Konditionierung wird im Human Design häufig in einem eher negativen Kontext gesehen. Wir wollen dekonditionieren, unsere Konditionierungen loswerden und authentischer werden. Für mich ist Konditionierung an sich erst einmal etwas vollkommen Natürliches. Wir werden unser ganzes Leben konditioniert und wir brauchen Konditionierung auch. Entscheidend ist, ob eine Konditionierung für uns korrekt ist und zu unserem Leben gehört. Denn was für einen Menschen korrekt ist, kann für einen anderen überhaupt nicht passen. Wenn wir unser Human Design Experiment beginnen und Strategie und Autorität leben, beginnt genau dort auch der Dekonditionierungsprozess. Wir treffen nach und nach Entscheidungen aus unserer eigenen Körperintelligenz und lassen dadurch Dinge, Menschen, Situationen und Muster hinter uns, die nicht zu uns gehören. Gleichzeitig kommen andere Menschen, andere Erfahrungen und andere Lebenssituationen in unser Feld und konditionieren uns wiederum. Genau deshalb ist Strategie und Autorität für mich die Grundlage von allem. In Strategie & Autorität im Alltag habe ich ausführlicher darüber geschrieben, wie sich diese Praxis im echten Leben entwickelt. Dekonditionierung ist für mich ein Prozess, der Zeit braucht. Konditionierungen sind über Jahre und Jahrzehnte entstanden, teilweise begleiten sie uns seit unserer Kindheit. Unsere Eltern haben uns das mitgegeben, was sie selbst für richtig gehalten haben. Sie wiederum waren geprägt von ihrer eigenen Familie, ihrer Umgebung, ihrer Geschichte und davon, wie Dinge ihrer Meinung nach zu sein hatten. Dazu kommen Freunde, Beziehungen, Arbeitskollegen, Arbeit, Erfahrungen, Erlebnisse, tägliche Transite und die größeren Zyklen unseres Lebens. All das wirkt auf uns ein und all das hinterlässt etwas. Wie tief solche Konditionierungen bis in ganz alltägliche und körperliche Bereiche hineinreichen können, habe ich zum Beispiel in PHS: Warum Ernährung die tiefste Konditionierung ist beschrieben.

Ich finde dabei immer wieder spannend, wie intelligent der Körper mit diesem Prozess umgeht. Wir leben in einer Zeit, in der sehr viel angeschaut, bearbeitet und optimiert werden soll. Gerade bei tieferen Erfahrungen entsteht schnell die Vorstellung, dass wir etwas bewusst hochholen und bearbeiten müssen. Meine Wahrnehmung in meinem eigenen Experiment ist, dass der Körper sein eigenes Timing hat. Bestimmte Themen tauchen auf, wenn wir überhaupt in der Lage sind, sie wahrzunehmen und damit umzugehen. Das kann sehr viel später sein. Es können nach vielen Jahren noch Dinge sichtbar werden, an die wir längst nicht mehr denken und die trotzdem unser Verhalten oder unsere Entscheidungen beeinflussen. Genau deshalb kann Dekonditionierung ein ganzes Leben dauern. Wir beobachten uns immer wieder in denselben Situationen und manchmal merken wir zum hundertsten oder millionsten Mal, dass der Verstand eine Entscheidung übernommen hat. Und irgendwann passiert an derselben Stelle etwas anderes. Der Körper wird deutlicher. Wir erkennen schneller, was gerade passiert. Manche tiefen Konditionierungen brauchen einfach länger, bis sie sich bewegen. Dazu kommen im Human Design die größeren Zyklen, die wiederum eigene Themen und Lernfelder mitbringen. Auch diese Konditionierungen gehören für mich zum Leben. Wenn wir über Strategie und Autorität korrekt in einen solchen Zyklus oder eine Erfahrung hineingehen, entsteht daraus etwas, das zu unserer Entwicklung und letztlich auch zu unserer Bestimmung gehört. Bestimmung ist für mich ohnehin etwas, das sich nur schwer mit dem Verstand greifen lässt. Ich kenne mein Inkarnationskreuz, habe mich in meiner Ausbildung intensiv mit Inkarnationskreuzen und Zyklen beschäftigt und finde dieses Wissen unglaublich spannend. Meine eigene Bestimmung kann ich trotzdem nicht einfach intellektuell erklären. Ich kann sie beobachten und wahrscheinlich irgendwann immer besser erkennen, wenn ich tatsächlich darin lebe. Genau deshalb brauche ich dieses Wissen für mein Experiment nicht zwingend. Strategie und Autorität reichen als Grundlage vollkommen aus. Darüber entscheide ich, welche Menschen in mein Leben kommen, welche Arbeit ich eingehe, mit welchen Erfahrungen ich interagiere und welche Konditionierungen ich überhaupt aufnehme. Daraus entsteht nach und nach mein ganz eigenes Leben.

Nach inzwischen sechs Jahren in meinem Human Design Experiment konnte ich eine Veränderung besonders deutlich beobachten: Mein Verstand ist sehr viel leiser geworden und mein Körper sehr viel lauter. Mit lauter meine ich, dass ich ihn überhaupt viel besser höre und seine Sprache inzwischen viel deutlicher wahrnehme. Seine Signale haben mehr Kraft in meinem Leben und ich erkenne schneller, wenn mein Verstand versucht, etwas zu übernehmen. Natürlich passiert es mir weiterhin, dass ich Entscheidungen aus dem Verstand treffe. Gerade in Bereichen, in denen Konditionierung sehr tief sitzt, kann das immer wieder vorkommen. Für mich liegt genau darin ein großer Teil des Experiments: beobachten, wieder beobachten und irgendwann feststellen, dass sich etwas ganz grundlegend verändert hat. Bei mir gab es irgendwann diesen Moment, in dem ich gemerkt habe, dass wirklich ein großer Brocken Konditionierung weggegangen ist, der nicht zu mir gehört hat. Das konnte ich vorher nicht planen und wahrscheinlich hätte ich auch gar nicht benennen können, wie sich das später einmal anfühlen würde. Über diesen Weg und darüber, was sich in meinen ersten Jahren mit Human Design tatsächlich verändert hat, schreibe ich auch in Mein siebtes Dekonditionierungsjahr. Und genau deshalb finde ich Human Design Wissen weiterhin mega. Man kann sich mit Toren, Kanälen, Profilen, Variablen, Inkarnationskreuzen und Zyklen jahrelang beschäftigen. Das eigentliche Experiment entsteht für mich durch Strategie und Autorität und durch die vielen echten Entscheidungen im Alltag. Dort verändert sich mit der Zeit die Konditionierung. Dort wird der Körper hörbarer. Und irgendwann können wir rückblickend sehen, wie viel sich tatsächlich bewegt hat.

Du möchtest das Thema lieber hören? In der dazugehörigen Folge von Human Design Leben spreche ich ausführlicher über Konditionierung, Dekonditionierung, Strategie und Autorität und darüber, was sich in meinen ersten sechs Jahren im eigenen Experiment verändert hat.

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P.S. Wenn du dein Human Design nicht nur kennenlernen, sondern dein eigenes Experiment mit einer fundierten Grundlage beginnen möchtest, schauen wir in meiner Human Design Basisanalyse auf deinen Typ, deine Strategie und Autorität und darauf, wie du damit im Alltag wirklich arbeiten kannst.

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