IHuman Design Beziehungen: Nichtkommunikation ist nicht folgenlos – auch wenn sie korrekt ist
Ich habe mich in den letzten Wochen und Monaten unglaublich viel mit Kommunikation in Beziehungen beschäftigt. Eigentlich begleitet mich dieses Thema schon seit vielen Jahren, weil ich immer wieder erlebt habe, dass Menschen plötzlich nicht mehr kommunizieren, sich zurückziehen und manchmal einfach aus einer Verbindung verschwinden. Und ich habe mich lange gefragt, warum mich das so sehr beschäftigt. Denn für mich war es immer völlig okay, wenn jemand seinen Rückzug braucht, wenn eine Freundschaft irgendwann nicht mehr passt oder wenn sich eine Beziehung verändert. Ich bin selbst jemand, der unglaublich viel Alleinzeit braucht und anderen Menschen sehr viel Raum gibt. Ich bin eine Sechserlinie, kann Menschen ziemlich objektiv betrachten und sie einfach so stehen lassen, wie sie sind. Gleichzeitig habe ich im Laufe meiner eigenen Dekonditionierung erkannt, dass bei mir ein altes Muster mitspielt. Ich habe schon als Kind gelernt, dass ich geliebt und gesehen werde, wenn ich möglichst unkompliziert bin, den anderen nicht anstrenge und mich selbst ein bisschen zurücknehme. Und das war so selbstverständlich für mich, dass ich lange überhaupt nicht gemerkt habe, wie viel Verantwortung ich dadurch manchmal für andere Menschen übernommen habe. Gerade als Projektorin können Beziehungen für mich unglaublich tief gehen. Ich kann einem Menschen ganz viel Raum geben und trotzdem emotional tief mit ihm verbunden sein. Und irgendwann habe ich für mich verstanden, dass zu einer Beziehung immer zwei Menschen gehören. Jeder bringt seine eigene Mechanik mit, seine Konditionierungen, seine Bedürfnisse und eben auch seine Verantwortung für den eigenen Teil dieser Verbindung.
Wenn wir Human Design leben, beschäftigen wir uns unglaublich viel mit Korrektheit. Mit unserer Strategie, unserer Autorität und der Frage, was für uns tatsächlich stimmt. Und ich finde das wahnsinnig spannend, gerade wenn wir anfangen, unsere Strategie und Autorität im Alltag zu leben. Denn es kann absolut korrekt sein, mit einem bestimmten Menschen gerade nicht zu kommunizieren. Vielleicht bin ich vollkommen im Rückzug. Vielleicht habe ich mit meiner Milzautorität ein klares Nein zu einem Kontakt. Vielleicht hat ein Generator eine sakrale Nein-Reaktion oder für einen Projektor ist ein bestimmter Kontakt gerade nicht einladend. Das darf alles da sein. Ich kenne diese Rückzüge selbst unglaublich gut. Es gibt Zeiten, in denen ich überhaupt kein Bedürfnis nach Kommunikation habe, und manchmal habe ich auch mit bestimmten Menschen kein Go. Jetzt kommt aber etwas dazu, das ich unglaublich interessant finde. Ich habe vielleicht seit Jahren eine enge Freundschaft, führe eine Partnerschaft oder bin mit jemandem geschäftlich verbunden. Der andere kennt meinen Zustand überhaupt nicht. Er weiß vielleicht nicht einmal, ob ich gerade einfach meinen Rückzug brauche oder ob sich an unserer Beziehung grundsätzlich etwas verändert hat. Und hier können tatsächlich mehrere Dinge gleichzeitig bestehen. Es kann korrekt sein, gerade nicht zu kommunizieren, und die Freundschaft kann weiterhin vollkommen korrekt sein. Vielleicht ist es gerade einfach eine Phase, in der ich Zeit für mich brauche. Der andere Mensch kann das Schweigen aber als Rückzug aus der gesamten Beziehung erleben. Vielleicht glaubt er irgendwann, dass die Freundschaft beendet ist, obwohl das überhaupt nicht der Fall ist. Das finde ich schon krass, wenn man sich anschaut, welche Auswirkungen Nichtkommunikation haben kann.
Gerade im Human Design dürfen wir dabei auch immer wieder unsere eigenen Konditionierungen anschauen. Denn wie schnell ist der Verstand mit einer Erklärung zur Stelle? Ich bin eben eine Fünferlinie, auf mich wird immer projiziert. Ich bin eine Dreierlinie, ich lebe Versuch und Irrtum. Oder ich bin Projektor und warte auf Einladung. Human Design ist unglaublich leckeres Wissen für den Verstand und wir können wahnsinnig viel damit erklären. Aber nur weil wir etwas in unserem Chart sehen, bedeutet das noch lange nicht, dass wir dieses Potenzial in unserem Human Design Chart auch tatsächlich leben. Wir haben schließlich unser ganzes Leben lang Konditionierungen aufgenommen, vor allen Dingen über unsere offenen Zentren. Und gerade wenn es um unangenehme Gespräche geht, können diese Muster unglaublich stark werden. Vielleicht habe ich ein offenes Emotionszentrum und möchte eine Konfrontation vermeiden. Vielleicht habe ich schon als Kind gelernt, dass es besser ist, schwierige Dinge einfach nicht anzusprechen. Vielleicht merke ich längst, dass eine Freundschaft nicht mehr stimmt, und weiß überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll. Und irgendwann sage ich dann: Ich bin eben im Rückzug, es ist gerade nicht korrekt, ich habe kein Go. Aber vielleicht lohnt es sich an dieser Stelle, genauer hinzuschauen. Was nehme ich eigentlich über meine Körperintelligenz wahr und was erklärt mir gerade mein Verstand? Auch emotional definierte Menschen können natürlich Kommunikation vermeiden und in ihren Konditionierungen unterwegs sein. Ich beobachte solche Mechanismen immer wieder bei mir selbst. Wir sind alle in unserem Experiment und niemand lebt ständig vollkommen korrekt. Genau deshalb finde ich diese Beobachtung so wichtig, gerade wenn unsere Entscheidungen auch andere Menschen betreffen.
Ich nehme gerne mal extreme Beispiele, weil man daran oft ganz gut erkennen kann, worum es eigentlich geht. Stell dir vor, du lebst seit vielen Jahren mit deinem Partner zusammen. Ihr liebt euch, habt eine gemeinsame Beziehung aufgebaut und irgendwann gehst du in einen ganz intensiven Rückzug. Dein Körper möchte allein sein und du hast gerade auch kein Go, mit deinem Partner zu kommunizieren. Dann könntest du natürlich einfach das Haus verlassen. Vielleicht bist du für Wochen oder sogar Monate weg und dein Partner hat überhaupt keine Ahnung, was passiert ist. Er weiß nicht, ob du wiederkommst, ob eure Beziehung noch besteht oder ob du einfach nur Zeit für dich brauchst. Ich meine, was macht das mit dem anderen Menschen? Und wie gehen wir in solchen Situationen mit unserer Verantwortung für eine bestehende Beziehung um? Vielleicht wäre es möglich, kurz zu sagen: Du, ich bin gerade vollkommen im Rückzug. Ich kann auch mit dir nicht reden. Ich weiß nicht, wie lange das dauert, aber ich melde mich. That’s it. Dann hat der andere zumindest eine Information. Natürlich kann es auch sein, dass selbst diese kurze Kommunikation gerade nicht korrekt ist. Genau deshalb finde ich das Thema so spannend. Vielleicht können wir schon viel früher miteinander darüber sprechen, wie wir solche Phasen handhaben möchten. Ich habe beispielsweise eine Freundin, mit der ich vereinbart habe, dass ich ihr kurz Bescheid gebe, wenn ich länger in den Rückzug gehe. Sie kennt mein Bedürfnis nach Alleinsein und ich weiß, dass ihr diese Information wichtig ist. So eine Vereinbarung kann ja ganz unterschiedlich aussehen. Gerade in engen Freundschaften und Partnerschaften, in denen wir die Bedürfnisse des anderen mit der Zeit kennenlernen, gibt es da unglaublich viele Möglichkeiten. Und trotzdem kann es passieren, dass wir irgendwann feststellen, dass wir ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie wir eine Beziehung führen möchten. Auch das gehört zum Miteinander.
Bei geschäftlichen Vereinbarungen wird das Thema für mich noch einmal besonders interessant. Nehmen wir an, zwei Menschen gehen einen Deal miteinander ein. Vielleicht haben beide ein definiertes Ego, und wir schauen uns das Ganze mal durch die Human-Design-Brille an, mit dem Thema Tribe, Gemeinschaft, Wille und Support. Beide haben eine Vereinbarung getroffen und übernehmen ihren Teil. Irgendwann merkt einer von beiden, dass dieser Deal nicht mehr korrekt ist. Vielleicht hat sich etwas verändert, vielleicht ist die Energie nicht mehr da oder die Autorität zeigt ein klares Nein. Das kann alles passieren. Ein Deal, der vor einem Jahr korrekt war, muss heute nicht mehr korrekt sein. Aber der andere Mensch ist ja weiterhin an dieser Vereinbarung beteiligt. Vielleicht hat er Aufgaben übernommen, Termine geplant oder sich darauf verlassen, dass der gemeinsame Deal besteht. Wenn jetzt einfach keine Kommunikation mehr stattfindet, steht dieser Mensch plötzlich allein mit der Vereinbarung da. Er versucht vielleicht nachzufragen, übernimmt zusätzliche Aufgaben oder wartet darauf, dass irgendwann wieder etwas kommt. Und hier finde ich die Frage nach Verantwortung wirklich relevant. Denn wenn sich auf meiner Seite etwas verändert, dann kenne zunächst einmal ich diese Veränderung. Der andere weiß davon überhaupt nichts. Für mich gehört es zu einem gemeinsamen Deal, dass ich mitteile, wenn ich meinen Teil nicht mehr übernehmen kann. Vielleicht möchte ich den Deal beenden oder verändern. Vielleicht weiß ich es selbst noch nicht. Auch das kann ich doch kommunizieren. Und gerade dieses Nichtwissen finde ich so wichtig, weil sich Beziehungen und Zusammenarbeiten ja oftmals über einen längeren Zeitraum verändern. Man fällt doch meistens nicht einfach von heute auf morgen aus einer jahrelangen Freundschaft oder Zusammenarbeit heraus. Vielleicht merke ich schon seit Wochen oder Monaten, dass sich etwas verändert, und habe selbst noch keine Ahnung, was daraus wird. Dann kann ich sagen: Du, ich weiß gerade nicht, ob unsere Zusammenarbeit für mich noch stimmt. Ich brauche Zeit. Vielleicht können wir in ein paar Wochen noch einmal darüber sprechen. Das ist doch auch eine Information. Der andere weiß dann, dass etwas in Bewegung ist, und kann sich ebenfalls dazu verhalten. Ich muss noch überhaupt keine fertige Entscheidung haben. Manchmal braucht es wirklich nur drei fucking Worte. Ich weiß nicht. Ich kann nicht. Ich bin draußen. Und der andere weiß zumindest, woran er gerade ist.
Ich glaube, dass uns diese Fragen in den nächsten Jahren noch sehr beschäftigen werden. Gerade wenn wir uns im Human Design den Frequenzwechsel 2027 anschauen und darüber sprechen, wie sich Gemeinschaft, Support und Individualität verändern. Ich habe schon öfter darüber geschrieben, wie sehr sich unsere Beziehungen in der neuen Zeit verändern könnten. Und in meiner Wahrnehmung wird Kommunikation dabei eine riesige Rolle spielen. Wir werden weiterhin Freundschaften haben, Partnerschaften führen, Familien gründen und miteinander arbeiten. Jeder Mensch hat seine eigene Mechanik, seine eigenen Bedürfnisse und seine ganz individuelle Korrektheit. Und manchmal verändern sich diese Dinge im Laufe des Lebens. Vielleicht ist ein Kontakt gerade nicht einladend, vielleicht braucht jemand sehr viel Rückzug und vielleicht wird eine bisherige Verbindung irgendwann tatsächlich nicht mehr korrekt sein. All das gehört zu unserem Experiment. Gleichzeitig haben wir Menschen in unserem Leben, mit denen wir bereits verbunden sind und die von solchen Veränderungen betroffen sein können. Ich habe für mich in den letzten Monaten unglaublich viel darüber gelernt, wie ich meine Beziehungen führen möchte. Ich möchte Menschen weiterhin ihren Raum geben, möchte tiefe Freundschaften und authentische Verbindungen leben und ich möchte meine eigenen Bedürfnisse genauso wahrnehmen. Ich habe auch erkannt, wie oft ich durch meine Konditionierung versucht habe, die fehlende Kommunikation eines anderen Menschen irgendwie mitzutragen. Das war teilweise unglaublich schmerzhaft und irgendwann habe ich gemerkt, dass es für mich nicht mehr gesund ist. Ich möchte meinen eigenen Teil einer Beziehung übernehmen und wünsche mir, dass auch der andere Verantwortung für seinen Teil übernimmt. Und trotzdem bin ich wirklich offen für andere Perspektiven. Vielleicht erlebt jemand Nichtkommunikation ganz anders und entscheidet sich vollkommen bewusst dafür, auch wenn dadurch eine Freundschaft endet. Vielleicht finden zwei Menschen einen Weg, mit langen Rückzügen umzugehen, ohne dass ihre Bindung darunter leidet. Es gibt wahnsinnig viele Möglichkeiten, solche Beziehungen zu leben. Ich finde einfach, wir dürfen genauer hinschauen, was wir selbst wahrnehmen, welche alten Muster vielleicht noch mitspielen und wie unsere Entscheidungen auf die Menschen wirken, mit denen wir verbunden sind. Denn Nichtkommunikation kann absolut korrekt sein. Und sie kann gleichzeitig Folgen haben. Genau diese beiden Dinge dürfen nebeneinanderstehen.
Du möchtest das Thema lieber hören?
In meinem Podcast Human Design Leben spreche ich in Folge 38 „Human Design Beziehungen: Nichtkommunikation ist nicht folgenlos – auch wenn sie korrekt ist“ ausführlich über dieses Thema und freue mich auch dort über eure Erfahrungen und Perspektiven.
Best, Rita
P.S. Du möchtest dein eigenes Human Design besser kennenlernen und anfangen, deiner Körperintelligenz im Alltag zu folgen? In meiner Human Design Basisanalyse schauen wir uns deinen Typ, deine Strategie und Autorität an und legen damit die Grundlage für dein eigenes Experiment.
Und wenn du bereits in deinem Experiment bist und ein bestimmtes Thema wie Partnerschaft, Strategie & Autorität oder deine Dekonditionierung vertiefen möchtest, findest du unter So kannst du mit mir arbeiten meine weiteren Angebote.