Wenn man Human Design kennenlernt, hört man ziemlich schnell: Strategie und Autorität. Das ist das A und O. Aber Strategie und Autorität zu leben, kann man am Anfang meistens überhaupt nicht perfekt. Bei vielen ist die eigene Körperwahrnehmung so verschüttet, dass man erst einmal gar nicht greifen kann, wie sich die eigene Autorität eigentlich zeigt. Genau so war es bei mir. Ich wusste theoretisch, dass ich eine Milzautorität habe, aber ich hatte keine Ahnung, wie mein Instinkt funktioniert oder wie ich ihn überhaupt wahrnehmen soll. Ich war so weit von meinem Körper entfernt, dass ich zwischendurch wirklich dachte: Dafür brauche ich wahrscheinlich zwanzig Jahre. Und vielleicht ist es bei einer Bauchstimme von der Mechanik her zunächst etwas leichter, weil sie im Hier und Jetzt reagiert. Trotzdem kann auch das für Generatoren sehr herausfordernd sein, wenn genau diese Bauchstimme über Jahre verschüttet wurde. Jeder beginnt irgendwo. Der eine findet schneller einen Zugang, der andere braucht Jahre. Und irgendwann versteht man: Es ist ein Experiment. Es gibt keinen Punkt, an dem man fertig ist.
Für mich gehört dazu auch die Frage: Wer bin ich eigentlich wirklich? Und damit meine ich nicht: Wer möchte ich sein? Was würde mein Verstand gern aus mir machen? Sondern: Was ist mein Blueprint und was sind meine Limitationen? Ich liebe meine Limitationen inzwischen. In unserer Gesellschaft hört man ständig: Du kannst alles, wenn du es nur willst. Gleichzeitig kennt eigentlich jeder irgendwo seine eigenen Grenzen. Für mich war es ein riesiger Schritt, diese Limitationen nicht mehr bekämpfen zu wollen, sondern sie anzuerkennen und irgendwann sogar schön zu finden. Auch das ist für mich eine Form von Selbstliebe. Und genau deshalb gibt es für den Start ins Experiment auch nicht die eine Anleitung, die für jeden Menschen funktioniert. Es hängt vom Typ ab, von der eigenen Resonanz, von der Person, mit der man vielleicht eine erste Session hatte, und davon, was überhaupt korrekt für einen ist. Ich kann nur meine Erfahrungen und Beobachtungen teilen und zeigen, wo man anfangen könnte.
Bei mir begann das Ganze mit Beobachtung. Ich wurde nicht durch einen mentalen Entschluss ins Human Design Experiment gezogen. Es war einfach korrekt und ich bin gegangen. Meine Autorität konnte ich damals noch überhaupt nicht benennen. Also habe ich angefangen zu beobachten: Was passiert eigentlich mit mir? Was macht mein Körper? Was macht mein Verstand? Meine Milzautorität ist Instinkt im Hier und Jetzt, relativ kühl, leise und nüchtern. Ich kann heute nicht einmal sagen, wann ich zum ersten Mal ganz bewusst wahrgenommen habe: Ah, das war jetzt meine Milz. Das hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Was mir von Anfang an sehr geholfen hat, war meine Strategie als Projektorin. Auf Einladung zu warten war für mich eine Limitation, die sofort unglaublich viel Entspannung gebracht hat. Also fing ich an zu beobachten: Was ist überhaupt eine Einladung? Wie fühlt sie sich an? Was passiert, wenn ich eingeladen bin, und was passiert, wenn ich mich selbst irgendwo hineinbewege? Mit der Zeit bekommt man dafür ein Gefühl.
Ein ganz großer Teil des Experiments war für mich gleichzeitig, den Verstand beobachten zu lernen und mich nicht permanent mit allem zu identifizieren, was dort oben passiert. Das ist bis heute eine Übung. Manchmal gerät man in eine Gedankenschleife, aber diese Schleifen werden mit der Zeit kürzer. Man erkennt schneller: Okay, da läuft gerade mein Verstand. Und je mehr diese Beobachtung geschult wird, desto feiner wird irgendwann auch die Wahrnehmung des Körpers. Dann entstehen plötzlich diese Momente, in denen man seine Autorität erkennt. Und genauso sieht man natürlich auch die anderen Entscheidungen. Ich treffe auch nach Jahren noch Entscheidungen aus dem Verstand. Das gehört dazu. Entscheidend ist für mich, überhaupt erkennen zu können: Okay, das war jetzt eine Mind-Entscheidung. Was hat mein Körper gemacht? Was hat mein Verstand erzählt? Welche Angst war vielleicht dahinter? Genau darüber entsteht mit der Zeit eine immer präzisere Wahrnehmung.
Für Projektoren finde ich gerade am Anfang des Experiments noch etwas anderes unglaublich wichtig. Viele Projektoren, die ich in Sessions sehe, sind erschöpft. Sie wissen mit ihrem offenen Sakral häufig überhaupt nicht mehr, wann genug wirklich genug ist, weil sie permanent auf der Energie anderer Menschen laufen. Wenn es möglich ist, kann es deshalb unglaublich interessant sein, sich bewusst Zeit allein zu nehmen. Wer bin ich, wenn ich allein schlafe? Wer bin ich, wenn ich eine Weile nicht permanent von anderen Menschen energetisch beeinflusst werde? Wie viel Ruhe brauche ich wirklich? Wie viel kann ich tatsächlich tun? Wie viel Schlaf brauche ich und wie viel Zeit brauche ich zusätzlich einfach nur horizontal? Ich habe irgendwann herausgefunden, dass ich abends ungefähr zwei Stunden brauche, bevor ich überhaupt schlafen kann, damit mein System leer wird. Und auch morgens tut meinem Körper zusätzliche Zeit im Bett gut. Mein Verstand hat lange gebraucht, um das nicht als Faulheit zu bewerten. Für meinen Körper gehört diese Ruhezeit aber zu meiner Mechanik. Genau solche Dinge gilt es im Experiment überhaupt erst herauszufinden. Wenn man einmal ein paar Tage oder sogar zwei oder drei Wochen ohne den üblichen Rhythmus, ohne Wecker und ohne permanente Anforderungen verbringen kann, kann man unglaublich viel darüber lernen, welchen Rhythmus der eigene Körper eigentlich hat.
Bei Generatoren würde ich gerade am Anfang sehr stark mit der Bauchstimme arbeiten. Auch diese Mechanik ist bei vielen Menschen verschüttet. Generatoren werden schon früh darauf konditioniert, Fragen mit dem Verstand zu beantworten. Bei einer Frage wie „Wie geht es dir?“ muss der Verstand sofort eine Antwort formulieren. Eine Frage wie „Geht es dir gut?“ kann dagegen direkt eine sakrale Reaktion auslösen. Deshalb finde ich Ja-Nein-Fragen und richtige Frageblöcke für Generatoren so spannend. Man kann das mit einer anderen Person üben oder auch die eigene Reaktion beobachten und dadurch langsam lernen: Wann antwortet mein Sakral und wann ist mein Verstand schon schneller? Wo wird es schwierig? Bei welchen Themen mischt sich der Kopf sofort ein? Auch hier ist es wieder Beobachtung. Wo bin ich frustriert? Wo habe ich meine sakrale Energie vielleicht nicht korrekt eingesetzt? Bin ich in der richtigen Arbeit? In den richtigen Beziehungen? Nutze ich meine Energie auf eine Weise, die zu Befriedigung führt? Für mich wäre das beim Generator ein sehr konkreter Einstieg ins Experiment: Bauchstimme trainieren und gleichzeitig beobachten.
Beim Reflektor geht es wieder um eine ganz andere Wahrnehmung. Die Frage kann dort viel stärker lauten: Wer bin ich heute? Auf den ersten Blick wirkt ein Reflektordesign unglaublich unbeständig. Gleichzeitig gibt es über den Mondzyklus eine wiederkehrende Beständigkeit. Jeder Tag des Zyklus kommt wieder. Deshalb kann es für einen Reflektor interessant sein, über einen Mondzyklus hinweg wirklich zu beobachten und vielleicht auch aufzuschreiben: Wie bin ich heute vom Programm beeinflusst? Wie fühlt sich mein Körper an? Was macht mein Verstand? Was nehme ich heute anders wahr? Wenn man diese einzelnen Tage immer wieder erlebt, kann daraus mit der Zeit eine ganz eigene Orientierung entstehen. Für Reflektoren kann es deshalb auch sehr hilfreich sein, das eigene Design und die Transite genauer kennenzulernen. Und genauso gilt auch hier wieder die Frage: Wie fühlt es sich an, wenn ich allein schlafe? Wie verändert sich meine Wahrnehmung, wenn weniger fremder Einfluss da ist?
Und dann sind da die Manifestoren. Ich habe schon immer einen Soft Spot für Manifestoren. Ich war einmal auf einem Workshop nur mit Manifestorinnen und fand es unglaublich berührend, wie viel Macht in diesem Raum war und gleichzeitig wie viel Unsicherheit und Unterdrückung. Für Manifestoren finde ich deshalb am Anfang des Experiments besonders spannend, die eigene Wirkung zu beobachten. Was passiert eigentlich mit anderen Menschen, wenn ich auftauche? Welche Wirkung habe ich? Was ist mein Impact? Und wenn eine Entscheidung getroffen wurde, kann man anfangen zu beobachten, was passiert, wenn man die Menschen informiert, die davon betroffen sind. Dabei geht es nicht darum, um Erlaubnis zu fragen. Die Entscheidung ist bereits getroffen. Es geht darum, zu informieren und anschließend wahrzunehmen: Was verändert sich dadurch? Wird mein Leben einfacher? Wie reagieren andere Menschen? Auch darüber entsteht mit der Zeit ein immer klareres Gefühl für die eigene Mechanik.
Egal welcher Typ man ist, für mich beginnt das Human Design Experiment deshalb immer wieder an demselben Punkt: beobachten. Den Körper beobachten. Den Verstand beobachten. Wahrnehmen, was passiert, ohne sofort alles verändern zu wollen. Strategie und Autorität entwickeln sich im echten Leben und über Wiederholung. Man macht Erfahrungen, trifft korrekte Entscheidungen und trifft auch Entscheidungen aus dem Verstand. Man sieht Widerstände, Frustration, Bitterkeit oder andere Rückmeldungen und beginnt sie einzuordnen. Und mit der Zeit wird aus einem Konzept etwas, das im Körper tatsächlich gelebt wird.
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In der Podcastfolge „#4 Wie starte ich mein Human Design Experiment?“ spreche ich darüber, wie der Einstieg ins Experiment aussehen kann und welche unterschiedlichen Beobachtungsfelder sich für Projektoren, Generatoren, Reflektoren und Manifestoren ergeben.
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