Schlaf ist ein riesiger Teil unseres Lebens und trotzdem schauen wir oft erst dann genauer hin, wenn er nicht mehr funktioniert. Wenn wir schlecht schlafen, zieht sich das meistens durch den ganzen nächsten Tag. Genau deshalb wollten Franziska und ich in meinem Podcast „Human Design Leben“ einmal anschauen, wie Human Design auf Schlaf blickt und was sich im eigenen Experiment beobachten lässt. Dabei ging es vor allem um die Unterschiede zwischen sakraldefinierten und sakraloffenen Menschen, um das Alleineschlafen und um unsere ganz persönlichen Erfahrungen damit.
Für sakraloffene Typen – also Projektoren, Manifestoren und Reflektoren – spielt das Runterfahren am Abend eine große Rolle. Über den Tag nehmen wir unglaublich viel Energie aus unserem Umfeld auf. Irgendwann braucht der Körper Zeit, um wieder leerer zu werden. Franziska und ich kennen beide diese Erfahrung, dass es nicht reicht, erst dann ins Bett zu gehen, wenn man komplett erschöpft ist. Der Körper braucht vorher bereits Raum. Bei mir sind das teilweise zwei Stunden, in denen ich einfach in die Waagerechte gehe, lese, etwas anschaue oder einfach nur da bin. Besonders deutlich habe ich das einmal nach einem Theaterbesuch beobachtet. Ich war völlig aufgeladen von den vielen Menschen, Emotionen und Energien um mich herum. Zu Hause wusste ich sofort: Schlafen funktioniert jetzt noch nicht. Ich konnte richtig beobachten, wie mein Körper nach und nach wieder herunterfuhr und irgendwann Ruhe entstand.
Ich habe schon ziemlich früh gemerkt, dass gemeinsames Schlafen für meinen Körper schwierig ist. Auch in Beziehungen habe ich immer lieber allein geschlafen oder mochte Fernbeziehungen und getrennte Wohnungen. Wenn ich mehrere Nächte mit jemandem zusammen geschlafen habe, war ich teilweise vollkommen erschöpft. Lange wusste ich gar nicht, warum das so ist. Im Human Design habe ich dafür irgendwann eine Sprache gefunden. Gerade für sakraloffene Menschen kann der eigene Schlafraum ein sehr interessanter Teil des Experiments sein. Es geht dabei für mich gar nicht darum, daraus eine neue Regel zu machen. Es geht darum, den eigenen Körper zu beobachten. Wie schlafe ich allein? Wie schlafe ich neben einem anderen Menschen? Wie fühle ich mich am nächsten Morgen? Wie viel Zeit brauche ich am Abend, bis mein System tatsächlich heruntergefahren ist?
Bei sakraldefinierten Generatoren und manifestierenden Generatoren sieht das wieder anders aus. Dort kann es hilfreich sein, die vorhandene Energie tatsächlich zu verbrauchen. Gerade bei Kindern sieht man oft sehr schön, dass sie abends noch einmal herumrennen, spielen oder körperlich aktiv sein wollen und danach plötzlich schlafen können. Auch als Erwachsene kann die Frage spannend sein: Habe ich meine Energie heute überhaupt eingesetzt? Braucht mein Körper vielleicht noch Bewegung? Diese Unterschiede fand ich immer wieder faszinierend, weil sie zeigen, wie wenig Sinn eine einzige Schlafregel für alle Menschen ergibt.
Meine eigene Geschichte mit Schlaf ging irgendwann allerdings weit über Schlafhygiene hinaus. Ende 2018, Anfang 2019 hatte ich Phasen, in denen ich teilweise nur noch ein oder zwei Stunden pro Nacht geschlafen habe. Irgendwann waren es Monate, in denen mein Körper kaum noch zur Ruhe kam. Ich lag nachts wach und hatte das Gefühl, als würde Adrenalin durch meinen Körper laufen. Dabei habe ich bereits allein geschlafen und eigentlich vieles von dem gemacht, was man klassischerweise unter guter Schlafhygiene versteht. Rückblickend war mein gesamtes Leben zu diesem Zeitpunkt viel zu voll. Ich habe als Projektorin unglaublich viel gearbeitet und ständig Energie benutzt, die mein Körper irgendwann nicht mehr kompensieren konnte. Schlaf war für mich deshalb irgendwann keine isolierte Frage mehr. Mein Körper hat mich gezwungen, mein gesamtes Leben anzuschauen.
Human Design kam genau in dieser Zeit in mein Leben und ich begann Schritt für Schritt Dinge zu verändern. Strategie und Autorität wurden dabei viel wichtiger als irgendeine perfekte Schlafroutine. Ich konnte anfangen zu beobachten, wie viel ich überhaupt tue, wann mein Körper genug hat und was tatsächlich meine Energie ist. Das ging natürlich nicht von heute auf morgen. Gerade deshalb finde ich dieses Thema heute so spannend. Schlaf kann manchmal unglaublich viel darüber zeigen, wie wir tagsüber mit unserem Körper umgehen. Wenn ein System permanent unter Strom steht, hilft es irgendwann wenig, nur noch eine weitere Abendroutine hinzuzufügen.
Franziska hat mit dem Alleineschlafen eine ganz andere Entwicklung erlebt. Sie war es seit ihrer Kindheit gewohnt, mit anderen Menschen im gleichen Raum oder Bett zu schlafen. Erst über ihr PHS- und Ernährungsexperiment begann ihr Körper irgendwann selbst, nach einem eigenen Schlafraum zu verlangen. Damit waren zunächst viele Ängste verbunden. Was bedeutet es für eine Beziehung, wenn man nicht mehr jede Nacht zusammen schläft? Wird der Partner verletzt sein? Entfernt man sich voneinander? Und trotzdem wurde der körperliche Impuls immer klarer. Sie begann tatsächlich getrennt zu schlafen und beschreibt diese Veränderung heute als eines der großen Geschenke ihres Experiments.
Bei ihr veränderten sich gleichzeitig verschiedene körperliche Beschwerden, unter anderem sehr starke Blutungen und wiederkehrende Beschwerden im Intimbereich. Sie selbst verbindet diese Entwicklung mit dem getrennten Schlafen und damit, dass ihr sakraloffener Körper nachts mehr Ruhe bekam. Das ist ihre persönliche Erfahrung aus ihrem Human Design Experiment. Gerade bei körperlichen Beschwerden finde ich es wichtig, den eigenen Körper ernst zu nehmen und medizinische Themen auch medizinisch begleiten zu lassen. Für Franziska war das Entscheidende an diesem Prozess, dass sie etwas ausprobiert hat und anschließend sehr konkret beobachten konnte, was sich in ihrem Körper verändert.
Spannend finde ich auch, dass getrennt schlafen überhaupt nichts darüber aussagen muss, wie nah eine Beziehung ist. Man kann abends gemeinsam im Bett liegen, miteinander lesen, reden, kuscheln oder Sexualität leben und anschließend in den eigenen Raum gehen. Man kann morgens wieder zusammenkommen. Es entstehen einfach andere Rituale. Gerade daran merkt man, wie stark wir gesellschaftlich darauf konditioniert sind, bestimmte Vorstellungen von Beziehung automatisch für richtig zu halten. Zusammen wohnen, zusammen schlafen, jede Nacht dasselbe Bett. Sobald man davon abweicht, entsteht schnell die Frage, ob mit der Beziehung etwas nicht stimmt. Im eigenen Experiment darf auch diese Vorstellung irgendwann überprüft werden.
Für mich ist Schlaf deshalb ein unglaublich schönes Beobachtungsfeld im Human Design. Wie viel Energie trage ich am Abend noch in meinem Körper? Wie lange brauche ich, um herunterzufahren? Wie verändert sich mein Schlaf in unterschiedlichen Räumen oder neben unterschiedlichen Menschen? Wie fühlt sich mein Körper am nächsten Morgen an? Und was verändert sich, wenn ich tagsüber mehr nach meiner eigenen Strategie und Autorität lebe? Über solche Erfahrungen wird aus Human Design irgendwann etwas sehr Konkretes. Der Körper beginnt selbst zu zeigen, was er braucht.
Du möchtest das Thema lieber hören?
In Podcastfolge #12 von „Human Design Leben“ sprechen Franziska und ich über Schlaf im Human Design, sakrale Energie, Alleineschlafen und unsere persönlichen Erfahrungen im Experiment.
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