Ich sage immer wieder: beobachten. Beobachten, was passiert. Beobachten, was der Körper macht. Beobachten, wo der Verstand übernimmt, wo Konditionierung läuft, wo Gefühle hochkommen. Üben, sich nicht sofort mit allem zu identifizieren. Das ist für mich ein riesiger Teil meines Human Design Experiments geworden. Und heute habe ich einfach keine Lust darauf. Heute möchte ich fucking identifiziert sein. Ich möchte traurig sein. Ich möchte wütend sein. Ich möchte enttäuscht sein. Ich möchte weinen und ich möchte es schwer finden dürfen. Ich möchte auch mal in Selbstmitleid baden, ohne sofort wieder daneben zu stehen und zu beobachten, was da gerade in mir passiert. Ich kann es sowieso beobachten. Diese Fähigkeit geht nicht mehr weg. Aber heute möchte ich das alles einfach mal erleben.

In den letzten Wochen ist unglaublich viel zusammengekommen. So viel Nichtkommunikation in meinem Umfeld. Menschen, mit denen Deals da sind, Absprachen da sind, Beziehungen da sind, und trotzdem habe ich immer wieder das Gefühl, dass niemand Verantwortung für seinen Teil übernimmt. Freundschaften verändern sich. Zusammenarbeit verändert sich. Selbst geschäftliche Dinge fühlen sich teilweise wahnsinnig herausfordernd an, weil jeder sein eigenes Süppchen kocht und Verantwortung irgendwie immer weitergeschoben wird. Und parallel trage ich seit ungefähr 15 Monaten einen Prozess, über den ich hier noch nie geschrieben habe. Einen Prozess, der mich körperlich und emotional an Grenzen gebracht hat, von denen ich vorher nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Ich bin müde. Ich bin so fucking müde. Ich war in meinem Leben noch nie so erschöpft wie in den letzten anderthalb Jahren. Vielleicht sogar in den letzten sieben Jahren. Und manchmal kommt dann einfach diese Frage hoch: Wer hält eigentlich mich? Wer gibt mir einmal Sicherheit? Wer übernimmt einfach seinen Teil, damit ich für einen Moment nicht alles mittragen muss?

Und gleichzeitig weiß ich, dass ich keine Wahl habe. Ich folge meiner Korrektheit, respektive meiner Mechanik. Ich gehe weiter. Ich beobachte trotzdem. Ich merke trotzdem, was passiert. Und gerade merke ich, dass meine Wahrnehmung sich verändert hat. Dieser Prozess der letzten anderthalb Jahre hat mir eine wahnsinnig präzise Wahrnehmung geschenkt. Teilweise macht mir das Angst. Vor ein paar Tagen hatte ich zum ersten Mal ganz deutlich das Gefühl, dass diese Wahrnehmung sich erweitert. Dass sie sich nicht mehr nur auf diesen einen Prozess bezieht, sondern dass ich Dinge auch bei anderen Menschen anders oder präziser wahrnehme. Und da war plötzlich dieses: Oh mein Gott, was passiert hier eigentlich mit mir? Ich habe dafür bis heute keine richtigen Worte. Ich weiß nicht, wohin sich das entwickelt. Ich sehe einfach, dass sich etwas verändert.

Vielleicht ist das auch ein Teil von dem Frequenzwechsel, über den ich immer wieder spreche. Ich weiß es nicht. Ich hatte vor ein paar Tagen zum ersten Mal auf einen Schlag diese Wahrnehmung: Okay, vielleicht ist das genau das. Vielleicht verändert sich etwas so grundlegend, dass ich Menschen, Situationen, Verantwortung, Kommunikation und Dynamiken inzwischen viel schneller sehe. Und ehrlich gesagt macht mir das teilweise überhaupt keinen Spaß. Präzise Wahrnehmung klingt immer so wahnsinnig schön, bis man anfängt Dinge zu sehen, die man vielleicht gar nicht sehen möchte. Bis man merkt, wie viel Nichtkommunikation da ist. Wie viel Verantwortung nicht übernommen wird. Wie viele Menschen sich persönlich angegriffen fühlen, obwohl es eigentlich nur darum geht, dass jeder seinen Teil trägt. Und dann sitze ich da und denke mir: Ich möchte das gerade nicht Human Design technisch auseinandernehmen. Ich möchte keine Zentren analysieren, keine Linien, keine Konditionierung, keine Mechanik. Ich nehme einfach wahr, was passiert. Das reicht mir gerade völlig.

Und vielleicht gehört genau das genauso zu meinem Experiment. Dass ich nicht jeden Tag die perfekte Beobachterin bin. Dass ich nicht jeden Tag über allem schwebe und sage: Ah, interessant, da ist gerade Wut. Heute bin ich wütend. Heute bin ich enttäuscht. Heute bin ich traurig. Heute ist es mir teilweise zu viel. Heute frage ich mich, wer mich eigentlich hält. Heute finde ich das alles fucking anstrengend. Und morgen kann ich wieder beobachten. Oder übermorgen. Mein Experiment läuft trotzdem weiter. Meine Mechanik läuft trotzdem weiter. Ich muss nicht jeden einzelnen Moment perfekt machen. Es darf Tage geben, an denen alles nebeneinandersteht und ich einfach nur mitten drin bin. Vielleicht ist genau das heute mein Experiment.

In Liebe, 

Rita