Passive und aktive Körper gehören für mich zu den spannendsten Themen im Human Design, weil man hier so unmittelbar beobachten kann, dass Körper eben nicht alle gleich funktionieren. Genau darüber habe ich mit Franziska in einer Podcastfolge von Human Design Leben gesprochen. Franziska hat einen aktiven Körper, ich habe einen passiven Körper, und dadurch konnten wir beide sehr konkret aus unserem eigenen Experiment erzählen: über Bewegung, Essen, Energie, Wahrnehmung und darüber, was der eigene Körper eigentlich braucht. Denn genau das interessiert mich an Human Design. Wissen gibt es da draußen genug. Für mich wird es immer dort spannend, wo dieses Wissen im Alltag landet und man irgendwann wirklich beobachten kann: Ah, okay, mein Körper funktioniert tatsächlich so.

Wenn du in dein Human Design Chart schaust, findest du oben die vier Pfeile, die Variablen. Auf der linken Seite liegt die Körperseite, die Designseite. Der obere linke Pfeil gehört zur Ernährung beziehungsweise Determination und damit zu Gehirn und Körper. Zeigt dieser Pfeil nach links, sprechen wir von einem aktiven Gehirn und einem aktiven Körper. Zeigt er nach rechts, von einem passiven Gehirn und einem passiven Körper. Für mich war genau diese Zuordnung irgendwann unglaublich wichtig, weil mir ursprünglich beigebracht wurde, mein oberer Pfeil würde nur mein Gehirn beschreiben und der Umgebungspfeil darunter meinen Körper. Dadurch hätte ich nach dieser damaligen Erklärung ein passives Gehirn und einen aktiven Körper gehabt. Damit war ich nie in Resonanz. Ich habe meinen Körper beobachtet und gedacht: Das kann einfach nicht stimmen. Später wurde genau diese Zuordnung noch einmal korrigiert und für mich fiel damit ein riesiger Groschen. Gehirn und Körper gehören hier zusammen. Mein oberer linker Pfeil zeigt nach rechts und ich habe einen passiven Körper. Und je länger ich damit experimentiere, desto deutlicher wird mir das.

Bei Franziska zeigt sich ihr aktiver Körper sehr stark über Bewegung. Sie beschreibt, dass Bewegung ihr hilft, besser zu denken und besser zu funktionieren. Sie war schon als Kind viel in Bewegung und hatte später Pferde, Garten, Haus, Selbstständigkeit und Sport gleichzeitig. Für sie lag die Lernkurve deshalb irgendwann darin, herauszufinden, wann es genug ist. Gerade als Projektorin kann sie einen aktiven Körper haben und trotzdem nicht dieselbe dauerhafte Energie wie ein Generator. Das fand ich im Gespräch so spannend, weil man daran wieder sieht, wie differenziert Human Design wird. Ein aktiver Körper braucht Bewegung und trotzdem entscheidet Strategie und Autorität darüber, wie viel Bewegung heute korrekt ist. Manchmal reichen Franziska dreißig Minuten, manchmal sind zwei Stunden Bewegung passend. Inzwischen beobachtet sie viel genauer, wann eine Pause dran ist und wann der Körper wieder weiter möchte.

Dasselbe hat sie beim Essen beobachtet. Früher hat sie teilweise sechs Stunden durchgearbeitet, ohne etwas zu essen oder überhaupt eine richtige Pause zu machen. Danach kamen starke Essensimpulse, weil ihr Körper sich offenbar nachträglich die Energie geholt hat, die vorher gefehlt hatte. Heute isst sie regelmäßiger und merkt, dass dadurch auch diese extremen Ausschläge am Abend deutlich weniger werden. Für sie hängt das alles zusammen: Bewegung, Energiezufuhr, Gehirnleistung, Verdauung und Pausen. Wenn sie zu wenig Energie bekommt, merkt sie es körperlich. Sie wird kalt, das Denken funktioniert schlechter und irgendwann ist schlicht keine Energie mehr da. Bewegung unterstützt bei ihr wiederum die Verdauung und das Denken. Das ist für mich genau die Stelle, an der man begreifen kann, was ein aktiver Körper überhaupt bedeutet. Es geht um einen Körper, dessen System Aktivität braucht und der gleichzeitig lernen darf, diese Aktivität wirklich körperlich zu regulieren.

Bei meinem passiven Körper erlebe ich das vollkommen anders. Ich bin selbst immer noch in einer riesigen Lernkurve, gerade was das Zusammenspiel von Essen und Bewegung angeht. Ich bin Energieprojektorin und dadurch kommt bei mir noch einmal eine eigene Dynamik hinein. Trotzdem gibt es etwas, das ich eigentlich mein ganzes Leben lang beobachten konnte: Mein Körper braucht erstaunlich wenig Nahrung, wenn ich wirklich korrekt esse. Ich staune teilweise selbst darüber. Und gleichzeitig bedeutet ein passiver Körper für mich überhaupt nicht, dass Bewegung keine Rolle spielt. Ich brauche Bewegung. Ich sitze viel am Computer und merke ganz deutlich, dass mein Körper einen Ausgleich möchte. Bei mir sind es zum Beispiel Spaziergänge, Wandern und inzwischen vor allem Yin Yoga. Wenn ich korrekt esse, beobachte ich sogar, dass ich mich manchmal etwas mehr bewege. Dann mache ich vielleicht eine Yogaeinheit mehr oder gehe fünf- statt viermal in der Woche eine halbe Stunde laufen. Es sind Nuancen. Mein Körper wird dadurch nicht plötzlich zu einem aktiven Körper. Er bekommt einfach genau die Bewegung, die für ihn korrekt ist.

Gerade beim Essen hat sich für mich über die Jahre unglaublich viel ausdifferenziert. Ich kann inzwischen sehr fein wahrnehmen, wann mein Körper genug hat. Manchmal geht es wirklich nur noch um eine sehr kleine Menge und mein Körper sagt trotzdem ganz klar: Vergiss es, das war es jetzt. Genau deshalb kann ich mit diesen ganzen generalisierten Kalorienangaben für mich wenig anfangen. Bei einem passiven Körper darf man sehr genau beobachten, was der eigene Körper tatsächlich braucht. Und natürlich spielt auch hier wieder der Typ mit hinein. Ein Generator oder Manifestierender Generator mit passivem Körper wird möglicherweise einen anderen Energiebedarf haben als ich als Projektorin. Genau deshalb lande ich am Ende immer wieder bei Strategie und Autorität. Der Verstand kann aus „passiver Körper“ sofort wieder eine neue Ernährungsregel machen. Im Experiment geht es viel mehr darum zu beobachten: Hat mein Körper genug? Braucht er noch etwas? Was sagt er gerade tatsächlich?

Was mich am passiven Körper inzwischen fast noch mehr fasziniert, ist seine Wahrnehmungsfähigkeit. Bei mir hat sich diese Körperwahrnehmung über die Jahre enorm verfeinert, und Yin Yoga hat dabei noch einmal etwas geöffnet. Ich hatte vorher nie eine Bewegungsform gefunden, die ich wirklich regelmäßig machen wollte. Spazierengehen und Wandern waren eigentlich immer das, was sich für meinen Körper natürlich angefühlt hat. Dann kam Yin Yoga und plötzlich war da diese tiefe Resonanz. Seitdem beobachte ich meinen Körper noch viel genauer. Ich kann teilweise wahrnehmen, wie nach bestimmten Übungen über Stunden oder Tage etwas im Körper weiterarbeitet. Beim Beckenboden habe ich zum Beispiel beobachtet, wie sich diese körperliche Arbeit wellenförmig von einer Seite über die Mitte zur anderen Seite bewegt hat. Ähnliche Wahrnehmungen hatte ich im Brustkorb. Ich kann gar nicht immer benennen, was genau dort körperlich passiert. Für mich ist vielmehr spannend, dass ich es überhaupt wahrnehme. Je länger ich mein Experiment lebe, desto direkter scheint die Information meines Körpers bei mir anzukommen.

Auch Berührung ist für mich mit einem passiven Körper ein großes Thema. Ich mag sanfte Berührung und bei Massagen merke ich sehr deutlich, dass hartes Arbeiten an meinem Körper für mich überhaupt nicht passend ist. Gleichzeitig nehme ich sehr viel von dem Menschen auf, der mich berührt. Auch dort wird Strategie und Autorität wieder unglaublich wichtig: Ist das gerade der richtige Mensch? Ist diese Behandlung korrekt? Wie viel Berührung ist passend? Franziska erlebt ihren aktiven Körper an dieser Stelle robuster. Durch ihre Arbeit als Tätowiererin hat sie über viele Jahre ganz unterschiedliche Körper direkt unter den Händen gehabt und irgendwann begonnen, auch dort Unterschiede wahrzunehmen. Sie beschreibt, dass sich Gewebe unterschiedlich anfühlt und sie bei manchen Körpern wesentlich stärker arbeiten muss, während andere viel weicher reagieren. Für sie war das irgendwann ein weiterer ganz praktischer Moment, in dem ihr das Thema aktiver und passiver Körper noch einmal anders aufgegangen ist.

Und genau da kommt für mich ein Punkt hinein, der mich wirklich berührt. Wir sind gesellschaftlich unglaublich stark darauf konditioniert, wie ein Körper auszusehen hat. Schlank, drahtig, fest, sportlich. Und irgendwann habe ich angefangen, mir passive und aktive Körper genauer anzuschauen und zu beobachten, wie unterschiedlich sie überhaupt aussehen können. Der passive Körper hat für mich oft eine weichere Form. Er ist anders gebaut. Und ich habe so oft Menschen mit passivem Körper gesehen, die unglaublich hart versuchen, ihren Körper in eine Form zu trainieren, die vielleicht gar nicht seiner Natur entspricht. Genau dort wünsche ich mir einfach sehr viel mehr Differenzierung. Ein passiver Körper darf ein passiver Körper sein. Bewegung gehört dazu. Ernährung gehört dazu. Strategie und Autorität gehören dazu. Und wenn all diese Dinge immer präziser werden, entsteht daraus der Körper, der für diesen Menschen korrekt ist. Für mich ist das eines der schönsten Dinge an diesem Wissen: Diese Vorstellung von einem einzigen perfekten Körper beginnt sich aufzulösen und plötzlich kann man anfangen, den eigenen Körper als das zu sehen, was er tatsächlich ist.

Vielleicht ist das am Ende auch der wichtigste Punkt dieser ganzen Folge. Aktiver und passiver Körper ist für mich kein weiteres Wissen, das man jetzt über sich legt und anschließend versucht, möglichst perfekt umzusetzen. Es ist wieder ein Experiment. Du kannst anfangen zu beobachten, wie dein Körper auf Bewegung reagiert, wann er Energie braucht, wie Essen sich auswirkt, mit welcher Art von Bewegung du überhaupt in Resonanz bist und wie fein deine eigene Wahrnehmung mit der Zeit wird. Genau wie bei allem im Human Design braucht es Strategie und Autorität, damit dieses Wissen irgendwann wirklich im Körper landet. Und dann kann es passieren, dass man nach Jahren zurückschaut und plötzlich versteht, warum so viele Dinge im eigenen Leben immer schon genau so waren.

Die dazugehörige Podcastfolge „Passiver Körper, aktiver Körper: Warum du anders funktionierst“ findest du hier: 

→ Podcastfolge auf Spotify anhören

Best, Rita

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