bitte noch einmal. Als ihr vereinbarter Termin wegen eines anderen Paares verschoben werden sollte, ging sie ebenfalls nicht automatisch in die Anpassung. Ihr Partner wollte nicht warten und Jana nahm dasselbe Nein wahr. Also sagte sie klar, dass sie den vereinbarten Termin jetzt wahrnehmen möchten. Für jemanden, der stark zu People Pleasing und Harmonie neigt, sind solche kleinen Situationen enorm aussagekräftig. Durch die Human Design Brille kann man darin auch das offene Emotionszentrum erkennen: weniger automatische Harmonisierung, mehr Bereitschaft, eine mögliche Reaktion des Gegenübers stehen zu lassen. Genau darin liegt für mich die Vielseitigkeit eines echten Experiments. Das Chart ist nicht das Ziel. Human Design gibt eine präzise Orientierung: Typ, Strategie, Autorität, Konditionierungen, offene Zentren. Dann beginnt das Leben. Man beobachtet, probiert etwas aus, nimmt Widerstände wahr, erkennt alte Muster und entdeckt vielleicht irgendwann noch andere Werkzeuge, die den eigenen Prozess unterstützen. Manche bleiben ganz nah am Human Design, andere verbinden

Human Design 2027: Wenn Beziehungen, Authentizität und Entscheidungen sichtbarer werden

Im Human Design wird 2027 als ein größerer Frequenzwechsel beschrieben. Und je näher dieser Übergang rückt, desto stärker nehme ich wahr, dass bei vielen Menschen etwas in Bewegung kommt. Beziehungen werden überprüft, berufliche Konstellationen verändern sich, Menschen geraten an Grenzen und Themen rund um Authentizität werden deutlicher. Für mich wirkt diese Zeit manchmal fast wie Zeitlupe: Ich bin mitten in meinem eigenen Leben und kann gleichzeitig beobachten, was um mich herum passiert. Genau dabei ist für mich einer der wichtigsten Skills meines gesamten Experiments entstanden – wahrnehmen, ohne mich sofort mit allem zu identifizieren, was gerade auftaucht. Gerade Beziehungen stehen für mich dabei stark im Vordergrund. Passt diese Partnerschaft noch? Diese Freundschaft? Diese Arbeitsbeziehung? Bin ich noch in der Gemeinschaft, die wirklich zu mir gehört? Im Human Design verändert sich mit 2027 die Hintergrundfrequenz, die lange stark mit Gemeinschaft und Tribe verbunden war. Für mich macht das die Frage nach der eigenen Korrektheit noch relevanter. Wenn äußere Strukturen weniger selbstverständlich tragen, wird entscheidender, mit wem wir tatsächlich verbunden sind und welche Beziehungen aus der eigenen Mechanik heraus weitergehen. Ich beobachte deshalb gerade sehr deutlich, wie Menschen in Situationen geraten, in denen sie kaum noch an dem vorbeikommen, was bei ihnen wirklich stimmt. Dabei ist mir ein Punkt besonders wichtig: Strategie und Autorität bedeuten nicht, dass jede korrekte Entscheidung angenehm ist. Das echte Experiment ist kein dauerhafter Ponyhof. Eine Entscheidung kann herausfordernd sein, viel Energie verlangen und den Verstand komplett ausflippen lassen – und trotzdem korrekt sein. Manchmal führt genau eine solche Entscheidung in eine Erfahrung, die für den weiteren Weg notwendig ist. Der entscheidende Unterschied liegt für mich darin, was der Körper dazu sagt und wie sich der Weg anschließend entwickelt. Auch eine schwierige Phase kann gleichzeitig einen klaren Flow haben. Ich erlebe das gerade selbst sehr deutlich. Ich bin in ein großes Projekt gegangen, das mich stark fordert und mich zeitweise an mein früheres Leben erinnert. Mein Verstand fragt ständig: Ist das zu viel? Ist das wieder das alte Muster? Ist diese Entscheidung wirklich korrekt? Gleichzeitig bekomme ich von meiner Milz kein Nein. Sie bleibt neutral. Und solange dieses Nein nicht kommt, registriere ich, dass mein Körper weitergeht. Genau daran sehe ich wieder, wie begrenzt der Verstand ist. Er beurteilt Erschöpfung, Umfang und äußere Umstände. Der Körper arbeitet mit einer vollkommen anderen Information. Deshalb finde ich auch Widerstände nach einer Entscheidung so interessant. Widerstand ist ein wichtiger Marker, gleichzeitig muss er im Zusammenhang gelesen werden. Bin ich in einer schwierigen Situation gelandet, weil ich meinen Körper übergangen habe? Oder bin ich korrekt hineingegangen und das Leben führt mich gerade durch etwas, das mich auf eine nächste Ebene bringt? Diese Unterscheidung lässt sich nicht über eine mentale Checkliste treffen. Genau dafür braucht es die immer feinere Wahrnehmung der eigenen Mechanik. Je länger ich experimentiere, desto präziser kann ich erkennen, was wirklich aus dem Körper kommt und was mein Verstand daraus macht. Human Design ist für mich deshalb inzwischen vor allem eine Brille auf Körperintelligenz. Das Wissen ist hilfreich, weil unser Verstand irgendwo beginnen muss. Typ, Strategie, Autorität, Signatur, Zentren, Profile – all das gibt ihm einen Rahmen. Aber irgendwann muss das Wissen in den Hintergrund treten und Wahrnehmung übernehmen. Niemand muss Human Design „glauben“. Das Experiment zeigt, was im eigenen Leben trägt. Genau diese Fähigkeit zu beobachten, ohne sofort alles zu bewerten oder kontrollieren zu wollen, hat mir in den vergangenen Jahren unglaublich viel ermöglicht. Ich bin inzwischen im siebten Jahr meines eigenen Dekonditionierungsprozesses und kann rückblickend vieles anders einordnen als noch am Anfang. Gleichzeitig läuft seit mehr als einem Jahr ein sehr intensiver persönlicher Prozess rund um Beziehungen, Menschsein und Verbindung, für den ich bis heute kaum Sprache habe. Ich kann ihn beobachten und dokumentieren, aber ich kann noch nicht sagen, was daraus einmal entstehen wird. Gerade deshalb ist diese Zeit für mich so interessant. Ich sehe immer deutlicher, dass der Verstand sich nicht ausmalen kann, wohin ein korrekter Weg tatsächlich führt. Dasselbe habe ich bei korrekten Einladungen erlebt: Etwas kann komplett anders auftauchen, als mein Kopf es jemals geplant hätte. Vielleicht liegt genau darin für mich auch die Verbindung zu 2027. Wenn sich die Hintergrundfrequenz verändert, wird Individualität noch einmal anders relevant. Dann können wir Beziehungen weniger über alte Gemeinschaftsstrukturen zusammenhalten und müssen präziser wahrnehmen, was tatsächlich stimmt. Für mich bedeutet das keine Vorhersage darüber, wie Beziehungen künftig aussehen werden. Ich beobachte vielmehr, dass die Fragen bereits jetzt auftauchen: Was ist authentisch? Was gehört noch zu mir? Wo halte ich etwas aus Gewohnheit aufrecht? Wo führt der Körper längst in eine andere Richtung? Und genau deshalb wird für mich diese Übergangszeit immer stärker zu einer Einladung zur Beobachtung. Nicht alles sofort lösen. Nicht aus jeder Bewegung eine Geschichte machen. Wahrnehmen. Strategie und Autorität leben. Den Körper ernst nehmen. Auch Ernährung, Beziehungen und Arbeit immer wieder aus dieser Perspektive betrachten. Nichts bleibt dauerhaft, wie es ist. Vielleicht ist genau das gerade so deutlich sichtbar: Das Leben verändert sich ohnehin. Die spannende Frage ist, wie präzise wir wahrnehmen können, wohin unser eigener Körper innerhalb dieser Veränderung navigiert. Du möchtest das Thema lieber hören? In der Podcastfolge „#30 Die Bubble vor 2027 – Wenn nichts bleibt wie es ist“ spreche ich darüber, was ich in dieser Übergangszeit beobachte, warum Beziehungen und Authentizität gerade so stark in den Vordergrund rücken und welche Rolle Strategie, Autorität und Körperintelligenz für mich dabei spielen. → Podcastfolge auf Spotify anhören P.S. Wenn du deine eigene Strategie und Autorität besser verstehen und herausfinden möchtest, wie dein Körper dich durch Entscheidungen navigiert, schauen wir uns deine individuelle Mechanik in meiner Basisanalyse gemeinsam an. → Zur Basisanalyse

Human Design Ernährungsstrategie 5: Klang laut zwischen Geräusch, Schwingung und Außenschau

Bei der Human Design Ernährungsstrategie Nummer 5 geht es nicht mehr vorrangig darum, was gegessen wird, sondern um die Bedingungen, unter denen der Körper Nahrung aufnimmt. Cindy hat die aktive Variante der Fünf: Klang laut, Sound High. Geräusche und Frequenzen gehören damit zu ihrem Ernährungsexperiment. Als Cindy mit PHS begann, war ihre erste Idee ziemlich konsequent: Wenn Geräusch wichtig ist, dann sucht sie sich ein Lied aus und hört dieses einfach bei jeder Mahlzeit. Ihre Familie konnte dieses eine Lied irgendwann kaum noch hören. Erst über das Experiment wurde immer deutlicher, dass Klang laut keine starre Lautstärke und kein bestimmtes Geräusch bedeutet. Cindy muss jeweils wahrnehmen, welche Geräuschkulisse ihr Körper gerade braucht. Genau deshalb bleibt auch bei der Ernährung Strategie und Autorität die Grundlage. Bevor Cindy Human Design kannte, hatte sie bereits einiges mit Ernährung ausprobiert. Sie beschreibt starken Druck im Bauch und einen ausgeprägten Blähbauch und hatte wie viele Menschen verschiedene Diäten getestet. Wirklich weitergebracht hatte sie das nicht. Als sie etwa zwei Jahre nach ihrem Einstieg in Human Design mit PHS begann, entschied sie sich deshalb für eine begleitete Umsetzung. Gemeinsam mit ihrem Coach führte sie Protokoll und begann überhaupt erst einmal zu beobachten: Was passiert, wenn ich mit Geräuschen esse? Was verändert sich bei unterschiedlichen Lautstärken? Was ist angenehm und was stört meinen Körper? Heute kann das sehr unterschiedlich aussehen. Manchmal braucht Cindy deutlich wahrnehmbaren Sound, manchmal reicht etwas ganz Dezentes im Hintergrund. Ein Regenschauer kann passen, Musik, ein Hörbuch oder Geräusche beim Kochen. Interessant ist, dass diese Vorbereitung bei ihr teilweise schon vor der eigentlichen Mahlzeit beginnt. Wenn sie allein zu Hause ist, genießt sie normalerweise Ruhe. Sobald sie anfängt zu kochen, nimmt sie manchmal plötzlich wahr: Jetzt ist es mir zu still. Dann macht sie Musik oder ein Hörbuch an und bringt bereits während der Zubereitung Klang in die Umgebung. Die Geräusche dürfen sich sogar während einer Mahlzeit verändern. Cindy kann anfangen zu essen und irgendwann merken, dass es inzwischen zu laut oder zu aufdringlich geworden ist. Dann reguliert sie die Lautstärke wieder herunter. Dabei hat sie auch festgestellt, dass Kopfhörer für sie nicht dasselbe sind. Für Cindy geht es nicht einfach darum, etwas über die Ohren zu hören. Sie beschreibt die Erfahrung vielmehr als Schwingung, die sie mit dem ganzen Körper wahrnimmt. Deshalb funktioniert für sie ein Kopfhörer beim Essen nicht als Ersatz für Klang im Raum. Genau hier wird sichtbar, wie individuell diese Ernährungsstrategie werden kann. Der Ausgangspunkt lautet Klang laut. Was das für den einzelnen Körper konkret bedeutet, entsteht erst im Experiment. Das Gegenstück dazu ist Human Design Ernährungsstrategie 5 – Klang leise, bei der dieselbe fünfte Farbe mit einer völlig anderen Klangbedingung gelebt wird. Bei Cindy kommt außerdem die Außenschau als kognitives Potenzial hinzu. Sie braucht ihr Essen vor Augen. Eine Speisekarte ohne Bilder ist für sie deshalb viel schwieriger als ein Buffet oder der Blick auf die Teller anderer Gäste. Im Restaurant schaut sie häufig erst einmal, was dort tatsächlich serviert wird. Farben spielen eine große Rolle. Grün und Rot auf dem Teller sprechen sie beispielsweise stark an. Selbst zu Hause erlebt sie immer wieder, dass ihr Verstand schon entschieden hat, was sie essen könnte, sie dann den Kühlschrank öffnet und ihr Blick plötzlich auf etwas ganz anderes fällt. Genau dieses Lebensmittel wird in diesem Moment interessant. Auch beim Einkaufen kann das passieren: Ein Lebensmittel kann vollkommen in Ordnung sein und sie trotzdem optisch überhaupt nicht ansprechen. Dadurch wird auch deutlich, warum sich eine Ernährungsstrategie nie isoliert betrachten lässt. Cindy hat ein offenes Sakralzentrum und kennt das Thema, nicht zu wissen, wann genug genug ist. Ein Buffet ist für ihre Außenschau zunächst ideal, weil sie alles sehen und auswählen kann. Gleichzeitig kann die große Menge an verfügbarem Essen dazu führen, dass sie über den Punkt hinaus weiterisst, an dem ihr Körper bereits genug hat. Für sie funktioniert es deshalb besser, beispielsweise ein Brot fertig zuzubereiten, die Lebensmittel anschließend wegzuräumen und dann diese eine Mahlzeit zu essen. Wenn alles weiterhin vor ihr steht, wird die Wahrnehmung von „genug“ schwieriger. Auch darin zeigt sich, wie viele Ebenen des Designs gemeinsam in ein Ernährungsexperiment hineinspielen. Eine der wichtigsten Veränderungen beschreibt Cindy als die wiedergewonnene Verbindung zu ihrem Körper. Einige Monate nach Beginn ihres PHS-Coachings hatte sie während eines Reflektor-Retreats eine intensive Situation, in der sie sich vollständig zurückzog. Irgendwann begann sie Schritt für Schritt wahrzunehmen, was ihr Körper gerade brauchte: Die Kleidung war nass, ihr wurde kalt, also zog sie sich um und ging unter eine warme Dusche. Für Cindy war das ein Wendepunkt. Zum ersten Mal begann sie ihren Körper nicht mehr als etwas zu behandeln, das einfach funktionieren muss, sondern seine Rückmeldungen ernst zu nehmen. Dieses Wahrnehmen begleitet sie heute auch in ihrem Ernährungsexperiment. Auch ihr früheres Bauchthema hat sich nach ihrer eigenen Beobachtung deutlich verändert. Kleidung über dem Bauch, die früher unangenehm gewesen wäre, kann sie heute wieder tragen. Besonders deutlich merkt sie den Unterschied, wenn sie gegen ihre wahrgenommenen Bedingungen isst. In der Anfangszeit war sie beispielsweise bei einer Freundin zu Besuch, nahm bereits wahr, dass die Geräuschkulisse für sie nicht passte, wollte das angebotene Essen aber aus Höflichkeit nicht ablehnen. Danach bekam sie starke Magenkrämpfe. Solche Erlebnisse haben ihr geholfen, die Rückmeldungen ihres Körpers immer genauer einzuordnen und ihre Klangbedingungen konsequenter zu berücksichtigen. Mittlerweile berücksichtigt Cindy noch weitere Faktoren. Wenn sie emotional stark aufgewühlt ist, beispielsweise nach einem Konflikt oder einer belastenden Nachricht, wartet sie nach Möglichkeit mit dem Essen. Auch wenn Klang und Optik eigentlich passen, nimmt sie wahr, dass Essen in solchen Momenten ihren Magen belasten kann. Genau solche Erfahrungen zeigen, warum eine PHS-Information allein nicht ausreicht. „Ich brauche Geräusche beim Essen“ ist nur der Anfang. Erst durch Beobachtung wird sichtbar, was der Körper in unterschiedlichen Situationen tatsächlich braucht. Für Cindy war die Ernährungsstrategie gerade als Reflektorin ein wichtiger Baustein ihres Human Design Experiments. Die klassische Information über den Mondzyklus half ihr im Alltag zunächst nur begrenzt weiter. Über PHS, Außenschau und die zunehmende Wahrnehmung ihres Körpers bekam sie sehr viel konkretere Orientierung für alltägliche Situationen. Das ergänzt