Ernährung gehört zu den Bereichen, in denen Konditionierung unglaublich früh beginnt. Wir wachsen mit bestimmten Lebensmitteln, Gewohnheiten und Vorstellungen darüber auf, was gesund ist, was auf den Teller gehört und wovon ein Körper wie viel braucht. Dazu kommt die Ernährung unserer Eltern, später die unserer Partner, Kinder oder anderer Menschen, mit denen wir viel Zeit verbringen. Im Human Design können wir zusätzlich beobachten, dass bestimmte Aktivierungen im Chart Hinweise auf Themen wie schnellen Zucker, Fett, tierisches Eiweiß oder Fleisch geben können. Entscheidend bleibt trotzdem immer Strategie und Autorität, denn ein Chart sagt weder, wie viel ein Mensch davon braucht, noch ob etwas genau jetzt für seinen Körper korrekt ist.

Bei Franziska wurde diese Konditionierung besonders deutlich beim Thema Fett. Sie lebt die Ernährungsstrategie Nummer 1, Appetit, inzwischen sehr konsequent und isst ihre Lebensmittel nacheinander. Trotzdem dauerte es noch einmal lange, bis ihr Körper ihr beim Fett immer deutlicher Rückmeldung gab. Franziska ist mit sehr fettreicher Ernährung aufgewachsen. Auch Menschen in ihrem unmittelbaren familiären Umfeld bringen innerhalb der Human-Design-Betrachtung entsprechende Aktivierungen mit. Butter, Sahne, Speck – viel Fett war für sie vollkommen normal. Erst als sich ihr gesamtes Leben verlangsamte und sie weniger über die Energie anderer Menschen funktionierte, wurde für sie deutlicher, dass ihr eigener Körper deutlich weniger davon möchte.

Gerade deshalb finde ich Franziskas Experiment mit Human Design Ernährungsstrategie 1: Appetit so interessant. Die Ernährungsstrategie gibt einen Rahmen, beantwortet aber längst nicht jede Frage. Auch wenn sie ihre Lebensmittel korrekt nacheinander isst, muss ihr Körper immer noch unterscheiden können: Was davon möchte ich überhaupt? Welche Menge ist richtig? Was passt heute? Franziska beschreibt, dass ihr Körper auf größere Fettmengen inzwischen teilweise sehr deutlich reagiert. Gleichzeitig ist Fett etwas, das ihr schmeckt. Genau das macht die Konditionierung so spannend: Selbst eine Kognition oder eine starke Körperwahrnehmung muss sich erst wieder durch Schichten hindurch ausdifferenzieren, wenn etwas über Jahrzehnte tief eingeprägt wurde.

Bei mir gab es ein sehr ähnliches Thema. Schon lange vor meinem Human Design Experiment hatte ich wahrgenommen, dass Fett für meinen Körper sehr dicht ist und dass ich damit schwer aufhören kann. Erst viel später habe ich verstanden, wie stark auch meine eigene Kindheit dabei hineinspielt. Beide Eltern hatten innerhalb dieser Betrachtung einen starken Bezug zum Thema Fett. Während einer Reise mit zwei Generatoren, bei denen dieses Thema ebenfalls präsent war, konnte ich beobachten, wie schnell meine alte Konditionierung wieder ansprang. Plötzlich war der Zug zu fettreichen Lebensmitteln wieder sehr viel stärker. Für mich war das vor allem interessant, weil ich inzwischen danebenstehen und beobachten konnte: Ah, okay. Da ist dieses alte Muster wieder.

Genau darin liegt für mich ein großer Teil von Dekonditionierung. Es geht nicht darum, sich dafür fertigzumachen, dass ein altes Muster wieder auftaucht. Man kann beobachten, wie es aktiviert wird, was der Verstand daraus macht und wie der Körper anschließend reagiert. Manchmal konnte ich bei mir bleiben, manchmal bin ich vollständig in die alte Dynamik hineingegangen. Auch das gehört zum Experiment. Gerade Ernährung kann sehr tief konditioniert sein. Je länger ich beobachte, desto deutlicher wird die Übersetzung meines Körpers. Dinge, die früher kaum auseinanderzuhalten waren, werden irgendwann ziemlich eindeutig.

Spannend wurde für mich dabei auch meine Kognition Berührung. Fettige Lebensmittel anzufassen, mochte ich eigentlich schon immer nicht besonders. Butter an den Fingern, Fett auf der Haut oder bestimmte tierische Lebensmittel wollte ich sofort wieder abwaschen. Lange habe ich darüber hinweggegangen: Dann benutzt man eben Messer und Gabel. Erst später habe ich angefangen, diese Wahrnehmung überhaupt ernst zu nehmen. Genau solche kleinen Signale zeigen für mich, wie viel Information der Körper längst liefert, während der Verstand noch versucht, alles logisch zu erklären oder passend zu machen.

Beim Zucker kam noch einmal eine ganz andere Schicht dazu. In meinem Chart gibt es eine Aktivierung, die ich innerhalb des Human-Design-Systems mit schnellem Zucker in Verbindung bringe. Lange hatte ich diese Information kaum auf dem Schirm. Gleichzeitig konnte ich beobachten, dass mein Essen für mich wesentlich stabiler wird, wenn ich ausreichend Früchte, Datteln, Smoothies oder Fruchtsaft zu mir nehme. Wenn dieser schnelle Zucker fehlt, entsteht bei mir leichter der Zug zu anderen Lebensmitteln – unter anderem genau zu dem Fett, bei dem ich so stark konditioniert bin. Der entscheidende Punkt war für mich, dass diese Beobachtung zuerst aus meinem Experiment kam. Erst danach fiel mir wieder ein, dass ich genau dazu eine entsprechende Aktivierung im Chart habe.

Und auch daraus sollte niemals ein neues Ernährungskonzept entstehen. Eine Aktivierung im Chart bedeutet nicht: Jetzt brauche ich jeden Tag eine bestimmte Menge Zucker. Ebenso wenig bedeutet eine Fettaktivierung, dass jemand einfach möglichst viel Fett essen sollte. Der Körper entscheidet im Hier und Jetzt. Genau deshalb ist Human Design Ernährung mit Strategie und Autorität für mich die Grundlage. Das Wissen kann eine Richtung zeigen, in der wir beobachten können. Die konkrete Umsetzung entsteht über den eigenen Körper.

Gerade beim schnellen Zucker gibt es für mich außerdem noch eine weitere Unterscheidung. Braucht mein Körper gerade tatsächlich Zucker – oder benutze ich Essen, um über Erschöpfung hinwegzugehen? Als Projektorin kenne ich diese Situation gut. Der Körper ist eigentlich fertig, der Tag wäre zu Ende, und der schnelle Energieschub über Essen könnte dafür sorgen, dass ich trotzdem noch ein paar Stunden weitermache. Auch da entsteht die Antwort nicht über eine Regel. Ich muss beobachten, was gerade wirklich passiert. Manchmal ist der Zucker korrekt. Manchmal wäre die eigentliche Information: Rita, der Tag ist vorbei.

Genau deshalb kann auch ein Ernährungskonzept für eine bestimmte Phase durchaus korrekt sein. Vielleicht zieht es jemanden eine Zeit lang zu veganer Ernährung, zu bestimmten Lebensmitteln oder dazu, etwas vollständig wegzulassen. Der Körper kann genau diese Phase brauchen. Später kann sich das wieder verändern. Schwierig wird es dort, wo der Verstand daraus eine dauerhafte Identität oder eine starre Regel baut. Human Design gibt für mich keine fertige Speisekarte vor. Es zeigt Stellen, an denen wir genauer beobachten können.

Und manchmal ist der Körper noch gar nicht bereit, etwas loszulassen. Franziska beschreibt rückblickend, dass die sehr energiereiche Ernährung möglicherweise genau zu einer Zeit in ihr Leben passte, in der sie noch ein enormes Pensum getragen und weit über ihre heutige Projektor-Mechanik hinaus funktioniert hat. Hätte sie damals rein mental beschlossen, bestimmte Lebensmittel radikal zu streichen, wäre das etwas völlig anderes gewesen, als wenn ihr Körper heute selbst immer deutlicher signalisiert, dass er sie nicht mehr in derselben Form möchte. Auch darin liegt für mich der Unterschied zwischen einem mentalen Ernährungskonzept und einem wirklichen Körperexperiment.

Deshalb halte ich Begleitung gerade beim PHS für so wertvoll. Am Anfang klingt vieles einfach: Das ist deine Ernährungsstrategie, das sind bestimmte Aktivierungen, das ist deine Kognition. Im Alltag entstehen daraus sehr schnell Fragen. Ist das gerade mein Körper oder ein altes Ernährungskonzept? Reagiere ich auf mein Umfeld? Ist das eine Konditionierung aus meiner Kindheit? Braucht mein Körper dieses Lebensmittel gerade tatsächlich? Und was passiert, wenn ich ihm folge? Diese Differenzierung entsteht über Zeit. Genau deshalb ist Ernährung für mich kein einmaliges Reading, sondern ein Prozess.

Du möchtest das Thema lieber hören?

In der Podcastfolge #21 sprechen Franziska und ich über Ernährungskonditionierung rund um Fett, schnellen Zucker, Fleisch und tierische Lebensmittel, unsere eigenen Erfahrungen aus dem PHS-Experiment und darüber, wie unterschiedlich sich Körper, Chart und alte Prägungen im Alltag zeigen können.

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P.S. Wenn du deine Ernährungsstrategie nicht nur kennen, sondern deine ganz eigenen Konditionierungen und Körperreaktionen im Alltag beobachten möchtest, begleite ich dich in meiner Human Design Ernährungsbegleitung durch diesen Prozess.

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