Wir alle haben Muster. Manche davon begleiten uns wahrscheinlich schon seit unserer Kindheit und irgendwann merken wir vielleicht, dass etwas immer wieder ähnlich abläuft. Wir sagen Ja, obwohl wir eigentlich Nein sagen wollten. Wir nehmen uns etwas vor und ein paar Wochen später sind wir wieder genau an derselben Stelle. Wir wissen sogar längst, was da passiert, und trotzdem verändert sich erst einmal gar nichts. Genau das finde ich so spannend. Im Human Design sprechen wir viel über Konditionierung und Dekonditionierung. Konditionierung ist für mich per se nichts Schlechtes. Wir werden unser ganzes Leben konditioniert und die eigentliche Frage ist für mich immer, ob diese Konditionierung für mich korrekt ist. Es gibt Dinge, die irgendwann entstanden sind und heute immer noch wunderbar zu meinem Leben passen. Und es gibt Schutzmuster, die vielleicht irgendwann einen sehr guten Grund hatten und irgendwann merken wir, dass sie heute einfach weiterlaufen, obwohl sie uns gar nicht mehr dienen. Genau dort beginnt für mich überhaupt erst das Beobachten.
Was ich immer wieder merke, ist, wie sehr wir überschätzen, was Wissen alleine verändern kann. Ich kann ganz genau verstanden haben, woher etwas kommt. Ich kann mein Human Design Chart auswendig kennen und trotzdem läuft etwas in mir weiter, weil es sich irgendwann so tief eingeprägt hat. Iris beschreibt das im Gespräch sehr schön mit einer Musterschleife. Etwas passiert, wir reagieren darauf, machen wieder dieselbe Erfahrung und dadurch bestätigt sich das Muster immer weiter. Irgendwann kann dieser Moment kommen, in dem ich überhaupt erst wahrnehme, dass ich da gerade wieder in etwas drin bin. Genau diese Wahrnehmung finde ich unglaublich wichtig. Ich sehe irgendwann vielleicht früher, was passiert. Ich merke, dass ich wieder auf eine bestimmte Art reagiere. Und irgendwann entsteht daraus eine neue Erfahrung. Das muss nicht sofort funktionieren und es muss auch nicht perfekt funktionieren. Es ist ein Prozess. Genau so erlebe ich auch Dekonditionierung. Mit der Zeit wird etwas sichtbarer und irgendwann kann sich etwas verändern.
Für mich gehört dazu sehr stark Selbstverantwortung. Ich finde es immer wieder bemerkenswert, wenn jemand an den Punkt kommt und sagt: Okay, das ist jetzt mein Ding. Vielleicht weiß ich, woher es kommt. Vielleicht sehe ich auch, was meine Eltern oder mein Umfeld damit zu tun hatten. Unsere Eltern wurden genauso geprägt und konditioniert und leben ebenfalls mit ihren eigenen Erfahrungen. Irgendwann bin ich erwachsen und kann schauen, was ich mit dem mache, was heute in meinem Leben vorhanden ist. Ich kann wahrnehmen, ob ein Muster überhaupt ein Problem für mich ist. Es muss nicht jedes Kinkerlitzchen bearbeitet werden. Genau da landen wir sonst sehr schnell wieder bei Selbstoptimierung. Wenn etwas für mein Leben passt, darf es auch da sein. Und wenn ich merke, dass ich an einer Stelle immer wieder hängenbleibe und wirklich etwas verändern möchte, dann kann ich anfangen hinzuschauen und für mich herausfinden, was dort überhaupt passiert.
Ich finde dabei die unterschiedlichen Brillen unglaublich spannend. Human Design ist eine Brille, durch die wir solche Prozesse anschauen können. Für mich ist Human Design eine sehr präzise Brille und mein Weg läuft ganz stark über Strategie & Autorität und über mein eigenes Experiment. Andere Menschen arbeiten mit dem Nervensystem oder mit inneren Antreibern und wieder andere haben ganz andere Ansätze. Iris hat genau deshalb für ihren Kongress Menschen aus sehr unterschiedlichen Bereichen eingeladen. Ich finde das so schön, weil ein ähnliches Phänomen je nach Brille einen anderen Namen bekommen kann. Für mich geht es dabei immer wieder um Resonanz. Was passt gerade zu mir? Wo möchte ich hinschauen? Mit welchem Ansatz möchte ich arbeiten? Das kann am Ende jeder nur für sich selbst herausfinden.
Vielleicht beginnt Musterbrechen genau dort. Ich erkenne irgendwann, dass etwas automatisch abläuft und ich fange an, es wahrzunehmen. Mit der Zeit mache ich vielleicht eine neue Erfahrung und irgendwann entsteht daraus wieder eine neue Möglichkeit. Genau deshalb passt dieses Thema für mich so gut zu Human Design Leben. Ich kann unglaublich viel wissen und irgendwann kommt der Punkt, an dem ich anfangen darf, es tatsächlich zu leben.
Du möchtest das Thema lieber hören?
In Podcastfolge #37 von Human Design Leben spreche ich mit Iris Pointinger über Muster, Schutzstrategien, Selbstverantwortung und darüber, warum Wissen allein häufig noch keine Veränderung erzeugt. Iris erzählt außerdem von ihrem Online-Kongress „Hätt ich doch mal.“ und von den unterschiedlichen Brillen, durch die wir auf unsere Muster schauen können.
→ Podcastfolge #37: Muster brechen: Warum Wissen allein noch nichts verändert – mit Iris Pointinger
P.S. Wenn du dein Human Design bereits kennst und an einem konkreten Thema aus deinem eigenen Experiment tiefer arbeiten möchtest, kannst du dafür eine Einzelsession – Raum für dein Experiment bei mir buchen.