Ich beschäftige mich schon länger mit der Frage, wie wir Beziehungen eigentlich leben wollen, wenn wir anfangen, wirklich unser eigenes Design zu leben. Und mit Beziehungen meine ich für mich auch viel mehr als Partnerschaft. Familie, Freundschaften, berufliche Beziehungen, Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, Gemeinschaften – überall dort treffen unterschiedliche Menschen mit einer vollkommen unterschiedlichen Mechanik aufeinander. Gleichzeitig tragen wir unglaublich viele Vorstellungen darüber in uns, wie Beziehung auszusehen hat, was Nähe bedeutet, wie viel Kontakt richtig ist, was ein Partner geben sollte, wie Freundschaft funktioniert oder wie lange eine Verbindung bestehen muss, damit sie als gelungen gilt. Vieles davon haben wir irgendwann übernommen. Aus unserer Familie, aus der Gesellschaft, aus Beziehungen, die wir beobachtet haben, aus Moralvorstellungen und aus dem, was eben als normal gilt. Und irgendwann im eigenen Experiment wird es spannend, weil der Körper bei all diesen Vorstellungen plötzlich mitredet. Dann stellt sich bei einer Beziehung irgendwann viel weniger die Frage, wie sie aussehen sollte, und viel mehr, ob sie für mich überhaupt korrekt ist. Genau dort lande ich wieder bei Strategie & Autorität im Alltag, weil auch Beziehungen letztlich über Entscheidungen entstehen. Wen lasse ich überhaupt in mein Leben? Mit wem gehe ich eine Partnerschaft ein? Wie viel Nähe ist für mich stimmig? Welche Verbindung trägt noch und wo ist etwas längst vorbei? Das kann mir mein Chart nicht abnehmen. Genau dafür brauche ich meine eigene Körperintelligenz.
Im Human Design finde ich diesen Blick auf Beziehungen gerade mit Blick auf 2027 besonders interessant. Wir kommen aus einer langen Hintergrundfrequenz, in der Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Unterstützung, Verträge und dieses gegenseitige Tragen sehr stark waren. Das hat natürlich auch unsere Vorstellungen von Beziehung geprägt. Man bleibt zusammen. Man gehört zusammen. Man hält aus. Man erfüllt bestimmte Rollen. Man weiß, was Familie, Partnerschaft oder Freundschaft bedeutet. Diese Frequenz verändert sich und wir bewegen uns stärker in Richtung Individualität. Darüber habe ich ausführlicher in Ab 2027 reicht es nicht mehr, wenn du Human Design nur konsumierst geschrieben. Für mich bedeutet das vor allem, dass die eigene Korrektheit innerhalb von Beziehungen immer wichtiger wird. Gerade jetzt finde ich es unglaublich spannend zu beobachten, welche Verbindungen sich verändern, welche plötzlich sehr deutlich werden und wo Dinge hochkommen, die vielleicht lange durch Gewohnheit, Loyalität oder eine gemeinsame Rolle zusammengehalten wurden. Dabei geht es für mich überhaupt nicht darum, eine Beziehung zu bewerten. Eine Beziehung kann herausfordernd sein und trotzdem korrekt. Sie kann Lernfelder mitbringen, sie kann etwas in uns berühren und sie kann Phasen haben, in denen es ordentlich rumpelt. Der Körper entscheidet trotzdem auf seine eigene Weise, ob diese Verbindung zu unserem Weg gehört.
Und dann kommt noch etwas dazu, das ich wahrscheinlich mit am spannendsten finde: Wir sind einfach wahnsinnig unterschiedlich. Wenn man zwei Charts nebeneinanderlegt, sieht man sehr schnell, dass Menschen vollkommen andere Verfügbarkeiten, Bedürfnisse, Rhythmen und Arten von Nähe mitbringen. Der eine braucht sehr viel körperliche Nähe, ein anderer sehr viel Raum. Manche Menschen sind unglaublich konstant in bestimmten Bereichen und andere überhaupt nicht. Manche können etwas geben, was der andere vielleicht selbstverständlich erwartet, und bei einem anderen Menschen ist genau diese Verfügbarkeit einfach nicht da. Und sobald zwei Menschen zusammenkommen, entsteht zusätzlich eine ganz eigene Dynamik zwischen ihnen. Plötzlich tauchen Themen auf, die jeder für sich alleine vielleicht gar nicht kennt. Anziehung, Spannung, Projektionen, Trigger, bestimmte Rollen – dieses dritte Feld zwischen zwei Menschen ist für mich immer wieder faszinierend. Je besser ich meine eigene Mechanik kenne, desto leichter wird es für mich auch, die Mechanik eines anderen stehen zu lassen. Genau da kommt für mich das Thema Limitation wieder hinein. In Limitationen – der Beginn von Selbstliebe habe ich darüber geschrieben, wie entspannend es werden kann, die eigene Begrenzung wirklich anzuerkennen. In Beziehungen gilt für mich dasselbe. Wenn ich erkenne: Das bin einfach ich. Und wenn ich beim anderen erkennen kann: Das ist einfach dieser Mensch. Dann fällt unglaublich viel Druck weg. Ich brauche den anderen nicht mehr ständig in eine Form zu drücken, damit die Beziehung meinem Bild entspricht.
Für mich beginnt die eigentliche Revolution deshalb bei mir selbst. Je länger ich mein Human Design Experiment lebe, desto deutlicher merke ich, was für mich in Beziehungen funktioniert und wo mein Körper irgendwann einfach nicht mehr mitgeht. Und daraus entsteht mit der Zeit auch eine sehr ruhige Form von Selbstliebe. Ich kann mich an manchen Stellen schlicht nicht mehr so gut verraten wie früher. Gleichzeitig wächst damit die Möglichkeit, einem anderen Menschen viel mehr von seinem eigenen Wesen zu lassen. Das heißt für mich auch, dass Beziehung sehr individuell werden darf. Vielleicht sieht eine Verbindung von außen vollkommen ungewöhnlich aus und ist für die beiden Menschen darin genau richtig. Vielleicht verändert sie ihre Form. Vielleicht braucht sie mehr Abstand, mehr Nähe, andere Absprachen oder eine ganz eigene Art von Verbindlichkeit. Das kann ich vorher mit dem Verstand gar nicht vollständig entwerfen. Ich kann beobachten, entscheiden und schauen, was sich daraus entwickelt. Genau darin liegt für mich die Revolution: Beziehung immer weniger nach einer fertigen Vorstellung zu leben und immer mehr aus der tatsächlichen Mechanik der Menschen entstehen zu lassen. Und ich glaube, dass wir damit in den nächsten Jahren noch sehr viel experimentieren werden.
Du möchtest das Thema lieber hören? In Episode #8 von Human Design Leben spreche ich noch ausführlicher darüber, wie sich unsere Vorstellungen von Beziehung verändern können, was 2027 damit zu tun hat und warum die eigene Korrektheit für mich die Grundlage jeder Verbindung ist.
→ Podcastfolge #8 „Wie kann ich meine Beziehungen revolutionieren?“ anhören
P.S. Wenn du dein Human Design bereits kennst und gerade ein konkretes Thema in deiner Partnerschaft oder einer anderen Beziehung anschauen möchtest, können wir genau damit in einer Einzelsession arbeiten und gemeinsam auf deine Mechanik und die aktuelle Dynamik schauen.
→ Einzelsession – Raum für dein Experiment · 60 Minuten · 160 €