Mein siebtes Dekonditionierungsjahr.

Ein Zyklus liegt fast hinter mir. Sieben Jahre klingen nach einer klaren Zahl, fast wie ein Haken auf einer Liste. In der Realität fühlt es sich eher an wie ein langsames Umstellen des ganzen Systems: nicht spektakulär, nicht linear – aber grundlegend. Dinge sind nicht „besser“ geworden, sondern echter. Und vieles, was ich heute als selbstverständlich erlebe, war am Anfang schlicht nicht verfügbar.


Ich bin Projektorin. Und ja: In der Human Design Welt gibt es diesen Satz von Ra, dass Projektoren spätestens mit vierzig ausbrennen. Bei mir gab es ein erstes kleines Burnout schon kurz vor dreißig, rund um den ersten Saturn Return. Aber der „eigentliche“ Burnout als Projektorin begann einige Jahre später – kurz bevor ich überhaupt verstand, was da mit mir passiert.

Ende 2018, Anfang 2019 fing es an: Inseln von Schlaflosigkeit. Nicht dieses „ich bin unruhig“, sondern ein Zustand, als würde der Körper das Leben, was ich lebe, nicht mehr abbauen können. Wie Adrenalin, das nicht mehr runterfährt. Und dann 2020 wurde es drastisch: Über den Sommer habe ich im Grunde aufgehört zu schlafen. Ich war ausgebrannt – und das Absurde war, dass mein Kopf es nicht begriffen hat. Mental war da permanent dieses: „Warum brenne ich aus? Es ist doch alles okay. Ich arbeite doch nur.“

Diese Diskrepanz zwischen Kopf und Körper war damals brutal deutlich. Der Körper sagte längst: Schluss. Und der Kopf suchte weiter nach einer logisch beruhigenden Erklärung. Aber da war nichts. Alles, was da passierte war: Mein Körper wollte, dass ich mich an das erinnere, was ich längst bin. Und nicht an das, was ich glaubte zu sein.
Das war der Punkt, an dem mein Leben sich umstellen musste. Ich war damals noch in der Hotellerie, viel unterwegs, viel Tempo, viel Außen. Und irgendwann war da keine Verhandlung mehr möglich. Mein Körper hat mich aus diesem Leben herausgedrückt. So direkt, so kompromisslos, dass ich aus dem Job raus musste. Ich habe anderthalb Jahre nicht gearbeitet. Nicht als Plan. Sondern als Konsequenz.

Ich wusste damals sehr klar: Wenn ich im Außen nach einer Diagnose suche, werde ich höchstens Leere finden. Genau so war es auch. Es gab nichts, was „repariert“ werden konnte, kein Etikett, das mich erklärt hätte. Also habe ich aufgehört, im Außen Antworten zu sammeln, und habe mich selbst zum Mittelpunkt gemacht: eine radikale Pause, in der ich ohne Behandlungsplan, ohne Medikamente, ohne fremde Vorgaben Schritt für Schritt zurück in meinen eigenen Rhythmus gegangen bin.

Ich war einmal bei einer Psychiaterin – und ihr Satz war sinngemäß: Ich sehe nicht, was mit dir „nicht stimmt“. Du bist in Ordnung. Mehr noch: sehr bewusst. Und all das passte zu dem, worüber ich eh schon Klarheit hatte.
Und parallel wurde noch etwas genauso klar: Die Umgebung, in der ich damals war, war nicht mehr stimmig. Ich habe das nicht nur gedacht – ich habe es körperlich gespürt. Wie ein permanenter Druck: Du musst gehen. Du musst weg. Es gab keine andere Chance. Das war heftig. Auch, weil wir alle trotzdem unseren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Aber irgendwann bleibt nur noch Hingabe an das, was der Körper längst weiß.

In genau dieser Zeit – 2019 – kam Human Design in mein Leben. Und rückblickend kann ich es nicht anders sagen: Human Design hat mir den Arsch gerettet. Nicht als Konzept, nicht als „das erklärt jetzt alles“. Sondern als Praxis der Selbstbeobachtung. Ich habe angefangen, Körper und Mind wirklich zu unterscheiden. Nicht theoretisch, sondern live. Und ich habe begonnen, Schicht für Schicht abzutragen, was ich nicht bin.

In vielen Dingen war ich schon immer sehr authentisch unterwegs. Aber die großen Fragen – wie viel Energie habe ich wirklich, wie viel Output verträgt mein System, was ist meine Geschwindigkeit, welche Themen sind wirklich korrekt, was ist mein Maß – die sind erst durch das Human Design Experiment sichtbar geworden. Und es gab da eine klare Grenze: Oberflächlichkeit ging nicht mehr. Schnelligkeit ging nicht mehr. „Einfach so weiter“ ging nicht mehr. Ich brauchte Tiefe. Und ich brauchte etwas, in dem ich Meisterschaft entwickeln kann. Human Design hat mich nicht mehr losgelassen – auch wenn mein Mind sich lange dagegen gewehrt hat. Es ist nicht gesellschaftlich anerkannt, es ist nicht wissenschaftlich übermauert, es wirkt für viele „zu spirituell“. Was es eigentlich gar nicht ist. Es ist pure Mechanik. Und deshalb liebe ich es. Mein Kopf hatte damals tausend Gründe dagegen. Und trotzdem war es korrekt. Ich hatte, ehrlich gesagt, gar keine Wahl.

Die letzten sechs Jahre waren bei mir deshalb vor allem eins: Rückzug, Lernen, Beobachten, Umsetzen. Viel allein sein – was für mein 6/2-Profil ohnehin typisch ist. Und gleichzeitig: tiefer Austausch mit wenigen Menschen, der mich wirklich genährt hat. In den letzten Jahren habe ich einige der intimsten und stimmigsten Freundschaften meines Lebens gefunden. Allein dafür war dieser Weg schon ein Geschenk. Ich merke das gerade beim Schreiben, Gänsehaut im Körper, weil da so viel Resonanz drin ist.


Und trotzdem: Wenn ich auf die äußeren Bewegungen schaue, wirkt es fast, als hätte sich „nicht viel“ getan. Ich habe gelernt, ich habe mich ausgebildet, ich habe nebenbei gearbeitet, ich habe mich erholt. Schlaflosigkeit hat sich stabilisiert – nicht perfekt, aber tragfähig. Und ich habe etwas sehr Konkretes gelernt: meine Grenzen als Projektorin. Wie viel Input ich vertrage. Wie viel Output realistisch ist. Wie schmal manchmal das Fenster ist – und wie unfassbar teuer es wird, wenn ich es übergehe. Ich weiß nicht, was mein Körper in den ersten vierzig Jahren alles kompensiert hat. Heute sehe ich es deutlicher. Früher habe ich es einfach gemacht. Jetzt – im beginnenden siebten Jahr – spüre ich, dass sich wieder etwas bewegt. Ich gehe auf meinen Chiron zu. Als 6/2 war ich die letzten zwanzig Jahre ohnehin „auf dem Dach“: Beobachten, sammeln, reifen. Und jetzt beginnt langsam dieses leise Zurück-ins-Leben. Ich kann es noch nicht sauber benennen, aber ich kann es beobachten. Da ist ein anderer Zug nach außen, ein anderes Timing, ein anderer Impuls. Nicht als Druck, eher als Veränderung in der inneren Gravitation.

Teaser: Ja, es gab in diesen Jahren noch ein weiteres Erlebnis oder einen Prozess, der mich stark ergriffen und bewegt hat. Gesamthaft ging er fast den gesamten Dekonditionierungszyklus im Human Design. Etwas, wovon ich nie gedacht habe, dass es überhaupt existiert. Gesellschaftlich gibt’s noch kaum Worte dafür. Aber das gehört nicht hierher, sondern wird seinen eigenen Raum bekommen – auf einer separaten Website, einfach weil es ein anderes Feld ist.
Momentan kann ich nur sagen, dass es meine Arbeit auf ein ganz neues Level hebt. Ich kann es noch immer kaum glauben und bin unendlich dankbar für diese Chance in meinem Leben.

Für diesen Artikel bleibt die Essenz: Ein Dekonditionierungszyklus ist nicht romantisch. Er ist nicht „wow, jetzt bin ich erleuchtet“. Er ist ein Umlernen im Körper – ein Stück für Stück abtragen, was man nicht ist. Ein Realisieren, was nicht mehr geht. Ein Akzeptieren, dass man oft nicht gebaut ist für das, was der Mind gernhätte. Ein Anerkennen seiner eigenen Limitation. Und ein langsames Wieder-Finden von dem, was von Anfang an da war.

Das siebte Jahr.
Und ich merke: Ich stehe an einer Schwelle.
Und die Dekonditionierung geht weiter.