Mentale Gesundheit ist mittlerweile überall ein Thema. Und ich finde das grundsätzlich gut. Gleichzeitig merke ich immer wieder, wie schnell auch daraus etwas Generalisiertes wird. Was ist mental gesund? Was braucht ein Mensch, damit es ihm mental gut geht? Wie viel denken ist zu viel? Muss Meditation den Kopf ruhig machen? Muss ich meine Gedanken kontrollieren? Und genau da wird es für mich durch die Human Design Brille wieder spannend, weil der Mind eben nicht bei jedem gleich funktioniert. Das Gehirn funktioniert nicht bei jedem gleich und auch das, was ein Mensch mental braucht, kann sehr unterschiedlich sein.

Franziska und ich haben beide einen definierten Kopf und ein definiertes Ajna. Denken gehört für uns also einfach dazu. Da ist Aktivität. Da sind Gedankengänge, Zusammenhänge, Schleifen, Ideen. Und ich glaube, einer der größten Skills, die ich in den letzten Jahren gelernt habe, ist überhaupt erstmal zu beobachten, was da oben passiert. Da läuft ein Gedanke. Da läuft vielleicht Angst. Da läuft eine Bewertung, eine Sorge, irgendein alter Film oder eine Vorstellung davon, was jetzt passieren müsste. Und irgendwann kommt dieser kleine Abstand rein: Okay, das läuft gerade in meinem Verstand. Ich muss mich damit nicht automatisch identifizieren.

Das war für mich ein riesiger Schritt. Denn wenn du alles glaubst, was dein Verstand produziert, kannst du dich damit komplett verrückt machen. Gerade wenn Druck dazukommt, Stress, Sorgen, eine Trennung, Unsicherheit oder irgendeine Situation, die du gerade nicht kontrollieren kannst. Der Verstand sucht dann Lösungen. Er fährt Szenarien. Er will wissen, wie es weitergeht. Er möchte Richtung herstellen und Sicherheit bekommen. Und wenn du mitten in dieser Schleife steckst, fühlt sich das schnell so an, als wäre alles davon wahr.

Genau da hat sich für mich durch Human Design viel verändert. Ich habe angefangen, den Verstand viel stärker als etwas zu beobachten, das einfach läuft. Das heißt nicht, dass ich keine Gedanken mehr habe. Um Gottes willen. Mein Kopf denkt. Punkt. Ich habe auch nie verstanden, warum Meditation teilweise so vermittelt wird, als müsste irgendwann einfach nichts mehr da sein. Für mich war das nie so. Und vielleicht muss das auch gar nicht das Ziel sein. Für mich ist viel entscheidender geworden, dass ich einen Gedanken wahrnehmen kann, ohne sofort mit ihm loszulaufen.

Das ist Übung. Und bei mir war das wirklich ein Prozess über Jahre. Ich merke heute viel schneller, wenn mein Verstand wieder versucht, Entscheidungen zu übernehmen. Ich merke, wenn er etwas unbedingt will, wenn er ein Ergebnis haben möchte, wenn er mir erklärt, was vernünftig wäre oder wohin ich gehen sollte. Und dann kommt für mich Strategie und Autorität ins Spiel. Weil genau dort eine andere Instanz sitzt. Der Körper entscheidet.

Das klingt erstmal simpel, ist es aber im Alltag überhaupt nicht. Gerade wenn Stress da ist. Ich habe eine offene Wurzel und kenne diesen Druck sehr gut. Dieses Gefühl, etwas schnell erledigen zu müssen, etwas lösen zu wollen, endlich aus einer unangenehmen Situation rauszukommen. Und wenn dieser Druck mit einem Verstand zusammenkommt, der sowieso permanent arbeitet, dann kannst du sehr schnell irgendwo landen, wo du mental komplett beschäftigt bist. Da hilft mir heute immer wieder diese Beobachtung: Was passiert eigentlich gerade? Ist da wirklich ein körperliches Go? Oder versucht mein Kopf gerade nur, den Druck loszuwerden?

Auch beim Thema Ziele finde ich das inzwischen unglaublich spannend. Ich finde, körperlich korrekte Ziele müssten eigentlich eine ganz andere Definition von Ziel bekommen als das, was wir mental darunter verstehen. Für mich ist das ein himmelweiter Unterschied. Ein mentales Ziel kann ich mir ausdenken. Ich kann sagen: Bis dann möchte ich dort sein, das erreichen, so aussehen, so viel verdienen oder dieses Leben führen. Der Körper funktioniert für mich ganz anders. Da entsteht etwas, da ist Resonanz, da ist eine Richtung, da kommt ein Impuls. Und manchmal führt mich diese Richtung irgendwohin, wo mein Verstand vorher niemals angekommen wäre.

Genau deshalb ist Strategie und Autorität für mich auch beim Thema mentale Gesundheit so wesentlich. Weil ich meinen Verstand damit nicht abschaffen muss. Er darf denken. Ich muss ihn nicht bekämpfen. Aber ich muss ihn auch nicht zum Chef meines Lebens machen.

Und das hat bei mir unendlich viel Druck rausgenommen.

Wenn ich zurückblicke, finde ich diese Fähigkeit zur Beobachtung tatsächlich eine der genialsten Sachen, die ich je lernen durfte. Ich bin unglaublich dankbar dafür, weil es mein Leben an so vielen Stellen leichter gemacht hat. Ich muss nicht jede Sorge lösen, nur weil sie auftaucht. Ich muss nicht jedem Gedanken folgen. Ich muss nicht sofort handeln, weil mein Kopf eine Geschichte erzählt. Ich kann beobachten, meinen Körper wahrnehmen und schauen, was tatsächlich korrekt für mich ist.

Für mich hat mentale Gesundheit durch die Human Design Brille deshalb sehr viel mit dieser Distanz zum eigenen Mind zu tun. Mit dem Wissen, dass mein Verstand da sein darf und dass trotzdem nicht alles, was er produziert, meine Wahrheit oder meine Richtung sein muss. Je länger ich damit experimentiere, desto deutlicher merke ich den Unterschied zwischen einer mental aufgebauten Bewegung und etwas, das wirklich aus meinem Körper kommt.

Und vielleicht ist genau das einer der größten Entlastungspunkte in meinem eigenen Human Design Experiment geworden: Ich darf denken. Ich darf beobachten. Und ich muss daraus nicht automatisch mein Leben bauen.

Du möchtest das Thema lieber hören?
In der Podcastfolge „Mentale Gesundheit durch die Human Design Brille“ sprechen Franziska und ich darüber, wie sich Gedanken, mentaler Druck und Human Design im Alltag zeigen.
→ Podcastfolge anhören

P.S. Wenn du dein Human Design nicht nur verstehen, sondern wirklich in deinem Alltag leben möchtest, kannst du mit einer Basisanalyse bei mir einsteigen. Dabei schauen wir auf deinen Typ, deine Strategie und Autorität und legen die Grundlage für dein eigenes Experiment.

60 Minuten · 160 €
→ Mehr zur Human Design Basisanalyse