85.000 Jahre Verstand – und warum wir jetzt Entscheidungen aus dem Körper treffen müssen

Der Mind identifiziert sich nur mit sich selbst. Und ich finde, wenn man das einmal wirklich greift, dann wird plötzlich so viel klarer, warum Strategie und Autorität (Körperintelligenz) für so viele Menschen so schwer sind. Warum es so schwer ist, sich darauf einzulassen, das im Experiment zu erleben, den Skill von Wahrnehmung und Beobachtung wirklich zu schulen. Ich ziehe vor jedem den Hut, der da reingeht, der die Eier hat, seinen Mind anzufangen zu beobachten – und ihn nicht mehr als Intelligenzgewalt für das eigene Leben zu nehmen.

Und gleichzeitig verstehe ich’s komplett. Ich bin jetzt ein Dekonditionierungszyklus im Experiment und es ist einfach ein Pain in the ass, seine Autorität kennenzulernen, wenn du so konditioniert bist, wenn du so verschüttet bist, wenn der Körper so lange „unten“ war und der Verstand so lange „oben“. Wir haben unserem Mind 85.000 Jahre lang Beachtung geschenkt. Warum soll das jetzt einfach gehen, wieder in die Körperintelligenz zurückzufinden? Wenn man sich mal anschaut, wo wir herkommen: zuerst fünfzentrig, dann siebenzentrig – und im Sprung dahin kam der Ajna dazu, das Mentale, das Sprechen, der abgesenkte Kehlkopf, diese ganze Welt von Denken und Benennen. Und vom sieben- zum neunzentrigenWesen, von Homo sapiens sapiens zu Homo sapiens transitus, 1781 – das ist die neueste Wandlung. Wir sind ein Übergangsmodell. Dazu kam der Solarplexus, noch nicht voll ausgebildet, Vorform. Und wenn man sich die Welt anguckt: 50% definiert, 50% nicht definiert. Eine komplexe Gruppe und genau das hat einen Grund. Es war zum „üben“ da. Und wir können damit nicht umgehen, weil uns Strategie und Autorität fehlt. Weil wir alles über den Verstand machen.

Der Mind identifiziert sich nur mit sich selbst – und du siehst das so schön, wenn du dir einen Human Design Chart anschaust und versuchst zu verstehen. Schwarz bewusst, rot unbewusst. Du kannst in manchen Programmen die rote Seite einfach ausblenden. Zack. Weg. Und plötzlich siehst du, womit sich der Verstand identifiziert: ein Bruchteil. Als würde der Körper nicht existieren. Als hätte der Körper kein Mitspracherecht. Als wäre Körperintelligenz nur ein besonders schönes Wort. Und das ist nicht „weil wir doof sind“. Das ist Konditionierung. Das ist Historie. Und bis jetzt hat es irgendwie funktioniert, weil wir von außen stabilisiert wurden. Autoritäten da draußen, Strukturen, Community, Verträge, „man fällt weich“. Das war die Hintergrundfrequenz. Und ab nächstem Jahr beginnt sich das zu drehen. Nicht wie ein Lichtschalter über Nacht, aber über die Jahre und über die nächsten Dekaden. Und dann wird es wehtun, wenn du weiter Entscheidungen aus dem Verstand triffst, weil du nicht mehr so weich aufgefangen wirst. Und genau da kommt Strategie und Autorität rein. Als Kompass. Weil die äußeren Autoritäten wegfallen. Du stehst da und willst dich irgendwo festhalten – und ja: an deiner eigenen Strategie und Autorität. Nur: das ist der Teil, den der Mind am liebsten überspringen würde, weil der Mind sich nur mit sich selbst identifiziert. Der will wieder Kontrolle. Der will wieder „ich hab’s verstanden“. Der will wieder „ich weiß es“. Und das ist der Moment, wo sich so viele in Human Design verlieren: Human Design Wissen bleibt Human Design Wissen. Nett. Spannend. Man kann damit Beziehungen verstehen, Arbeit verstehen, Muster verstehen. Das kann Selbstermächtigung sein, dieses „oh mein Gott, ich hab’s immer gewusst“. Ich kenne das. Ich hatte das. Vor allem bei Strategie und bei der Art, wie ich mit der Welt interagiere. Zelltief. Und trotzdem: dieses Potenzial wird nur freigeschaltet, wenn du Human Design Strategie und Autorität lebst. Daran geht kein Weg vorbei. Wir wollen Human Design im Alltag.

Und jetzt ist nicht mehr die Zeit, Human Design nur zu konsumieren. 2020, Corona, da ist es bei vielen erst richtig reingeschwappt, leider oft verzerrt, viel Oberfläche, viel Bla. Und jetzt – sieben Jahre später als Beispiel für einen Zyklus – wird es Zeit, in die Körperintelligenz zu gehen. Nicht perfekt. Ich treffe nach Jahren im Experiment immer noch Entscheidungen, die nicht korrekt sind. Das ist okay. Das ist ein Experiment. Aber die Fähigkeit, dich selbst zu navigieren, die Fähigkeit, dich nicht mehr automatisch mit dem Geschnatter im Kopf zu identifizieren, die Fähigkeit, überhaupt zu merken: „Ah. Das ist mein Verstand und ich muss mich nicht identifizieren – das ist essenziell.
Der Mind identifiziert sich nur mit sich selbst. Und genau deshalb braucht es diese Praxis. Beobachtung. Wahrnehmung. Immer wieder. Als Skill. Weil die Zukunft keine Lust mehr hat auf Entscheidungen aus dem Verstand, die nur deshalb „gehen“, weil das Außen dich auffängt. Und weil du am Ende keine Wahrheit brauchst, die du irgendwo liest, sondern einen Körper, der dich führen kann.