Das offene oder undefinierte Emotionszentrum ist für mich eines der spannendsten Zentren überhaupt, weil Emotionalität unglaublich laut werden kann. Franziska und ich haben beide einen undefinierten Solarplexus und genau darüber haben wir in unserem Podcast „Human Design Leben“ gesprochen. Auslöser für die Folge waren damals sehr starke emotionale Transite, bei denen wir beide noch einmal besonders beobachten konnten, was eigentlich passiert, wenn Emotionalität ins Feld kommt. Bei mir ist das sowieso ein Riesenthema, weil ich viele hängende Tore in meinem offenen Solarplexus habe und dadurch sehr häufig emotional angeschlossen bin. Ich kenne Emotionalität also schon mein ganzes Leben. Gleichzeitig ist das offene Emotionszentrum bei mir in der Hierarchie der offenen Zentren sehr weit oben und damit ein Bereich, in dem mein Nichtselbst sehr schnell anspringt.

Der Solarplexus ist im Human Design ein Bewusstseinszentrum und gleichzeitig ein Motor. Wenn dort Emotionalität richtig laut wird, kann das unglaublich viel Power haben. Gerade mit einem offenen Emotionszentrum kann es dann passieren, dass man kaum noch klar wahrnimmt, was eigentlich die eigene Autorität sagt. Franziska und ich haben beide eine definierte Milz und kennen dieses Phänomen sehr gut: Da ist eigentlich diese kleine, nüchterne Körperstimme und gleichzeitig rauscht eine riesige emotionale Welle durch den Körper. Genau deshalb finde ich es so wichtig, diese Dynamik überhaupt erst einmal beobachten zu lernen.

Spannend ist auch, dass emotional offene Menschen häufig sehr emotional wirken können, während emotional definierte Menschen manchmal sagen: So emotional bin ich doch gar nicht. Der definierte Mensch lebt mit seiner Emotionalität. Für ihn ist diese Welle etwas, das zu seinem System gehört. Der offene Mensch erlebt dagegen den Wechsel und nimmt die emotionale Energie seines Gegenübers verstärkt wahr. Dadurch kann eine verzerrte Außenwahrnehmung entstehen. Man erlebt die Emotion des anderen im eigenen Körper so stark, dass man denkt: Oh mein Gott, der muss ja ein riesiges Problem haben. Für den emotional definierten Menschen kann seine aktuelle Welle dabei vollkommen normal sein.

Ich kenne das sehr deutlich aus meiner eigenen Kindheit. Mein Vater ist emotional definiert und ich bin mit dieser Emotionalität aufgewachsen. Ich liebe meinen Vater und trotzdem war das für mich als emotional offenes Kind teilweise der Horror. Diese Emotionen haben körperlich wehgetan. Mein System wollte einfach nur weg. Und genau daraus kann bei einem offenen Emotionszentrum diese unglaubliche Harmoniesucht entstehen. Man versucht alles, damit es wieder gut ist, weil die emotionale Spannung im eigenen Körper so unangenehm ist. Man vermeidet Konfrontation, passt sich an und versteckt irgendwann immer mehr von sich selbst. Die Außenwelt fühlt sich emotional bedrohlich an, weil man all das verstärkt und gleichzeitig noch gar nicht gelernt hat, sich damit nicht zu identifizieren.

Heute kann ich dieselbe Situation völlig anders beobachten. Wenn ich beispielsweise mit meinem Vater zusammen bin und bei ihm emotional etwas läuft, nehme ich es wahr. Ich spüre es in meinem Körper und kann beobachten: Okay, da ist gerade Emotionalität. Ich muss daraus nichts machen. Genau das ist für mich einer der größten Skills im Human Design: Beobachtung und Nicht-Identifikation. Franziska hat dafür in unserem Gespräch ein sehr klares Beispiel erzählt. Sie kam in die Aura eines emotional definierten Menschen und fing plötzlich an zu weinen, obwohl sie selbst überhaupt keinen Anlass dazu hatte. Sie ging aus der Aura heraus, beschäftigte sich mit etwas anderem und die Emotionalität war plötzlich weg. Genau an solchen Momenten kann man irgendwann sehr deutlich erkennen, was das offene Zentrum eigentlich aufnimmt und verstärkt.

Für mich hilft dabei die Vorstellung, Emotionen zunächst einmal als Wellen zu betrachten, die durch den Körper laufen. Im Human Design werden die emotionalen Wellen je nach Definition unterschiedlich beschrieben. Man muss nicht sofort einen Grund für jede Emotion finden. Wenn Traurigkeit da ist, kann Traurigkeit einfach da sein. Gerade unser Verstand möchte unglaublich schnell eine Geschichte daraus bauen: Warum bin ich traurig? Was stimmt nicht? Was ist passiert? Und manchmal gibt es darauf keine mentale Antwort. Für einen emotional offenen Menschen kommt noch die Frage dazu: Gehört diese Emotionalität überhaupt zu mir? Was passiert, wenn ich aus der Aura des anderen herausgehe? Was bleibt dann noch übrig?

Das bedeutet für mich gleichzeitig nicht, unangenehme Emotionen grundsätzlich zu vermeiden. Genau da kann das offene Emotionszentrum wieder in seine alte Strategie rutschen: Hauptsache, ich muss diese Spannung nicht fühlen. Auch eine unangenehme emotionale Erfahrung mit einem anderen Menschen kann korrekt sein. Deshalb landen wir wieder bei Strategie und Autorität. Ist diese Erfahrung für mich korrekt? Habe ich ein Go dafür? Gerade weil der Solarplexus so laut sein kann, finde ich diese Rückbindung an die eigene Autorität unglaublich wichtig. Und genauso wichtig ist es, gut für sich zu sorgen, wenn das System wirklich voll ist.

Das wird gerade in Beziehungen sehr deutlich. Ein emotional definierter und ein emotional offener Mensch können sich gegenseitig unglaublich stark beeinflussen. Manchmal ist der offene Mensch am Ende die vermeintliche Dramaqueen, obwohl er gerade etwas verstärkt, das im gemeinsamen Feld sowieso schon vorhanden ist. Dann kann es unglaublich hilfreich sein, sich Raum zu geben. Aus der Aura rauszugehen. Das Nervensystem wieder herunterfahren zu lassen. Vielleicht braucht es zwanzig Minuten, vielleicht eine halbe Stunde, vielleicht länger. Und wenn es für beide wieder passt, kann man zurück in die Kommunikation gehen. Für mich hat das auch etwas mit Respekt in Beziehungen zu tun: anzuerkennen, dass der andere vielleicht erst wieder bei sich ankommen muss, bevor ein Gespräch überhaupt sinnvoll weitergehen kann.

Franziska hat in diesem Zusammenhang auch beschrieben, dass sie nach einer starken emotionalen Aktivierung zwar aus der Aura herausging und sofort aufhörte zu weinen, ihr Körper aber trotzdem noch länger brauchte, bis wirklich Ruhe da war. Das konnte sie später auch beim Schlaf beobachten. Genau solche Erfahrungen zeigen für mich, dass das offene Emotionszentrum nicht nur eine Theorie im Chart ist. Man kann sehr konkret beobachten, was im eigenen Körper passiert, wie lange etwas nachwirkt und was dabei hilft, wieder zu sich selbst zurückzukommen.

Auch Natur und Tiere können dabei für manche Menschen unterstützend sein. Ich hatte selbst fünfzehn Jahre lang eine Hündin und habe immer wieder erlebt, wie sehr sie mich reguliert hat. Franziska hat außerdem beschrieben, wie stark ihr in emotional aufgeladenen Situationen die eigene Atmung auffällt. Manchmal merkt sie erst im Nachhinein, wie flach sie eigentlich geatmet hat. Ich kenne das aus dem Yin Yoga ebenfalls sehr gut. Wenn mein System langsam ruhiger wird, nehme ich plötzlich meinen Atem wieder wahr und merke überhaupt erst, wie wenig oder wie unregelmäßig ich vorher geatmet habe. Auch hier gilt für mich wieder: Es gibt daraus keine neue Regel für jeden emotional offenen Menschen. Es geht darum zu beobachten, was für den eigenen Körper tatsächlich korrekt ist.

Und manchmal wird die Verstärkung auch einfach sehr offensichtlich. Franziska erzählte von einer Situation mit einem Vakuumiergerät, das nicht funktioniert hat. Sie war innerlich schon verärgert, ihr emotionaler Sohn kam in den Raum und plötzlich explodierte die ganze Sache. Genau das ist ein wunderschönes Beispiel dafür, dass ein offenes Zentrum nicht zwingend nur die Emotion des anderen übernimmt. Auch etwas, das im eigenen System bereits vorhanden ist, kann durch das Zusammensein plötzlich sehr viel lauter werden. Ich kenne das ebenfalls aus einer früheren Beziehung. In einer ohnehin schwierigen Situation saß ich Weihnachten mit meinem damaligen Partner zusammen und konnte stundenlang nicht aufhören zu weinen. Ich wusste irgendwann ganz klar: Das bin nicht ich. Gerade solche Erfahrungen haben mir geholfen, mein offenes Emotionszentrum immer besser zu verstehen.

Für mich liegt genau darin die eigentliche Möglichkeit dieses Zentrums: Emotionen wahrnehmen, sie beobachten und mit der Zeit immer feiner unterscheiden lernen, ohne sich sofort mit allem zu identifizieren. Das passiert nicht perfekt und auch nicht von heute auf morgen. Ich lande selbst immer wieder in Vermeidung oder identifiziere mich mit etwas. Aber die Wahrnehmung wird feiner. Und genau deshalb ist Beobachtung für mich einer der wichtigsten Skills im gesamten Human Design Experiment.

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In der Podcastfolge „#15 Offenes Emotionszentrum: Wenn Emotionen plötzlich laut werden“ sprechen Franziska und Rita darüber, wie sich ein offener Solarplexus im Alltag zeigen kann, wie emotionale Verstärkung erlebt wird und welche Rolle Beobachtung, Beziehungen und Strategie & Autorität dabei spielen.

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P.S. Wenn du verstehen möchtest, wie deine offenen und definierten Zentren mit deiner Strategie und Autorität zusammenspielen, schauen wir uns das in meiner Basisanalyse gemeinsam anhand deines Designs an.

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