Milzautorität gehört für mich zu diesen Dingen im Human Design, die man über eine Beschreibung nur sehr schwer greifen kann. Die berühmte „kleine leise Stimme“ hat mir am Anfang jedenfalls nicht besonders viel geholfen. Was soll das eigentlich heißen? Wie fühlt sich diese Stimme an? Woher weiß ich, ob gerade meine Milz spricht oder mein Verstand? Genau darüber habe ich in meinem Podcast „Human Design Leben“ mit Franziska gesprochen. Wir sind beide Projektorinnen mit Milzautorität und erleben diese Körperintelligenz trotzdem unterschiedlich. Gerade deshalb finde ich solche Gespräche so spannend, weil irgendwann sichtbar wird, wie vielseitig sich dieselbe Autorität im echten Leben zeigen kann.

Bei der Milz kann die Information unglaublich schnell da sein. Manchmal ist es ein Impuls, manchmal ein Bild, manchmal ein Wissen im Hier und Jetzt. Es kann Gänsehaut sein oder einfach nur ein ganz neutrales „okay“. Und manchmal passiert etwas, das vermutlich viele Menschen mit Milzautorität kennen: Im Nachhinein denkt man „Ich hab’s doch gewusst.“ Da war vorher bereits etwas im Körper, ein ganz kurzer Hinweis, und der war so schnell wieder weg, dass der Verstand anschließend problemlos darüber hinweggehen konnte. Genau darüber entwickelt sich mit der Zeit auch die Feinheit. Anfangs braucht es manchmal noch ziemlich deutliche Signale, bis man überhaupt erkennt: Ah, das war meine Milz. Irgendwann beginnt man, diese viel kleineren Impulse wahrzunehmen.

Wir haben im Podcast einige Situationen aus unserem Alltag erzählt, bei denen genau das sichtbar wurde. Beim Skifahren gab es dieses klare körperliche Ja oder Nein und anschließend sehr unmittelbare Rückmeldungen vom Körper. Franziska erzählte von Herpes als Warnsignal. Bei mir konnte es so etwas Banales sein wie der Impuls, den Computer jetzt herunterzufahren, und später wurde deutlich, warum genau das Energie gespart hat. Ich kenne auch diese Situationen, in denen mein Körper mich irgendwie umleitet, bevor mein Verstand überhaupt erkennen kann, was da gerade passiert. Das Faszinierende daran ist für mich, dass die Erklärung häufig erst später kommt. Im Moment selbst ist da einfach diese Information.

Gerade Emotionalität kann so einen kurzen Impuls sehr schnell überlagern. Die Milz hat längst etwas gemeldet und kurze Zeit später rauschen Gefühle, Gedanken und Geschichten darüber. Dann wird es schwieriger, den ursprünglichen Impuls überhaupt noch wiederzufinden. Auch deshalb ist Beobachtung für mich ein so großer Teil dieses Experiments. Was war zuerst da? Wann hat mein Körper reagiert? Wann ist der Verstand eingestiegen? Und was ist anschließend passiert? Ich habe über die Jahre immer wieder erlebt, dass genau diese Rückschau unglaublich hilfreich ist. Man beginnt allmählich, die eigene Sprache des Körpers kennenzulernen.

Als Projektorin sehe ich dabei natürlich auch die Verbindung zur Einladung. Eine Einladung kann da sein und mein Körper kann trotzdem keine Resonanz darauf haben. Dann kommt vielleicht der Kopf und findet hundert Gründe, warum diese Einladung doch großartig wäre. Später zeigt sich möglicherweise Widerstand oder Bitterkeit. Für mich sind auch solche Erfahrungen Teil der Differenzierung. Sie zeigen im Rückblick sehr deutlich, an welcher Stelle der Körper bereits etwas wusste und an welcher Stelle ich mit dem Verstand weitergegangen bin. Je länger das Experiment läuft, desto mehr solcher Erfahrungen sammeln sich an und desto feiner wird dieses Erkennen.

Wenn du deine Milzautorität gerade noch überhaupt nicht greifen kannst, finde ich deshalb Freiraum und Beobachtung so wertvoll. Einen Schritt zurücktreten, den eigenen Körper beobachten, auch den Verstand beobachten und den kleinen Signalen Zeit geben. Die Milz wird mit dem Experiment vertrauter. Irgendwann erkennt man vielleicht die erste Gänsehaut, das erste Bild, diesen ganz kurzen Impuls oder dieses unspektakuläre „okay“. Und irgendwann wird aus einer Beschreibung im Human Design Chart etwas sehr Persönliches: die eigene Erfahrung damit, wie der Körper im Hier und Jetzt spricht.

Du möchtest das Thema lieber hören?

In der Podcastfolge „#9 Talk mit Rita & Franziska: Milzautorität im Alltag“ sprechen wir darüber, wie sich Milzautorität im echten Leben zeigt.

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