Bei der Human Design Ernährungsstrategie Nummer 5 geht es nicht mehr vorrangig darum, was gegessen wird, sondern um die Bedingungen, unter denen der Körper Nahrung aufnimmt. Cindy hat die aktive Variante der Fünf: Klang laut, Sound High. Geräusche und Frequenzen gehören damit zu ihrem Ernährungsexperiment. Als Cindy mit PHS begann, war ihre erste Idee ziemlich konsequent: Wenn Geräusch wichtig ist, dann sucht sie sich ein Lied aus und hört dieses einfach bei jeder Mahlzeit. Ihre Familie konnte dieses eine Lied irgendwann kaum noch hören. Erst über das Experiment wurde immer deutlicher, dass Klang laut keine starre Lautstärke und kein bestimmtes Geräusch bedeutet. Cindy muss jeweils wahrnehmen, welche Geräuschkulisse ihr Körper gerade braucht. Genau deshalb bleibt auch bei der Ernährung Strategie und Autorität die Grundlage.
Bevor Cindy Human Design kannte, hatte sie bereits einiges mit Ernährung ausprobiert. Sie beschreibt starken Druck im Bauch und einen ausgeprägten Blähbauch und hatte wie viele Menschen verschiedene Diäten getestet. Wirklich weitergebracht hatte sie das nicht. Als sie etwa zwei Jahre nach ihrem Einstieg in Human Design mit PHS begann, entschied sie sich deshalb für eine begleitete Umsetzung. Gemeinsam mit ihrem Coach führte sie Protokoll und begann überhaupt erst einmal zu beobachten: Was passiert, wenn ich mit Geräuschen esse? Was verändert sich bei unterschiedlichen Lautstärken? Was ist angenehm und was stört meinen Körper?
Heute kann das sehr unterschiedlich aussehen. Manchmal braucht Cindy deutlich wahrnehmbaren Sound, manchmal reicht etwas ganz Dezentes im Hintergrund. Ein Regenschauer kann passen, Musik, ein Hörbuch oder Geräusche beim Kochen. Interessant ist, dass diese Vorbereitung bei ihr teilweise schon vor der eigentlichen Mahlzeit beginnt. Wenn sie allein zu Hause ist, genießt sie normalerweise Ruhe. Sobald sie anfängt zu kochen, nimmt sie manchmal plötzlich wahr: Jetzt ist es mir zu still. Dann macht sie Musik oder ein Hörbuch an und bringt bereits während der Zubereitung Klang in die Umgebung. Die Geräusche dürfen sich sogar während einer Mahlzeit verändern. Cindy kann anfangen zu essen und irgendwann merken, dass es inzwischen zu laut oder zu aufdringlich geworden ist. Dann reguliert sie die Lautstärke wieder herunter.
Dabei hat sie auch festgestellt, dass Kopfhörer für sie nicht dasselbe sind. Für Cindy geht es nicht einfach darum, etwas über die Ohren zu hören. Sie beschreibt die Erfahrung vielmehr als Schwingung, die sie mit dem ganzen Körper wahrnimmt. Deshalb funktioniert für sie ein Kopfhörer beim Essen nicht als Ersatz für Klang im Raum. Genau hier wird sichtbar, wie individuell diese Ernährungsstrategie werden kann. Der Ausgangspunkt lautet Klang laut. Was das für den einzelnen Körper konkret bedeutet, entsteht erst im Experiment. Das Gegenstück dazu ist Human Design Ernährungsstrategie 5 – Klang leise, bei der dieselbe fünfte Farbe mit einer völlig anderen Klangbedingung gelebt wird.
Bei Cindy kommt außerdem die Außenschau als kognitives Potenzial hinzu. Sie braucht ihr Essen vor Augen. Eine Speisekarte ohne Bilder ist für sie deshalb viel schwieriger als ein Buffet oder der Blick auf die Teller anderer Gäste. Im Restaurant schaut sie häufig erst einmal, was dort tatsächlich serviert wird. Farben spielen eine große Rolle. Grün und Rot auf dem Teller sprechen sie beispielsweise stark an. Selbst zu Hause erlebt sie immer wieder, dass ihr Verstand schon entschieden hat, was sie essen könnte, sie dann den Kühlschrank öffnet und ihr Blick plötzlich auf etwas ganz anderes fällt. Genau dieses Lebensmittel wird in diesem Moment interessant. Auch beim Einkaufen kann das passieren: Ein Lebensmittel kann vollkommen in Ordnung sein und sie trotzdem optisch überhaupt nicht ansprechen.
Dadurch wird auch deutlich, warum sich eine Ernährungsstrategie nie isoliert betrachten lässt. Cindy hat ein offenes Sakralzentrum und kennt das Thema, nicht zu wissen, wann genug genug ist. Ein Buffet ist für ihre Außenschau zunächst ideal, weil sie alles sehen und auswählen kann. Gleichzeitig kann die große Menge an verfügbarem Essen dazu führen, dass sie über den Punkt hinaus weiterisst, an dem ihr Körper bereits genug hat. Für sie funktioniert es deshalb besser, beispielsweise ein Brot fertig zuzubereiten, die Lebensmittel anschließend wegzuräumen und dann diese eine Mahlzeit zu essen. Wenn alles weiterhin vor ihr steht, wird die Wahrnehmung von „genug“ schwieriger. Auch darin zeigt sich, wie viele Ebenen des Designs gemeinsam in ein Ernährungsexperiment hineinspielen.
Eine der wichtigsten Veränderungen beschreibt Cindy als die wiedergewonnene Verbindung zu ihrem Körper. Einige Monate nach Beginn ihres PHS-Coachings hatte sie während eines Reflektor-Retreats eine intensive Situation, in der sie sich vollständig zurückzog. Irgendwann begann sie Schritt für Schritt wahrzunehmen, was ihr Körper gerade brauchte: Die Kleidung war nass, ihr wurde kalt, also zog sie sich um und ging unter eine warme Dusche. Für Cindy war das ein Wendepunkt. Zum ersten Mal begann sie ihren Körper nicht mehr als etwas zu behandeln, das einfach funktionieren muss, sondern seine Rückmeldungen ernst zu nehmen. Dieses Wahrnehmen begleitet sie heute auch in ihrem Ernährungsexperiment.
Auch ihr früheres Bauchthema hat sich nach ihrer eigenen Beobachtung deutlich verändert. Kleidung über dem Bauch, die früher unangenehm gewesen wäre, kann sie heute wieder tragen. Besonders deutlich merkt sie den Unterschied, wenn sie gegen ihre wahrgenommenen Bedingungen isst. In der Anfangszeit war sie beispielsweise bei einer Freundin zu Besuch, nahm bereits wahr, dass die Geräuschkulisse für sie nicht passte, wollte das angebotene Essen aber aus Höflichkeit nicht ablehnen. Danach bekam sie starke Magenkrämpfe. Solche Erlebnisse haben ihr geholfen, die Rückmeldungen ihres Körpers immer genauer einzuordnen und ihre Klangbedingungen konsequenter zu berücksichtigen.
Mittlerweile berücksichtigt Cindy noch weitere Faktoren. Wenn sie emotional stark aufgewühlt ist, beispielsweise nach einem Konflikt oder einer belastenden Nachricht, wartet sie nach Möglichkeit mit dem Essen. Auch wenn Klang und Optik eigentlich passen, nimmt sie wahr, dass Essen in solchen Momenten ihren Magen belasten kann. Genau solche Erfahrungen zeigen, warum eine PHS-Information allein nicht ausreicht. „Ich brauche Geräusche beim Essen“ ist nur der Anfang. Erst durch Beobachtung wird sichtbar, was der Körper in unterschiedlichen Situationen tatsächlich braucht.
Für Cindy war die Ernährungsstrategie gerade als Reflektorin ein wichtiger Baustein ihres Human Design Experiments. Die klassische Information über den Mondzyklus half ihr im Alltag zunächst nur begrenzt weiter. Über PHS, Außenschau und die zunehmende Wahrnehmung ihres Körpers bekam sie sehr viel konkretere Orientierung für alltägliche Situationen. Das ergänzt ihr Reflektor-Experiment mit dem Mondzyklus um eine Ebene, die sie unmittelbar im Alltag beobachten kann: Was sehe ich? Welche Geräusche brauche ich? Wann ist genug? Was verändert sich, wenn mein Umfeld anders wird?
Auch nach vielen Jahren ist das Experiment damit nicht abgeschlossen. Cindy beschreibt, dass immer wieder neue Situationen auftauchen, die eine erneute Beobachtung verlangen. Genau darin liegt für sie auch der Wert einer Begleitung: Am Anfang klingt „Iss mit Geräuschen“ denkbar einfach. Im wirklichen Leben entstehen daraus sehr viel feinere Fragen. Welche Lautstärke? Welcher Klang? Wann beginnt die Vorbereitung? Was passiert mit der Außenschau? Welche Rolle spielt das offene Sakral? Und was davon ist gerade Körperwahrnehmung und was übernimmt wieder der Verstand? Diese Antworten kann kein allgemeines Rezept liefern. Sie entstehen Stück für Stück im eigenen Experiment.
Du möchtest das Thema lieber hören?
In der Podcastfolge „#29 Interview mit Cindy: Ernährungsstrategie Nr. 5 – Klang laut“ spricht Franziska mit Cindy über ihr langjähriges PHS-Experiment, unterschiedliche Geräuschkulissen beim Essen, Außenschau, ihr offenes Sakralzentrum und darüber, wie sie über die Jahre wieder einen viel klareren Zugang zu ihrem Körper entwickelt hat.
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P.S. Wenn du deine eigene Ernährungsstrategie kennenlernen und herausfinden möchtest, wie sie sich ganz konkret in deinem Alltag zeigt, begleite ich dich in meiner Human Design Ernährungsbegleitung durch dein persönliches PHS-Experiment.